¡Hola a la gente en Austria!
Leider war ich die letzten zwei Wochen faul und konnte mich nicht überwinden, einen Bericht zu schreiben - aber die neuesten Neuigkeiten der letzten drei Wochen:
Als wir am Dienstag, 20. November, mit dem Lehrer ins Dorf fuhren war ich geschockt: Der Sohn des Lehrers, der gleichzeitig auch ein Becado bei uns im Dorf ist, soll liquichado sein. Da zum Haus des Lehrers keiner Zutritt hat, muss es während der Zeit im Dorf bei der "Gastmutter" passiert sein - SCHOCK! Wir haben im Dorf die Fettabsauger! ;-) Zum Arzt oder ins Krankenhaus kann man allerdings mit dieser "Krankheit" nicht gehen, da es dort nur schlimmer gemacht wird. Also wurde ein Wunderheiler befragt, der auch eindeutig die Diagnose stellte: Liquichado - also isst der arme Junge seither nur Suppe von schwarzen (!) Hähnen und Spezialeiern - natürlich eine schweineteure Diät, da die schwarzen Hähne selten sind und dementsprechend teuer. Aber dank dieser Spezialbehandlung ist der Junge am gesunden! Zusatzproblem: Da ja nur die Gastmutter den Schlüssel zum Zimmer hat, muss sie oder ihr Mann es gewesen sein oder sie muss wissen, wer dem armen Jungen das Fett abgesaugt hat. Anscheinend will der Lehrer die Gastmutter nun verklagen! Für mich scheinen die Symptome wie eine normale Magen-Darm-Grippe: Erbrechen und Kopfweh - aber wer weiss: Vielleicht glaube ich nach einem Jahr Aufenthalt hier auch an diese Dinge! :-)
Am Donnerstag jener Woche klopfte es am späten Nachmittag an meiner Tür und während ich noch "Sí" sagte, stand schon ein Mann Mitte 40 bei mir im Zimmer und fragte, ob er sich setzen dürfte. Klar - ich bin doch ein freundlicher Mensch! Doch wieder einmal hatte man mich mit einem Arzt verwechselt, denn er meinte, ich solle ihm doch die Krankengeschichte seines verstorbenen Vaters erklären und er legte mir einen Haufen Kopien der Krankenhausakte auf dem Tisch. Wie soll ich bitte irgendetwas erklären können, wenn 1) es in der Klaue eines Arztes geschrieben ist und 2) das noch auf Spanisch. Ich musste ihn also ungetaner Arbeit wieder wegschicken, aber er kann es, so meine ich, heute noch nicht glauben, dass ich kein Arzt bin.
Am Freitag jener Woche kam dann die Englischlehrerin einfach nicht zum Unterricht - war aber halb so schlimm, denn oft leite ich den Unterricht auch alleine, wenn sie anwessend ist. Anscheinend (oder ziemlich sicher) soll sie am Vortag den Geburtstag eines Kollegen gefeiert haben und das scheint ihr nicht wohlbekommen zu sein. Doch diese Geburtstagsfeier hatte noch weitere Auswirkungen auf meine "Pläne" (wenn man hier zu irgendetwas Plan sagen kann ;-)). Der Lehrer, mit dem wir eigentlich am Abend nach Llallagua gefahren wären, war ebenfalls noch nicht fahrtauglich und so musste ich eben noch bis Samstag Morgen warten. Am Freitag Abend kamen dann dieser Lehrer und seine Frau, ein anderer Lehrer und Gladys, meine "Chefin", auf mein Zimmer, plauderten mit mir und tranken Tee. Doch das Interessantestes war der Gesichtsausdruck, als ich den Lehrern mein Yogur Natural (Yoghurt ohne Fruchtgeschmack und ohne Zucker) kosten liess - warum hat man in solchen Momenten die Kamera nicht bei der Hand! ;-)
Der Lehrer meinte dann, wir fahren morgen (also Samstag) um halb fuenf Uhr morgens weg - also wartete ich ab 4:15 Uhr auf die Abfahrt. Nach zwei Stunden, also um 6 Uhr, starteten wir dann die Reise nach Llallagua. Mittlerweile weiss ich auch die Kilometeranzahl: 115 Kilometer von Llallagua nach Tomaycuri - dauert hier allerdings zwischen fünf und sechs Stunden!
Am Samstag Abend traffen wir, dh. Andreas und ich, noch zwei Touristen in Llallagua - ein Attraktion! Mit ihnen gingen wir dann noch ein Bier trinken und plauderten über ihre Reise. Er ist Ire und sie Französin und reisen seit mittlerweile fast einem Jahr in der Weltgeschichte herum. Da er nur wenig Spanisch sprach, fand unsere Unterhaltung auf Englisch statt - das einzige Problem ist nur, das mir am Anfang immer wieder spanische Begriffe reinrutschten, aber nach einer halben Stunde Unterhaltung (und einem Bier) ging es dann schon wieder recht flüssig.
Wieder im Dorf angekommen, kam am Montag die E-Lehrerin wieder einmal nicht zum Unterricht - hatte eine Besprechung mit dem Direktor. Mit dem Ergebnis dieser Besprechung bin allerdings auch ich sehr zufrieden: Sie wird auch nächstes Jahr in Tomaycuri bleiben, was ich super finde, da ich mich mit ihr gut verstehe, allerdings finde ich den Grund ein wenig komisch: Der Direktor möchte nicht, dass eine Englischlehrerin mit Ausbildung an seine Schule kommt, weil ja dann die SchülerInnen endlich einmal etwas lernen müssten. Aus diesem Grund darf ich auch die Tests nicht bewerten, da bei mir die Noten um einiges schlechter ausfallen würden - aber dank der Nachsicht der "Englisch-"Lehrerin sind heuer alle in Englisch durch.
Auch die "Miete" für mein Luxuszimmer in Tomaycuri habe ich bezahlt: die Hälfte der Stromkosten - macht für 4 Monate 5.2 Euro. So billig werde ich nie wieder wohnen können! :-)
Noch einige Anmerkungen zum Wetter: Zur Zeit regnet es im Dorf jeden Tag. Meistens ist es so, dass am Vormittag herrlicher Sonnenschein ist und am Nachmittag ein Gewitter UND mehrere kurze Regenschauer vorbeikommen. Für diese Jahreszeit ist das hier normal, da wir uns am Beginn des Sommers, also der Regenzeit, befinden. Pluspunkt: weniger Staub; Minuspunkt: Matsch, Matsch, Matsch
Am Freitag vorletzter Woche bekamen die SchülerInnen in die Tomaycuri ihren "Bono Juancito Pinto". Das heisst: Jede(r) SchülerIn von der ersten bis zur sechsten Klasse, der die Schulstufe abgeschlossen hat, bekommt 200 Bol (ca. 20 Euro) in die Hand damit er - hoffentlich - die nächste Klasse besucht. 200 Bol sind am Land relativ viel - so beläuft sich der Beitrag der Eltern für ein Jahr als Becado im Programm der Fundación Pueblo auf ca. 130 Bol - der Rest wird von der Bezirksverwaltung und von der Fundación Pueblo bezahlt.
Letztes Wochenende war leider das letzte mit Andreas in Llallagua - er wird nach der Arbeit in La Paz nicht mehr ins Campo zurückgehen. Das musste natürlich anständig gefeiert werden - zuerst Charquekan essen (getrocknetes und dann gebratenes Fleisch, Mais, zwei Eier und Kartoffeln) und dann noch Bier trinken gegangen. Interessant fand ich, dass hier die Bars zum Grossteil bereits um halb 12 abends zu-(!)sperren.
Am Sonntag wollten wir dann mit der 10-Uhr-Flota ins Dorf fahren - nur leider war diese, die normalerweise erst um 11 fährt, an jenem Tag bereits um 9:30 Uhr abgefahren. Ob wir die Buskosten (immerhin 15 Bol = 1.5 Euro) wieder zurückbekommmen ist eine andere Frage, aber wir haben zumindest reklamiert). Wir fuhren dann am Nachmittag mit einem Lehrer nach Tomaycuri. Dabei kamen wir zu einem Autounfall - ein Geländewagen war auf gerader Strecke in den Graben gerutscht und umgekippt - warum wohl? Natürlich war der Fahrer betrunken, was hier meist die einzige Unfallursache ist! Mit drei Seilen wurde das Auto wieder auf seine vier Räder gestellt. Pech fuer mich - genau das Seil, an dem ich zog, riss ab und der Besitzer meinte, der Gringo (wer sonst!) soll es bezahlen. Momentan war ich so wütend, dass ich ihm am liebsten alle Schimpfwörter, die ich mittlerweile auf Spanisch kann, an den Kopf geworfen hätte - ich schwieg aber nur und drehte mich um und dachte mir - Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.
Im Dorf endet nächsten Dienstag dieses Schuljahr und so war die letzte Woche von Prüfungs-"Stress" geprägt. Aus diesem Grund lernte ich mit den Becados aus ihren Heften - das einzige Problem ist, dass, wenn sie einen, vom Lehrer mit Antworten diktierten, Fragenkatalog haben, es bei fünf Becados sieben verschiedene Antworten in den Heften gibt. Also war der Grossteil der Arbeit die Fragen und Antworten zu syncronisieren und dann noch ein wenig zu lernen. Zusätzliches Problem: Ich stelle eine Frage - keiner weiss die Antwort - ich erkläre die Antwort und stelle die gleiche Frage nochmal - SCHWEIGEN!!! Oft ist es dann ein wenig ermüdend und nervenauftreibend!
Fortsetzungsgeschichte "Meine Zimmermaus": In dieser Woche habe ich endlich Nahrung fuer mein Zimmermäuschen gefunden, die sie sogar von der Mausefalle runterfrisst: Schinkenwurst. Jeden Morgen bekommt sie wieder ein Stückchen auf die Mausefalle und über Nacht frisst sie brav ihre tägliche Ration. Allerdings will sie sich nicht fangen lassen. Trotzdem habe ich schon eine "Beute" gefangen. Am Donnerstag kam Najaira, die Tocher meiner Encargada, in mein Zimmer und fragte was das (Mausefalle) sei. Ich schrie nur "NO", aber es war schon zu spät und sie präsentierte mir die Mausefalle an ihrem Finger baumelnd. Doch dank einem Plaster und ein wenig Creme war der Schmerz schnell wieder vergessen.
Diese Woche fuhren wir bereits am Donnerstag nach Llallagua, da Gladys noch ihren Bericht für November schreiben und ich den 4-Monatsbericht für Österreich fertigstellen musste. Allerdings war die Reise wieder einmal mehr als spannend: Bis Pocoata ging alles gut - ausser, dass eine Frau im Bus einen Kanister voller Speiseöl umgeleert hatte und darum alle durch den Bus rutschten und dass wir natürlich wie immer Ewigkeiten auf eine Fahrgelegenheit warteten. Zuerst schien es so, dass wir in Pocoata übernachten müssten, allerdings kamen dann noch andere Fahrgäste und wir überredeten einen Fahrer eines Kleinbuses uns doch noch nach Llallagua zu fahren. Zirka eine Stunde vor Llallagua war dann Schluss - Batterie leer. Der Fahrer meinte nur: Bis hierher und nicht weiter! Zum Glück kam aber ein Auto, dass uns die Batterie zum Starten lieh und wir konnten weiterfahren. Allerdings mussten wir Strom sparen und konnten deswegen das Licht nicht anmachen. Halb so schlimm, denkt sich der Bolivianer, und fährt mit dem Licht zweier Taschenlampen!
Um halb 12 Uhr abends stand ich dann vor der versperrten Tür des Hauses in dem sich mein Zimmer befindet. Die Tür war leider nicht nur versperrt sondern zusätzlich noch fünffach verriegelt - also war mit dem Schlüssel nichts zu machen. Allerdings öffnete auch nach Klingeln, an-die-Tür-Hämmern, Schreien, Steine-ans-Fenster-Werfen, ... keiner. Sogar die Nachbarin kam mir zur Hilfe und schrie sich die Seele aus dem Leib. Nach einer halben Stunde öffnete sich ein Fenster und das verschlafene Gesicht meiner Vermieterin kam zum Vorschein. "Ach, habe ich gut geschlafen. Ich habe gar nichts gehört!" Gut, aber immerhin konnte ich in meinem Zimmer schlafen!
Gestern arbeitete ich im Büro hier in Llallagua und stellte meinen 4-Monatsbericht für das österreichische Innenministerium fertig. Wer Interesse hat, kann sich den Bericht unter diesem Link downloaden: http://docs.google.com/Doc?id=df3gxjpd_9rsw6mff4
Für mich heisst es morgen das letze Mal für 2007 ins Dorf zu fahren - am Donnerstag werde ich hoffentlich rechtzeitig in Llallagua ankommen um gleich noch nach La Paz weiterzureisen, wo ich dann für zwei Monate wohnen und arbeiten werde. Freue mich schon auf täglichen Internetzugang und wirklich warmer Dusche - ausserdem kennt man in der Grossstadt einen Gringo und man fühlt sich als Weisser nicht immer wie eine Zirkusattraktion.
Wünsche euch das Beste für die kommende Woche!
Liebe Grüsse,
Andreas
Samstag, 8. Dezember 2007
Dienstag, 20. November 2007
Fotos!!!
Endlich gibt es die versprochenen Fotos von der Reise zum Lago Titicaca und von Todos Santos (Allerheiligen).
Leider habe ich diese Woche auch nicht alle Mails beantwortet - aber auf jede kommt eine Antwort!!! Also weiterhin brav schreiben!
Hier der Link:
Liebe Grüsse,
bis nächste Woche!
Andreas
Leider habe ich diese Woche auch nicht alle Mails beantwortet - aber auf jede kommt eine Antwort!!! Also weiterhin brav schreiben!
Hier der Link:
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| Oktober - Reise Titicaca-S |
Liebe Grüsse,
bis nächste Woche!
Andreas
Samstag, 17. November 2007
Warum oesterreichische Antibiotika-Tabletten in Bolivien nicht wirken
¡Hola a todos!
Warum war schon wieder so viel los in der letzten Woche? Da muss ich beinahe einen neuen Bericht schreiben! ;-)
Am letzten Samstag habe ich mich endlich getraut, die Batterie meiner geliebten Armbanduhr zu wechseln. Schon seit einigen Wochen bleibt sie wegen der schwachen Batterie und der Kaelte immer in der Nacht stehen, aber ab Donnerstag ging gar nichts mehr. Also bin ich zu einer "Relojería" ("Uhrenreparaturstand") gegangen und wollte die Batterie wechseln lassen. Als sie (Frauen und Technik!!!) die Uhr allerdings mit roher Gewalt mit einem Schraubenzieher oeffnen wollte, war ich schneller weg als sie schauen konnte. Bei einem anderen Stand bezahlte ich dann 0.8 Euro fuer die Batterie und nochmals 60 Cent fuer das Waschen der gesamten Uhr, da sich der Sekundenzeiger auch mit neuer Batterie nicht bewegen wollte. Bis jetzt funktioniert sie super - aber es war ja auch ein Mann, der sie mir repariert hat ;-)
Bei meiner Ankunft am Sonntag Nachmittag in Tomaycuri - SCHOCK - gab es kein Wasser. Ich hatte genau noch zwei Liter Wasser in einer Flasche gehortet, aber keiner wusste, wann es wieder Wasser geben wuerde. Zu meinem Glueck war aber der Schock nach zwei Stunden wieder vorrueber und das Wasser floss wie gewohnt aus dem Hahn. Allerdings war mir dieses Erlebnis eine Lehre: Ab sofort stehen die Flaschen bei mir nicht, wie bisher, leer im Zimmer herum sondern sind immer vollgefuellt, damit ich zumindest fuer eine Woche genuegend Wasser haette.
Am Montag kamen dann die "wichtigsten" Personen der Fundación Pueblo nach Tomaycuri um das vergangene Jahr des Programmes "Hospedaje Estudiantil en Familia" ("Schuelerinternat in Familien") durchzufuehren. Annette, die Schweizerin aus La Paz, Elena, die Verantwortliche der Fundación im Norden von Potosí, Rosa, die Supervisorin des Programms und natuerlich unser Chauffeur, der Alex.
Im Endeffekt waren alle positiv gestimmt und es wurde beschlossen, auch im naechsten Jahr das Programm in Tomaycuri fortzufuehren.
Am Dienstag kam Raúl, Annettes Ehemann, und ein "Gehilfe" um Sequenzen fuer einen Film ueber die Fundación Pueblo zu drehen, der Anfang Dezember in Brasilien bei der Endentscheidung des Wettbewerbes (siehe fruehere Eintraege und www.fundacionpueblo.org) praesentiert werden soll.
Am Abend probierte ich noch eine interessante Pflanze: Estevia - ihre Blaetter werden als natuerliches Suessungsmittel genuetzt und schmeckt wirklich toll im Tee! Wer viel Zeit und Interesse hat, kann sich dieses Dokument durchlesen: Estevia
Am Mittwoch nachmittag sollte ein Bus, der von den Lehrern gemietet worde war, kommen - aber auch nach vier Stunden Warten kam er nicht. Also fuhren Gladys und ich am Abend noch bis nach Macha - weiter gab es leider keine Movilidad mehr. Und so mussten wir in Macha uebernachten - ein Horror fuer jeden Bolivianer, da in diesem Ort anscheinend ein "Geist" herumgeht, der dir, waehrend du schlaefst, Fett absaugt. Wenige Zeit spaeter sollst du an den Wunden sterben - interessanterweise, weiss aber keiner wofuer das Fett verwendet wird, allerdings munkelt man, dass die kath. Kirche es fuer ihre Kerzen verwendet. Interessant, oder?
Doch auch fuer mich war es eine schreckliche Nacht: Das Bett war viel zu kurz, die Matratze durchgelegen und zusaetzlich klaeffte ein Hund die ganze Nacht - wenn ich den am naechsten Morgen erwischt haette! ;-)
Am Donnerstag fuhr ich mit einem Bus zwei Stunden bis nach Chacafuco, wo der Weg nach San Miguel de Kari, einem anderen Ort, wo die Fundación Pueblo taetig ist, beginnt. Von dort weg kam ich, nach eineinhalb Stunden Fussweg, in San Miguel an, wo an diesem Tag die Evaluación stattfand und auch Andreas, der andere Volontaer, arbeitet. Ein wunderschoenes Dorf und vor allem um einiges waermer als in Tomaycuri, wo ich arbeite.
Am Abend, waehrend der Heimfahrt, bekam ich Fieber und rief deswegen meinen "Hausarzt" in La Paz an. Er meinte, dass meine Halsentzuendung, die sich schon vier Wochen hinzog, nun doch von Bakterien verursacht wurde und ich Antibiotika nehmen sollte. Allerdings auf keinen Fall in Tabletten, da die sowieso nicht helfen, sondern ich sollte mir eine Spritze von einem Arzt holen. Davon wurde mir allerdings von Florencia, ebenfalls Schweiterin und Mitarbeiterin der Fundación, abgeraten, da man nie weiss, ob die Mitteln nicht gestreckt sind oder sonstwie nicht okay. Also begann ich die Tabletten, die ich aus Oesterreich mitgebracht, einzunehmen und allen bolivianischen Unkenrufen zum Trotz, helfen sie. Mittlerweile kann ich bereits wieder normal sprechen und ich fuehle mich schon um einiges besser.
Wuensche euch nur das Beste!
Liebe Gruesse aus Llallagua,
¡hasta pronto!
Andreas
@Onkel Franz: die Tabletten werden uebrigens von Kwizda hergestellt ;-)
Warum war schon wieder so viel los in der letzten Woche? Da muss ich beinahe einen neuen Bericht schreiben! ;-)
Am letzten Samstag habe ich mich endlich getraut, die Batterie meiner geliebten Armbanduhr zu wechseln. Schon seit einigen Wochen bleibt sie wegen der schwachen Batterie und der Kaelte immer in der Nacht stehen, aber ab Donnerstag ging gar nichts mehr. Also bin ich zu einer "Relojería" ("Uhrenreparaturstand") gegangen und wollte die Batterie wechseln lassen. Als sie (Frauen und Technik!!!) die Uhr allerdings mit roher Gewalt mit einem Schraubenzieher oeffnen wollte, war ich schneller weg als sie schauen konnte. Bei einem anderen Stand bezahlte ich dann 0.8 Euro fuer die Batterie und nochmals 60 Cent fuer das Waschen der gesamten Uhr, da sich der Sekundenzeiger auch mit neuer Batterie nicht bewegen wollte. Bis jetzt funktioniert sie super - aber es war ja auch ein Mann, der sie mir repariert hat ;-)
Bei meiner Ankunft am Sonntag Nachmittag in Tomaycuri - SCHOCK - gab es kein Wasser. Ich hatte genau noch zwei Liter Wasser in einer Flasche gehortet, aber keiner wusste, wann es wieder Wasser geben wuerde. Zu meinem Glueck war aber der Schock nach zwei Stunden wieder vorrueber und das Wasser floss wie gewohnt aus dem Hahn. Allerdings war mir dieses Erlebnis eine Lehre: Ab sofort stehen die Flaschen bei mir nicht, wie bisher, leer im Zimmer herum sondern sind immer vollgefuellt, damit ich zumindest fuer eine Woche genuegend Wasser haette.
Am Montag kamen dann die "wichtigsten" Personen der Fundación Pueblo nach Tomaycuri um das vergangene Jahr des Programmes "Hospedaje Estudiantil en Familia" ("Schuelerinternat in Familien") durchzufuehren. Annette, die Schweizerin aus La Paz, Elena, die Verantwortliche der Fundación im Norden von Potosí, Rosa, die Supervisorin des Programms und natuerlich unser Chauffeur, der Alex.
Im Endeffekt waren alle positiv gestimmt und es wurde beschlossen, auch im naechsten Jahr das Programm in Tomaycuri fortzufuehren.
Am Dienstag kam Raúl, Annettes Ehemann, und ein "Gehilfe" um Sequenzen fuer einen Film ueber die Fundación Pueblo zu drehen, der Anfang Dezember in Brasilien bei der Endentscheidung des Wettbewerbes (siehe fruehere Eintraege und www.fundacionpueblo.org) praesentiert werden soll.
Am Abend probierte ich noch eine interessante Pflanze: Estevia - ihre Blaetter werden als natuerliches Suessungsmittel genuetzt und schmeckt wirklich toll im Tee! Wer viel Zeit und Interesse hat, kann sich dieses Dokument durchlesen: Estevia
Am Mittwoch nachmittag sollte ein Bus, der von den Lehrern gemietet worde war, kommen - aber auch nach vier Stunden Warten kam er nicht. Also fuhren Gladys und ich am Abend noch bis nach Macha - weiter gab es leider keine Movilidad mehr. Und so mussten wir in Macha uebernachten - ein Horror fuer jeden Bolivianer, da in diesem Ort anscheinend ein "Geist" herumgeht, der dir, waehrend du schlaefst, Fett absaugt. Wenige Zeit spaeter sollst du an den Wunden sterben - interessanterweise, weiss aber keiner wofuer das Fett verwendet wird, allerdings munkelt man, dass die kath. Kirche es fuer ihre Kerzen verwendet. Interessant, oder?
Doch auch fuer mich war es eine schreckliche Nacht: Das Bett war viel zu kurz, die Matratze durchgelegen und zusaetzlich klaeffte ein Hund die ganze Nacht - wenn ich den am naechsten Morgen erwischt haette! ;-)
Am Donnerstag fuhr ich mit einem Bus zwei Stunden bis nach Chacafuco, wo der Weg nach San Miguel de Kari, einem anderen Ort, wo die Fundación Pueblo taetig ist, beginnt. Von dort weg kam ich, nach eineinhalb Stunden Fussweg, in San Miguel an, wo an diesem Tag die Evaluación stattfand und auch Andreas, der andere Volontaer, arbeitet. Ein wunderschoenes Dorf und vor allem um einiges waermer als in Tomaycuri, wo ich arbeite.
Am Abend, waehrend der Heimfahrt, bekam ich Fieber und rief deswegen meinen "Hausarzt" in La Paz an. Er meinte, dass meine Halsentzuendung, die sich schon vier Wochen hinzog, nun doch von Bakterien verursacht wurde und ich Antibiotika nehmen sollte. Allerdings auf keinen Fall in Tabletten, da die sowieso nicht helfen, sondern ich sollte mir eine Spritze von einem Arzt holen. Davon wurde mir allerdings von Florencia, ebenfalls Schweiterin und Mitarbeiterin der Fundación, abgeraten, da man nie weiss, ob die Mitteln nicht gestreckt sind oder sonstwie nicht okay. Also begann ich die Tabletten, die ich aus Oesterreich mitgebracht, einzunehmen und allen bolivianischen Unkenrufen zum Trotz, helfen sie. Mittlerweile kann ich bereits wieder normal sprechen und ich fuehle mich schon um einiges besser.
Wuensche euch nur das Beste!
Liebe Gruesse aus Llallagua,
¡hasta pronto!
Andreas
@Onkel Franz: die Tabletten werden uebrigens von Kwizda hergestellt ;-)
Samstag, 10. November 2007
GHOETE o GOETHE?
¡Hola a todos!
Gleich directamente zum Lagebericht der, jetzt bereits, drei Wochen:
Am Sa, 20. Oktober, sind Andreas und ich noch in Llallagua ins Theater gegangen. Doch als wir unsere Eintrittskarten fuer einen Euro in der Hand hielten, war ich etwas verwundert. GHOETE ist der der bekannte deutsche Schriftsteller, oder? Aber irgendetwas stimmte nicht - naja, ganz einfach, das H war beim Druck ein wenig verrutscht. Hier die Originalaufschrift: "El Teatro es la vida y es la muerte donde se sufren mil vidas y se sufren mil muertes" - GHOETE (fuer die Spanischmuffeln unter euch: Das Theater ist das Leben und der Tod, wo man tausend Leben und tausend Tode leidet.) Das Stueck war ganz lustig und wir bekamen sogar geschaetzte 50 Prozent der Witze mit - verwundert hat mich, dass dort mit Sexualitaet relativ offen umgegangen wurde; im grossen Gegensatz zum Dorf, wo alles, dass nur annaehernd etwas mit diesem Thema zu tun hat, ein grosses Tabu ist.
Am darauffolgenden Montag musste ich zum ersten Mal die Sache im Dorf alleine schaukeln, da Gladys, die Verantwortliche, in Macha (Nachbardorf) am PDM (Programa para el Desarollo Municipal - Programm zur "Bezirks"-Entwicklung) teilnahm. Am Dienstag sah ich dann diese Maus, der meine Milch zu schmecken scheint - ihre Tage sind allerdings gezaehlt, denn ich habe bereits eine Mausefalle aufgestellt!
Am Freitag habe ich fruehmorgens schon meine Wasserkanne zerstoert: Normalerweise fuelle ich sie am Abend mit Wasser an, damit ich nach dem Aufstehen nur den Gaskocher anwerfen muss und so schnell warmes Wasser zum Waschen habe. Und so war es auch dieses Mal, ausser dass die Kanne leer war. Nach einiger Zeit roch es komisch im Zimmer - nur konnte ich nicht erkennen, woher der Gestank kam. Erst als die Kanne einknickte, da der Boden einfach weggeschmolzen war, ging auch mir ein Licht auf. Naja, werde mir eben eine neue kaufen muessen!
Freitag Mittag begann dann meine grosse Reise: Zuerst wieder auf der Ladeflaeche eines Chips bis nach Macha, danach auf der Ladeflaeche eines LKWs bis Pocoata und schlussendlich im Minibus bis nach Llallagua. Wie ihr euch vorstellen koennt, kam ich, wie immmer, staubig, verschwitzt und todmuede in Llallagua an, aber es ging gleich wieder weiter. Mit Andreas fuhr an diesem Abend noch nach La Paz - nach einem Buswechsel in Oruro kamen wir um halb zwei morgens im Haus von Annette, der Schweizerin, in La Paz an und konnten uns nichts Besseres als das warme Bett vorstellen. Auch eine "traurige" Nachricht habe ich von dieser Busfahrt zu berichten: Mein geliebter, ununterbrochen getragener, Schal ist auf der Fahrt zwischen Oruro und La Paz verschwunden. Mittlerweile habe ich mir aber bereits wieder einen teueren Alpaka-Schal gekauft - hier fuer 11 Euro leistbar, in Oesterreich, fuer mich, wahrscheinlich nicht. ;-)
Man staune: Am Samstag "traute" ich mich das erste Mal in Bolivien zum Frisoer. Ich bin zufrieden: Habe dort nur einen Haufen Haare und einen Euro gelassen und keine Teile meines Ohres oder so.
Ausserdem war ich zum ersten Mal im Kino - fuer zweieinhalb Euro wurden wir mit einer voellig sinnlosen Noah-Geschichte, die ins Moderne uebertragen wurde, berieselt. Zum Glueck war aber das Spanisch ziemlich einfach, und so, und auch auf Grund der Einfachheit der Handlung, verstanden wir beinahe alles.
Am Sonntag morgen begann ich meine erste wirklich alleinige Reise. Mit dem Bus fuhr ich in Richtung Copacabana am Titicaca-See, an der Grenze zu Peru. Der Lago Titicaca wird normalerweise als der groesste See Suedamerikas und als der hoechste schiffbare See der Welt angesehen. In einer Hoehe von 3810 Meter uber dem Meeresspiegel dehnt sich dieses, im Laufe der Geschichte fuer verschiedenste Kulturen, von den Inkas bis heute zu den Aymara, wichtige Zentrum ueber 8300 Quadratkilometer aus. Diese Flaeche entspricht beinahe einem Zehntel der Flaeche Oesterreichs. Wer mehr wissen will: http://de.wikipedia.org/wiki/Titicaca-See
Bei der Fahrt von La Paz nach Copacaban muss der See auch an einer Engstelle ueberquert werden: Der Bus auf einer Faehre, die Fahrgaeste in einem kleinen Boot - von San Pablo nach San Pedro (Hl. Paul - Hl. Peter) faehrt man zirka zehn Minuten zusammengequetscht mit anderen Touristen und hofft, dass das Boot nicht kentert.
Am Nachmittag besuchte ich die wunderschoene Kirche von Copacabana. Interessant war vor allem das der Kirche angeschlossene Museum der Augustiner, wo man mehr als 300 Jahre alte Bilder und Gemaelder ohne den gewoehnten Sicherheitssystemen sehen kann - wer moechte, koennte sie sogar anfassen! Ausserdem kann man die Kleider der Virgen de Copacabana (Jungfrau von Copacabana), die in der Kirche zu sehen und der sie auch geweiht ist, der letzten hunderte Jahre ansehen. Alle vier Monate bekommt sie ein anderes Kleid, das normalerweise von Pilgern gespendet wird, und bis zum Jahr 2045 ist jetzt bereits festgelegt, welches Kleid sie wann tragen wird.
Am Abend traf ich einen 20-jaehrigen Deutschen, der sich gerade auf seiner ein-Jahr-dauernden Weltreise befindet. War ganz interessant mit ihm zu tratschen, allerdings waere das nichts fuer mich: 1 Jahr aus dem Rucksack zu leben - schrecklich! Am Montag ging es dann auf die Isla del Sol (Sonneninsel). Wir besichtigen einige alte Inka-Kult-Staetten. Die Aussicht war atemberaubend (-->Fotos), aber im Grossen und Ganzen war es nicht soooooooo interessant. Am suedlichen Teil der Insel befindet sich ein Sonnenpalast, der allerdings nicht von den Inkas sondern erst nach der Eroberung Amerikas von den Aymara nach Inka-Vorbild gebaut wurde. Von diesem Palast sieht man zur Isla de la Luna (Mondinsel), wo sich ebenfalls ein Palast - das Gegenstueck zum ersten - befindet. Interessant war, wie die Tueren gebaut sind: Oben immer schmaeler werdend. Durch diesen Baustil stuerzen sie auch bei Erdbeben nicht ein.
Am Mittwoch ging es dann nach Puno - ebenfalls am Titicaca-See allerdings in Peru. Zum ersten Mal in meinen Leben musste ich, der vom Euro-Europa verwoehnt ist, Geld umtauschen: 2,6 Bolivianos fuer einen Neuen Sol.
Am Donnerstag fuhr ich zu den schwimmenden Uros-Inseln und zur Insel Taquile. Zu meinem Glueck erwischte ich kein typisches Touristenboot, sondern ein Transportboot. So fuhren nur drei Touristen - ein deutsches Paar und ich - mit Einheimischen der Insel Taquile einen Tag auf dem Titicaca-See herum. Mich beeindruckten vor allem die Uros-Inseln, die vom Stamm der Uros aus Totora-Schilf hergestellt werden und somit einfach schwimmen!
Zum Abendessen ass ich, zum immerhin sechsten (!) Mal, Trucha (Forelle) - allerdings: warum soll man die lokale Kueche - die Trucha wird im Titicacasee gezuechtet - verschmaehen?
Am Donnerstag, 1. November, ging es dann wieder zurueck nach La Paz. Beim Grenzuebertritt wurde ich von der peruanischen Polizei zur Drogenkontrolle aufgefordert - war allerdings ganz problemlos und ich habe keinen Grund mich ueber die peruanische Polizei zu beschweren. Kleine Anmerkung: Da ja "alles" durchsucht wurde, wussten sie auch wieviel Geld ich dabei hatte - gerade ausreichend fuer die Reise bis nach La Paz. Allerdings hatte ich ein Touristenvisum beantragt und so meinte ein Polizist: Naja, fuer Tourismus haben sie ja ziemlich wenig Geld dabei. (Ich glaube es waren wirklich nicht mehr als 5 Euro.) ;-)
Das groessere Problem war allerdings, dass ich fuer Bolivien nur 30 Tage Visum bekommen habe (normalerweise sind es 90). Als ich reklamierte, meinten sie nur, dass ich mir die restlichen 60 Tage in La Paz auf der "Migración" holen kann. Allerdings war diese am Donnerstag Abend bereits geschlossen und am Freitag war Feiertag wegen Todos Santos (Allerheiligen). Darum bin ich auch nicht, wie geplant, am Samstag ins Dorf gefahren, sondern startete meine Reise Richtung Tomaycuri erst am Montag.
Am Freitag war ich auf den Friedhof um mir dieses Spektakel um Todos Santos anzusehen. Auf dem Friedhof in El Alto (Satellitenstadt von La Paz), wo noch traditioneller gefeiert wird, ist der Tod einfach ein Geschaeft. Zwischen den Graebern werden Eis, Luftballons und sonstige Kleinigkeiten verkauft. Irgendwie hatte ich aber das Gefuehl, dass inmitten diesem Laerm und Gewuehle, der Tod mehr Teil des Lebens ist, als bei uns in Europa. Aber seht selbst dann die Fotos!
Am Samstag war ich zum ersten Mal beim Arzt: Da mein Hals seit mittlerweile drei Wochen schmerzt und ich oft (beinahe) keine Stimme habe und auch mein Husten nicht besser wurde, war es gestern allerhoechste Zeit. Fuer 10 Euro bekam ich die erleichternde Nachricht, dass nur der Hals stark entzunden ist und dass nichts Schlimmeres dahinter steckt. Innerhalb der naechsten Woche sollte das alles mit den Tabletten, die ich (40 Stueck!) fuer 60 Cent in der Apotheke kaufte, wieder gut werden.
Leider hat sich aber in diesr Woche nichts veraendert - ich leide also weiter!
Am letzten Sonntag bin ich dann noch zu einem riesigen Markt nach El Alto gefahren, der "Fería 16 de Julio", gefahren. Spannend und riesig - ich brauchte immerhin mehr als 40 Minuten um von einem Ende zum anderen zu kommen und ich habe nicht getroedelt.
Am Montag morgen wurde es dann spannend: Mit Raúl, dem Mann der Schweizerin, fuhr ich zur Migración (Einwanderungsbehoerde) um mein Visum von 30 auf 90 Tage verlaengern zu lassen. Nach einer kurzen Diskussion mit dem Beamten ("Das ist aber das letzte Mal!") bekam ich den notwendigen Stempel und ich darf mich nun wieder bis Ende Jaenner in Bolivien aufhalten. Um 7 Uhr abends fuhr ich mit einer Direkt-Nacht-Flota nach Llallagua und kam um 2 Uhr Frueh todmuede an. Doch am naechsten Morgen, nach wenigen Stunden Schlaf, ging der "Stress" schon wieder weiter: Um 9 Uhr fuhr ich mit einer weiteren Flota bis nach Macha, wo ich dann zwei Stunden auf eine Fahrgelegenheit ins Dorf wartend verbrachte. Schlussendlich durfte ich auf einem Luxus-LKW vollgeladen mit Esel-Sch... Platz nehmen und die windige und staubige 1-Stunden-Fahrt bis nach Tomaycuri geniessen. Dort erwartete mich wieder eine Ueberraschung meiner Zimmermaus. Obwohl ich den Milchbeutel in einem Plastiksackerl auf mein Eisenbett gehaengt hatte, musste sie einen Weg gefunden haben, alle Schwierigkeiten zu ueberwinden und den Milchbeutel anzuknabbern. Allerdings scheint sie nicht ganz "dicht" zu sein, da sie einen, nur in Papier gewickelten, Kaese, der neben der Milch lag, verschmaehte!
Am Abend wollte ich mit den Becados beginnen, Weihnachtskarten fuer die Spender der Fundación Pueblo zu basteln.(Wer also naechstes Jahr auch eine liebevoll gebastelte Weihnachtskarte erhalten moechte, auf www.fundacionpueblo.org finden sich die Kontodaten!) Vorerst scheiterte das Projekt allerdings, da die Kinder keine Ahnung hatten, was ueberhaupt Weihnachten ist. Nachdem ich aber "Modell"-Karten gebastelt hatte und ihnen erklaert hatte, wie in Europa Weihnachten gefeiert wird und welche Geschichte dahinter steckt, konnte es losgehen. Mehr als 70 Karten gingen durch die Haende der Kinder und es sind einige wirklich schoene dabei.
Am Donnerstag Abend lud ich Gladys, die Verantwortliche der Fundación im Dorf, und ihre Tochter zu einer richtig typischen oesterreichischen Jause ein - mit Wurst, Kaese, Tomaten usw. Allerdings schien der Versuch zu scheitern: Sie wussten einfach nicht, WAS sie essen sollten, obwohl der Tich vollbeladen war. Normalerweise ist die Cena hier in Bolivien auch ein warmes Gericht und eine "Brettl-Jausn" kennen sie darum nicht. Nach einigen Erklaerungen meinerseits schmeckte ihnen sogar ihr erstes (!) Vollkornbrot, das ich aus La Paz mitgebracht hatte, und sie gingen, ich hoffe es zumindest, satt zu Bett.
Gestern ging es dann um 14 Uhr auf der Ladeflaeche eines Chips wieder in Richtung Macha und von dort, nach dem obligatorischen Warten, mit einem Taxi ganz bis nach Llallagua und so kam ich bereits um sieben Uhr abends hier an.
Hier geniesse ich wieder zwei Tage Zivilisation bevor es morgen wieder ab ins Dorf geht - allerdings anscheinend nur bis Mittwoch, da am Donnerstag und Freitag (zum ersten Mal ;-) ) wieder keine Schule ist.
Uebrigens: Ihr werdet mich nicht los in Oesterrich: Ich habe heute meine Flug fuer 13. August 2008 gebucht und ab 14. August 2008 bin ich dann wieder im Lande. Freue mich schon wieder auf euch!
Liebe Gruesse,
Andreas
PS: Wer eine Antwort auf die Frage im Titel dieses Berichts weiss, darf mir gerne eine Mail schreiben!
Gleich directamente zum Lagebericht der, jetzt bereits, drei Wochen:
Am Sa, 20. Oktober, sind Andreas und ich noch in Llallagua ins Theater gegangen. Doch als wir unsere Eintrittskarten fuer einen Euro in der Hand hielten, war ich etwas verwundert. GHOETE ist der der bekannte deutsche Schriftsteller, oder? Aber irgendetwas stimmte nicht - naja, ganz einfach, das H war beim Druck ein wenig verrutscht. Hier die Originalaufschrift: "El Teatro es la vida y es la muerte donde se sufren mil vidas y se sufren mil muertes" - GHOETE (fuer die Spanischmuffeln unter euch: Das Theater ist das Leben und der Tod, wo man tausend Leben und tausend Tode leidet.) Das Stueck war ganz lustig und wir bekamen sogar geschaetzte 50 Prozent der Witze mit - verwundert hat mich, dass dort mit Sexualitaet relativ offen umgegangen wurde; im grossen Gegensatz zum Dorf, wo alles, dass nur annaehernd etwas mit diesem Thema zu tun hat, ein grosses Tabu ist.
Am darauffolgenden Montag musste ich zum ersten Mal die Sache im Dorf alleine schaukeln, da Gladys, die Verantwortliche, in Macha (Nachbardorf) am PDM (Programa para el Desarollo Municipal - Programm zur "Bezirks"-Entwicklung) teilnahm. Am Dienstag sah ich dann diese Maus, der meine Milch zu schmecken scheint - ihre Tage sind allerdings gezaehlt, denn ich habe bereits eine Mausefalle aufgestellt!
Am Freitag habe ich fruehmorgens schon meine Wasserkanne zerstoert: Normalerweise fuelle ich sie am Abend mit Wasser an, damit ich nach dem Aufstehen nur den Gaskocher anwerfen muss und so schnell warmes Wasser zum Waschen habe. Und so war es auch dieses Mal, ausser dass die Kanne leer war. Nach einiger Zeit roch es komisch im Zimmer - nur konnte ich nicht erkennen, woher der Gestank kam. Erst als die Kanne einknickte, da der Boden einfach weggeschmolzen war, ging auch mir ein Licht auf. Naja, werde mir eben eine neue kaufen muessen!
Freitag Mittag begann dann meine grosse Reise: Zuerst wieder auf der Ladeflaeche eines Chips bis nach Macha, danach auf der Ladeflaeche eines LKWs bis Pocoata und schlussendlich im Minibus bis nach Llallagua. Wie ihr euch vorstellen koennt, kam ich, wie immmer, staubig, verschwitzt und todmuede in Llallagua an, aber es ging gleich wieder weiter. Mit Andreas fuhr an diesem Abend noch nach La Paz - nach einem Buswechsel in Oruro kamen wir um halb zwei morgens im Haus von Annette, der Schweizerin, in La Paz an und konnten uns nichts Besseres als das warme Bett vorstellen. Auch eine "traurige" Nachricht habe ich von dieser Busfahrt zu berichten: Mein geliebter, ununterbrochen getragener, Schal ist auf der Fahrt zwischen Oruro und La Paz verschwunden. Mittlerweile habe ich mir aber bereits wieder einen teueren Alpaka-Schal gekauft - hier fuer 11 Euro leistbar, in Oesterreich, fuer mich, wahrscheinlich nicht. ;-)
Man staune: Am Samstag "traute" ich mich das erste Mal in Bolivien zum Frisoer. Ich bin zufrieden: Habe dort nur einen Haufen Haare und einen Euro gelassen und keine Teile meines Ohres oder so.
Ausserdem war ich zum ersten Mal im Kino - fuer zweieinhalb Euro wurden wir mit einer voellig sinnlosen Noah-Geschichte, die ins Moderne uebertragen wurde, berieselt. Zum Glueck war aber das Spanisch ziemlich einfach, und so, und auch auf Grund der Einfachheit der Handlung, verstanden wir beinahe alles.
Am Sonntag morgen begann ich meine erste wirklich alleinige Reise. Mit dem Bus fuhr ich in Richtung Copacabana am Titicaca-See, an der Grenze zu Peru. Der Lago Titicaca wird normalerweise als der groesste See Suedamerikas und als der hoechste schiffbare See der Welt angesehen. In einer Hoehe von 3810 Meter uber dem Meeresspiegel dehnt sich dieses, im Laufe der Geschichte fuer verschiedenste Kulturen, von den Inkas bis heute zu den Aymara, wichtige Zentrum ueber 8300 Quadratkilometer aus. Diese Flaeche entspricht beinahe einem Zehntel der Flaeche Oesterreichs. Wer mehr wissen will: http://de.wikipedia.org/wiki/Titicaca-See
Bei der Fahrt von La Paz nach Copacaban muss der See auch an einer Engstelle ueberquert werden: Der Bus auf einer Faehre, die Fahrgaeste in einem kleinen Boot - von San Pablo nach San Pedro (Hl. Paul - Hl. Peter) faehrt man zirka zehn Minuten zusammengequetscht mit anderen Touristen und hofft, dass das Boot nicht kentert.
Am Nachmittag besuchte ich die wunderschoene Kirche von Copacabana. Interessant war vor allem das der Kirche angeschlossene Museum der Augustiner, wo man mehr als 300 Jahre alte Bilder und Gemaelder ohne den gewoehnten Sicherheitssystemen sehen kann - wer moechte, koennte sie sogar anfassen! Ausserdem kann man die Kleider der Virgen de Copacabana (Jungfrau von Copacabana), die in der Kirche zu sehen und der sie auch geweiht ist, der letzten hunderte Jahre ansehen. Alle vier Monate bekommt sie ein anderes Kleid, das normalerweise von Pilgern gespendet wird, und bis zum Jahr 2045 ist jetzt bereits festgelegt, welches Kleid sie wann tragen wird.
Am Abend traf ich einen 20-jaehrigen Deutschen, der sich gerade auf seiner ein-Jahr-dauernden Weltreise befindet. War ganz interessant mit ihm zu tratschen, allerdings waere das nichts fuer mich: 1 Jahr aus dem Rucksack zu leben - schrecklich! Am Montag ging es dann auf die Isla del Sol (Sonneninsel). Wir besichtigen einige alte Inka-Kult-Staetten. Die Aussicht war atemberaubend (-->Fotos), aber im Grossen und Ganzen war es nicht soooooooo interessant. Am suedlichen Teil der Insel befindet sich ein Sonnenpalast, der allerdings nicht von den Inkas sondern erst nach der Eroberung Amerikas von den Aymara nach Inka-Vorbild gebaut wurde. Von diesem Palast sieht man zur Isla de la Luna (Mondinsel), wo sich ebenfalls ein Palast - das Gegenstueck zum ersten - befindet. Interessant war, wie die Tueren gebaut sind: Oben immer schmaeler werdend. Durch diesen Baustil stuerzen sie auch bei Erdbeben nicht ein.
Am Mittwoch ging es dann nach Puno - ebenfalls am Titicaca-See allerdings in Peru. Zum ersten Mal in meinen Leben musste ich, der vom Euro-Europa verwoehnt ist, Geld umtauschen: 2,6 Bolivianos fuer einen Neuen Sol.
Am Donnerstag fuhr ich zu den schwimmenden Uros-Inseln und zur Insel Taquile. Zu meinem Glueck erwischte ich kein typisches Touristenboot, sondern ein Transportboot. So fuhren nur drei Touristen - ein deutsches Paar und ich - mit Einheimischen der Insel Taquile einen Tag auf dem Titicaca-See herum. Mich beeindruckten vor allem die Uros-Inseln, die vom Stamm der Uros aus Totora-Schilf hergestellt werden und somit einfach schwimmen!
Zum Abendessen ass ich, zum immerhin sechsten (!) Mal, Trucha (Forelle) - allerdings: warum soll man die lokale Kueche - die Trucha wird im Titicacasee gezuechtet - verschmaehen?
Am Donnerstag, 1. November, ging es dann wieder zurueck nach La Paz. Beim Grenzuebertritt wurde ich von der peruanischen Polizei zur Drogenkontrolle aufgefordert - war allerdings ganz problemlos und ich habe keinen Grund mich ueber die peruanische Polizei zu beschweren. Kleine Anmerkung: Da ja "alles" durchsucht wurde, wussten sie auch wieviel Geld ich dabei hatte - gerade ausreichend fuer die Reise bis nach La Paz. Allerdings hatte ich ein Touristenvisum beantragt und so meinte ein Polizist: Naja, fuer Tourismus haben sie ja ziemlich wenig Geld dabei. (Ich glaube es waren wirklich nicht mehr als 5 Euro.) ;-)
Das groessere Problem war allerdings, dass ich fuer Bolivien nur 30 Tage Visum bekommen habe (normalerweise sind es 90). Als ich reklamierte, meinten sie nur, dass ich mir die restlichen 60 Tage in La Paz auf der "Migración" holen kann. Allerdings war diese am Donnerstag Abend bereits geschlossen und am Freitag war Feiertag wegen Todos Santos (Allerheiligen). Darum bin ich auch nicht, wie geplant, am Samstag ins Dorf gefahren, sondern startete meine Reise Richtung Tomaycuri erst am Montag.
Am Freitag war ich auf den Friedhof um mir dieses Spektakel um Todos Santos anzusehen. Auf dem Friedhof in El Alto (Satellitenstadt von La Paz), wo noch traditioneller gefeiert wird, ist der Tod einfach ein Geschaeft. Zwischen den Graebern werden Eis, Luftballons und sonstige Kleinigkeiten verkauft. Irgendwie hatte ich aber das Gefuehl, dass inmitten diesem Laerm und Gewuehle, der Tod mehr Teil des Lebens ist, als bei uns in Europa. Aber seht selbst dann die Fotos!
Am Samstag war ich zum ersten Mal beim Arzt: Da mein Hals seit mittlerweile drei Wochen schmerzt und ich oft (beinahe) keine Stimme habe und auch mein Husten nicht besser wurde, war es gestern allerhoechste Zeit. Fuer 10 Euro bekam ich die erleichternde Nachricht, dass nur der Hals stark entzunden ist und dass nichts Schlimmeres dahinter steckt. Innerhalb der naechsten Woche sollte das alles mit den Tabletten, die ich (40 Stueck!) fuer 60 Cent in der Apotheke kaufte, wieder gut werden.
Leider hat sich aber in diesr Woche nichts veraendert - ich leide also weiter!
Am letzten Sonntag bin ich dann noch zu einem riesigen Markt nach El Alto gefahren, der "Fería 16 de Julio", gefahren. Spannend und riesig - ich brauchte immerhin mehr als 40 Minuten um von einem Ende zum anderen zu kommen und ich habe nicht getroedelt.
Am Montag morgen wurde es dann spannend: Mit Raúl, dem Mann der Schweizerin, fuhr ich zur Migración (Einwanderungsbehoerde) um mein Visum von 30 auf 90 Tage verlaengern zu lassen. Nach einer kurzen Diskussion mit dem Beamten ("Das ist aber das letzte Mal!") bekam ich den notwendigen Stempel und ich darf mich nun wieder bis Ende Jaenner in Bolivien aufhalten. Um 7 Uhr abends fuhr ich mit einer Direkt-Nacht-Flota nach Llallagua und kam um 2 Uhr Frueh todmuede an. Doch am naechsten Morgen, nach wenigen Stunden Schlaf, ging der "Stress" schon wieder weiter: Um 9 Uhr fuhr ich mit einer weiteren Flota bis nach Macha, wo ich dann zwei Stunden auf eine Fahrgelegenheit ins Dorf wartend verbrachte. Schlussendlich durfte ich auf einem Luxus-LKW vollgeladen mit Esel-Sch... Platz nehmen und die windige und staubige 1-Stunden-Fahrt bis nach Tomaycuri geniessen. Dort erwartete mich wieder eine Ueberraschung meiner Zimmermaus. Obwohl ich den Milchbeutel in einem Plastiksackerl auf mein Eisenbett gehaengt hatte, musste sie einen Weg gefunden haben, alle Schwierigkeiten zu ueberwinden und den Milchbeutel anzuknabbern. Allerdings scheint sie nicht ganz "dicht" zu sein, da sie einen, nur in Papier gewickelten, Kaese, der neben der Milch lag, verschmaehte!
Am Abend wollte ich mit den Becados beginnen, Weihnachtskarten fuer die Spender der Fundación Pueblo zu basteln.(Wer also naechstes Jahr auch eine liebevoll gebastelte Weihnachtskarte erhalten moechte, auf www.fundacionpueblo.org finden sich die Kontodaten!) Vorerst scheiterte das Projekt allerdings, da die Kinder keine Ahnung hatten, was ueberhaupt Weihnachten ist. Nachdem ich aber "Modell"-Karten gebastelt hatte und ihnen erklaert hatte, wie in Europa Weihnachten gefeiert wird und welche Geschichte dahinter steckt, konnte es losgehen. Mehr als 70 Karten gingen durch die Haende der Kinder und es sind einige wirklich schoene dabei.
Am Donnerstag Abend lud ich Gladys, die Verantwortliche der Fundación im Dorf, und ihre Tochter zu einer richtig typischen oesterreichischen Jause ein - mit Wurst, Kaese, Tomaten usw. Allerdings schien der Versuch zu scheitern: Sie wussten einfach nicht, WAS sie essen sollten, obwohl der Tich vollbeladen war. Normalerweise ist die Cena hier in Bolivien auch ein warmes Gericht und eine "Brettl-Jausn" kennen sie darum nicht. Nach einigen Erklaerungen meinerseits schmeckte ihnen sogar ihr erstes (!) Vollkornbrot, das ich aus La Paz mitgebracht hatte, und sie gingen, ich hoffe es zumindest, satt zu Bett.
Gestern ging es dann um 14 Uhr auf der Ladeflaeche eines Chips wieder in Richtung Macha und von dort, nach dem obligatorischen Warten, mit einem Taxi ganz bis nach Llallagua und so kam ich bereits um sieben Uhr abends hier an.
Hier geniesse ich wieder zwei Tage Zivilisation bevor es morgen wieder ab ins Dorf geht - allerdings anscheinend nur bis Mittwoch, da am Donnerstag und Freitag (zum ersten Mal ;-) ) wieder keine Schule ist.
Uebrigens: Ihr werdet mich nicht los in Oesterrich: Ich habe heute meine Flug fuer 13. August 2008 gebucht und ab 14. August 2008 bin ich dann wieder im Lande. Freue mich schon wieder auf euch!
Liebe Gruesse,
Andreas
PS: Wer eine Antwort auf die Frage im Titel dieses Berichts weiss, darf mir gerne eine Mail schreiben!
Montag, 5. November 2007
Naechste Woche!
Alles ist beinahe fertig - allerdings nur beinahe!
Ewig langer Bericht (noch nicht ganz fertig) und sage und schreibe 82 Fotos (aber noch ohne Titeln) - da ich keine halben Sache machen, vertroeste ich euch auf naechste Woche!
lg,
Andreas
Ewig langer Bericht (noch nicht ganz fertig) und sage und schreibe 82 Fotos (aber noch ohne Titeln) - da ich keine halben Sache machen, vertroeste ich euch auf naechste Woche!
lg,
Andreas
Samstag, 20. Oktober 2007
Un cumpleaños especial
¡Hola!
Zuerst einmal ein ¡Muchas gracías! fuer die vielen Geburtstagsmails. Ich habe mich ueber jedes einzelne riesig gefreut, werde aber heute leider nicht Zeit haben, alle zu beantworten, und morgen bin ich schon wieder ohne Internet. Aber keine Angst: Auf JEDES einzelne folgt eine Antwort!
Letzten Sonntag sind wir, so wie beinahe jeden Sonntag, mit der Flota ("Ueberlandbus") nach Tomaycuri gefahren - nur sind wir diesmal in einer unuebersichtlichen Kurve in ein Taxi gekracht. Das hat aber keinen wirklich gestoert - nach fuenf Minuten Halt, einigten sich die Fahrer, dass jeder fuer seinen Schaden selbst verantwortlich ist und wir fuhren weiter.
In meinem Zimmer im Dorf war ich kurz vor der Verzweiflung: Soll ich nun an Geister glauben, die Milch aus ungeoeffneten (!) Packungen, in diesem Fall dickere Plastiksackerl, trinken oder nicht? Nach einer Gruebelpause von mehr als zwei Stunden und mehreren eingehenden Untersuchungen der beiden Milchpackungen, wurde mir klar, dass eine Maus (oder ein anderes Vieh!) die Packerl an den Ecken angeknabbert hatte, die Milch ausgeflossen war und wegen der trockenen Luft einfach trocknete. Interessant ist aber, dass die Maus den Kaese, der offen (!) daneben lag, nicht gefressen hat. Aber auch die Mauese sind anders hier! ;-)
Am Montag wurde in der Schule der "Tag der Entdeckung Amerikas" - 12. Oktober 1492 - (nach)gefeiert. Mir kommt es so vor, als ob sie jede Woche irgendeinen Festtag zu feiern wissen! Natuerlich gab es dadurch nur wenige Stunden Schule, da der "Festakt" mit Sketchen, Liedern, ... mehr als zwei Stunden dauerte. Fotos folgen!
Am Montag Nachmittag spielte ich endlich das erste Mal Klarinette in Bolivien - schrecklich, wie viel man in 3 Monaten verlernt - aber ich werde ueben! ;-)
Am Abend wollten wir uns mit den Becados den Film "Una verdad incómoda" (Eine unbequeme Wahrheit ansehen), aber leider gab es fuer den DVD-Player keine Fernbedienung um die spanischen Untertiteln einzuschalten und in Englisch verstehen sie natuerlich nichts. Nach mehr als einer Stunde probieren, wobei zwischendurch immer der Strom ausfiel, da das Kabel locker war, zeigten wir ihnen den Film "El día después de Mañana" ("The day after tomorrow"). Die erste Stunde verlief alles ruhig, aber auf einmal machte es einen Krach und ein Tisch voller Becados brach zusammen - zum Glueck verletzte sich niemand!
Am Dienstag bereitete ich mir selbst meine Geburtstagsueberraschung zu: Kochbananen - einfach herrlich! Sehen aus wie normale Bananen, sind allerdings ein wenig groesser. Diese schaelt man und braet sie in Oel heraus - schmecken suess und, meine Meinung, ein wenig wie Wachauer Aepfel - einfach gut!
Am Abend lud ich Gladys und ihre Tochter auf Refresco de Oca (Erfrischungsgetraenk aus Oca - eine Art von "Kartoffeln", sind aber keine Kartoffeln! - hier ein Internetlink: Oca), Popkorn und Schokorosinen ein und erzahlte ihr, dass ich heute Geburtstag habe.
Am Mittwoch beim Mittagessen kamen auf einmal alle Becados mit jeweils einer Handvoll Konfetti und gratulierten mir zum Geburtstag. Zuerst bekam ich allerdings die Konfetti ins Haar gestreut - ich schaute aus wie ein geschmueckter Weihnachtsbaum!
Am Donnerstag hatten wir einen verletzten Becado - er hatte sich mit einem anderen Schueler geprugelt und hatte ein blaues, zugeschwollenes Auge. Moechte allerdings nicht wissen, welche Strafen der Direktor am Freitag Morgen austeilte, da hier Pruegeln noch als normal angesehen werden.
Am Freitag hatten wir grosses Glueck: Schon um 12 Uhr fanden wir ein Auto, dass uns bis Macha mitnahm - allerdings auf der Ladeflaeche des Chips und somit wusste ich nach der Fahrt nicht, warum ich vorher meine Brillen gewaschen hatte. :-) Von Macha bis nach Pocoata fuhren wir im Trufi - zum Glueck hatte ich einen Platz, wo ich meine Fuesse ein wenig ausstrecken konnte. Auch bis Llallagua ging es im Trufi: Als Fahrgast hatten wir auch ein Lamm, das auf dem Schoss einer Campesina mitfuhr. Spaeter sah ich, dass auf dem Dach des Trufi noch zwei weitere Schafe einfach festgebunden waren. Arme Tiere, die die beinahe dreistuendige Reise so verbringen mussten!
Gestern Abend ging ich mit Andreas noch ein, zwei Bier trinken und wir "feierten" meinen Geburtstag!
Aber wie auch der Titel dieses Eintrag lautet: Ein besonderer Geburtstag - inmitten von Lamas, Pampa im Nirgendwo von Boliven - er wird sicher unvergessen bleiben!
Liebe Gruesse,
bis bald,
Andreas
Zuerst einmal ein ¡Muchas gracías! fuer die vielen Geburtstagsmails. Ich habe mich ueber jedes einzelne riesig gefreut, werde aber heute leider nicht Zeit haben, alle zu beantworten, und morgen bin ich schon wieder ohne Internet. Aber keine Angst: Auf JEDES einzelne folgt eine Antwort!
Letzten Sonntag sind wir, so wie beinahe jeden Sonntag, mit der Flota ("Ueberlandbus") nach Tomaycuri gefahren - nur sind wir diesmal in einer unuebersichtlichen Kurve in ein Taxi gekracht. Das hat aber keinen wirklich gestoert - nach fuenf Minuten Halt, einigten sich die Fahrer, dass jeder fuer seinen Schaden selbst verantwortlich ist und wir fuhren weiter.
In meinem Zimmer im Dorf war ich kurz vor der Verzweiflung: Soll ich nun an Geister glauben, die Milch aus ungeoeffneten (!) Packungen, in diesem Fall dickere Plastiksackerl, trinken oder nicht? Nach einer Gruebelpause von mehr als zwei Stunden und mehreren eingehenden Untersuchungen der beiden Milchpackungen, wurde mir klar, dass eine Maus (oder ein anderes Vieh!) die Packerl an den Ecken angeknabbert hatte, die Milch ausgeflossen war und wegen der trockenen Luft einfach trocknete. Interessant ist aber, dass die Maus den Kaese, der offen (!) daneben lag, nicht gefressen hat. Aber auch die Mauese sind anders hier! ;-)
Am Montag wurde in der Schule der "Tag der Entdeckung Amerikas" - 12. Oktober 1492 - (nach)gefeiert. Mir kommt es so vor, als ob sie jede Woche irgendeinen Festtag zu feiern wissen! Natuerlich gab es dadurch nur wenige Stunden Schule, da der "Festakt" mit Sketchen, Liedern, ... mehr als zwei Stunden dauerte. Fotos folgen!
Am Montag Nachmittag spielte ich endlich das erste Mal Klarinette in Bolivien - schrecklich, wie viel man in 3 Monaten verlernt - aber ich werde ueben! ;-)
Am Abend wollten wir uns mit den Becados den Film "Una verdad incómoda" (Eine unbequeme Wahrheit ansehen), aber leider gab es fuer den DVD-Player keine Fernbedienung um die spanischen Untertiteln einzuschalten und in Englisch verstehen sie natuerlich nichts. Nach mehr als einer Stunde probieren, wobei zwischendurch immer der Strom ausfiel, da das Kabel locker war, zeigten wir ihnen den Film "El día después de Mañana" ("The day after tomorrow"). Die erste Stunde verlief alles ruhig, aber auf einmal machte es einen Krach und ein Tisch voller Becados brach zusammen - zum Glueck verletzte sich niemand!
Am Dienstag bereitete ich mir selbst meine Geburtstagsueberraschung zu: Kochbananen - einfach herrlich! Sehen aus wie normale Bananen, sind allerdings ein wenig groesser. Diese schaelt man und braet sie in Oel heraus - schmecken suess und, meine Meinung, ein wenig wie Wachauer Aepfel - einfach gut!
Am Abend lud ich Gladys und ihre Tochter auf Refresco de Oca (Erfrischungsgetraenk aus Oca - eine Art von "Kartoffeln", sind aber keine Kartoffeln! - hier ein Internetlink: Oca), Popkorn und Schokorosinen ein und erzahlte ihr, dass ich heute Geburtstag habe.
Am Mittwoch beim Mittagessen kamen auf einmal alle Becados mit jeweils einer Handvoll Konfetti und gratulierten mir zum Geburtstag. Zuerst bekam ich allerdings die Konfetti ins Haar gestreut - ich schaute aus wie ein geschmueckter Weihnachtsbaum!
Am Donnerstag hatten wir einen verletzten Becado - er hatte sich mit einem anderen Schueler geprugelt und hatte ein blaues, zugeschwollenes Auge. Moechte allerdings nicht wissen, welche Strafen der Direktor am Freitag Morgen austeilte, da hier Pruegeln noch als normal angesehen werden.
Am Freitag hatten wir grosses Glueck: Schon um 12 Uhr fanden wir ein Auto, dass uns bis Macha mitnahm - allerdings auf der Ladeflaeche des Chips und somit wusste ich nach der Fahrt nicht, warum ich vorher meine Brillen gewaschen hatte. :-) Von Macha bis nach Pocoata fuhren wir im Trufi - zum Glueck hatte ich einen Platz, wo ich meine Fuesse ein wenig ausstrecken konnte. Auch bis Llallagua ging es im Trufi: Als Fahrgast hatten wir auch ein Lamm, das auf dem Schoss einer Campesina mitfuhr. Spaeter sah ich, dass auf dem Dach des Trufi noch zwei weitere Schafe einfach festgebunden waren. Arme Tiere, die die beinahe dreistuendige Reise so verbringen mussten!
Gestern Abend ging ich mit Andreas noch ein, zwei Bier trinken und wir "feierten" meinen Geburtstag!
Aber wie auch der Titel dieses Eintrag lautet: Ein besonderer Geburtstag - inmitten von Lamas, Pampa im Nirgendwo von Boliven - er wird sicher unvergessen bleiben!
Liebe Gruesse,
bis bald,
Andreas
Samstag, 13. Oktober 2007
Zwei Monate Bolivien ODER: A mal tiempo, buena cara
¡Hola!
Nachdem ich letztes Wochenende leider nicht Zeit hatte, euer Wissen upzudaten, diesmal die News von zwei Wochen.
Nachdem ich nach der Sieben-Stunden-Reise aus La Paz heil in Llallagua angekommen war, testete ich am Sonntag noch die Kuenste der lokalen Handwerker. Beim Innenfutter meiner Daunenjacke war eine Naht aufgegangen und ich hatte schon Angst, dass ich nun Nadel und Zwirn auspacken und mit meinen zwei linken Hand diesen Schaden naehen muesste. Ich bin dann aber doch zu einem Schneider getrottet und war gluecklich, dass ich nach einer halben Stunde und 60 Cent weniger meine makellose Jacke wieder in den Haenden halten konnte. Eines weiss ich, bei diesen Stundensaetzen werde ich sicher kein einziges Mal in diesem Jahr eine Nadel angreifen!
Naechste Schwierigkeit: Als gaumenverwoehnter Oesterreicher wollte ich nun zu Butter (keine Margarine!) OHNE (nicht mit!) Salz kommen. Leider gibt es aber diese nur in einem Geschaeft in Llallagua zu kaufen, da hier die einheimische Bevoelkerung, wenn ueberhaupt, nur Margarine oder Butter mit Salz isst. Die Butter, die sie mir verkaufen wollten, war aber seit mehr als zwei Monaten abgelaufen. Als ich reklamierte, sagte die Geschaeftsinhaberin, dass der doch noch bis Ende 2009 haelt - sie irrte: 09:25 war der Produktionszeitpunkt! Ich wies sie auf ihren Irrtum hin, doch sie meinte es gaebe nur diese, und wenn mir das nicht passt, gibt es gar keine. Na gut, dann werde ich mich eben mit Butter MIT Salz zufriedengeben.
Am 1. Oktober wird in Bolivien der "Día del Árbol" (Tag des Baumes) gefeiert und wir nutzten diese Moeglichkeit, um ueber die Wichtigkeit von Baeumen und einer sauberen Umwelt zu sprechen. Die Kinder haben keine Ahnung, ob eine Plastiktuete oder eine Bananenschale der Umwelt schadet! Waehrend der gesamten Woche zeichneten die Becados "ihren" Baum und wir stellten alle Bilder im Buero zu Schau. Fuer die besten Bilder habe ich auch kleine Preise gekauft, aber leider wurde die Preisverleihung verhindert - dazu aber spaeter!
Am Mittwoch Abend musste eine Becada verzrtet werden, die sich bei der Tuer den Kopf aufgeschlagen hatte. Aufgeregt kam ein Haufen Kinder angerannt und berichteten so ueber die Wunde, dass man glauben koennte, dass Maedchen haette sowieso keine Ueberlebenschance. Gladys, die ja zum Glueck Krankenschwester ist, bereitete ihre Instrumente zum Naehen vor - klingt fuer Oesterreich vielleicht wild, wenn es aber sie nicht macht, naeht die Wunde sicher keiner, denn zum naechsten Arzt sind es mehr als drei Stunden. Im Endeffekt war es dann eine kleine Platzwunde, die mit einem Plaster verarztet wurde!
Am Freitag - nach meiner ersten vollstaendigen Woche in Tomaycuri - war auch die Reise nach Llallagua wieder ein Abenteuer. Zuerst einmal eine Stunde nach Macha auf der Ladeflaeche eines LKWs, der Schuttersaecke transportierte - viel Staub und Wind, aber wenigstens hatten die anderen Mitreisenden eine Sache zum Ueberlegen: Was macht der Gringo auf dem LKW? Danach gingen wir, das heisst Gladys, ihre Tochter und ich, eine halbe Stunde bis zur naechsten Kreuzung, wo wir wieder auf eine "Movilidad" (Mitfahrgelegenheit) warteten. Zum Glueck nahm uns ein LKW, der Kekse transportierte, mit. Der Junge des Fahrers wurde auch zu uns auf die Ladeflaeche verfrachtet, damit er aufpasse, dass wir ja keine Kekse essen wuerden. Doch der Schrecken war noch nicht vorbei: Von Pocoata bis Llallagua - zweieinhalb Stunden - fuhren wir in einem "Trufi" (Kleinstbus) - kein Platz fuer Fuesse, heiss, stickig, der Nachbar schlaeft wie ein Baby auf deinen Schultern - fix und fertig um acht Uhr abends in Llallagua angekommen. Dort war zum Glueck schon Andreas, der andere Volontaer der Fundación - beim Abendessen und dem Bier danach, machten wir eine ausfuehrliche Nachbesprechung unserer Erlebnisse. Einfach super mit jemanden, der ungefaehr das gleiche wie du selbst erlebt, zu reden und sich auszutauschen!
Am Sonntag mussten ich dann schon mit dem Bus um 8 Uhr fahren, da der um 10 diese Woche nicht in Llallagua angekommen ist - keiner weiss wo er steckt, habt ihr ihn vielleicht in Oestereich gesehen? Bei dieser Fahrt gab mir Gladys auch noch einen wichtigen Tipp: A mal tiempo, buna cara - was soviel heisst, auch wenn das "Wetter" schlecht ist, mach ein frohes Gesicht!
Am Montag vergangene Woche erklomm ich dann unseren Hausberg - tolle Aussicht, nur ziemlich viel Wind und leider bin ich mit der rechten Hand in das "Paja" ("Gras" - siehe Fotos) gefallen und jetzt habe ich lauter kleine Wunde, die teilweise zu eitern beginnen, da sich noch die Spitzen dieser Pflanze darin befinden.
Am Dienstag war dann eine Besprechung mit der Verantwortlichen der Fundación Pueblo von Norte Potosí, dem Subalcalde von Macha ("Vize-Buergermeister"), den Anfitrionas (Gastmuetter) und den Eltern der Becados. Der Grund der Versammlung war, wie so oft, das liebe Geld: Mehr SchuelerInnen als erwartet und mehr gehaltene Schultage (kalkuliert wird mit 16 Schultagen im Monat - in Tomaycuri sind es durchschnittlich 21) und dadurch reicht das Geld bis zum Jahresende nicht. Wenn nicht das Municipio (Bezirk) noch das fehlende Geld zuschiesst, koennte es sein, dass das Programm Ende November beendet wird und erst wieder im Februar neu beginnt. Wo die Becados die letzten zwei Schulwochen unterkommen sollen, wird gerade noch ueberlegt. Hoffentlich bekommen wir das fehlende "Plata" (Geld)!
Am Mittwoch erwarteten wir fuer ein Uhr das Auto der Fundación, in dem sich Barbara, die Lehrerfortbildungen machen sollte, Rosa, die Supervisorin des Programms und Alex, der Chauffeur befanden. Um 5 Uhr, als wir gerade die Bilder der Becados praemieren wollten, kamen sie dann an - fix und fertig und mit kaputten Auto. Sie hatten auf dem Weg nach Tomaycuri einen Unfall mit einem LKW - zum Glueck wurde niemand schwer verletzt. Barbara hatte allerdings mit dem Kopf die Windschutzscheibe zertruemmert und hatte dadurch ziemliche Schmerzen. Auch Alex hatte durch den Aufprall auf das Lenkrad Schmerzen im Brustbereich. Um die Situation fuer die beiden zu verbessern, gingen wir auf die Krankenstation in Tomaycuri, wo die beiden jeweils eine Spritze gegen die Schmerzen vom Krankenpfleger bekamen - Kosten: je 35 Cent.
Da Barbara schnellstmoeglich in ein Spital wollte, um sich untersuchen zu lassen, traten wir schon am Mittwoch um 8 Uhr abends unsere Reise nach Llallagua an. Zuvor musste allerdings noch der Kotfluegel ausgebeult werden, der durch den Unfall den Reifen streifte - bei solchen "Notfaellen" merkt man wie die Bevoelkerung am Land zusammenhaelt: Angefangen von den Lehrern ueber die Dorfautoritaeten halfen alle mit um das Auto soweit zu "reparieren", dass wir bis Llallagua kaemen.
In Macha war ich dann das erste Mal auf einer bolivianischen Polizeistation, wo der Unfall protokollierten wurde. Fuer den Polizisten, den wir um 10 Uhr abends geweckt hatten, war das Wichtigste, dass seine Uniform perfekt sitzt. Auch der LKW-Fahrer war anwesend und so diskutierte man, wer nun die Schuld hatte. Anscheinend soll auch nicht der Fahrer gefahren sein, sondern sein Gehilfe, der natuerlich keinen Fuehrerschein besitzt. Auch der Fahrer hatte nur den B-Fuehrerschein und lenkte ein C-Fahrzeug, was aber ganz einfach egal war - er hatte zumindest irgendeinen Fuehrerschein! Um 4 Uhr morgens kamen wir nach einer nervenaufreibenden, beinahe 7-stuendigen, Fahrt - alle paar Kilometer musste wir anhalten und den Motor, der immer wieder heiss wurde, mit Wasser kuehlen - in Llallagua an und ich fiel halb tot auf meine Matratze
Am Donnerstag war unser Glueckstag: Da die Fundación ein anderes Zimmer in Llallagua gekuendigt hatte, bekamen wir eine komplette Zimmereinrichtung fuer unser trautes Heim in Llallagua - sogar ein Radio war dabei! Auch zwei Bettgestelle haetten wir bekommen, die wir aber dankend ablehnten, da wir froh sind, zumindest am Wocheende auf einer harten Matratze (liegt nur am Boden) schlafen zu koennen, weil diese im Dorf mehr als genuegend weich sind. Zusaetzlich bekamen wir noch jeweils zwei zusaetzliche Decken - wir hatten uns zwar jeweils eine gekauft, aber nach einer kalten Nacht, wussten auch die Gringos, dass das nicht ausreicht! Mit drei Decken schlaeft sich nun endlich gut und vor allem warm!
Gestern besichtigte ich noch ein bolivianisches Landkrankenhaus: Die Sekretaerin der Fundacón hatte vorgestern ihr Baby zur Welt gebracht und so statteten wir ihr einen Besuch ab. Obwohl ich gar nicht soooo interessiert war, das Baby zu sehen, fuhr ich trotzdem mit, um einmal das Innere eines Krankenhauses zu sehen. Das Krankenhaus ist wirklich klein (hoechstens 25 Betten) und nicht wirlich gut ausgestattet - aber es gibt zumindestens Aerzte dort!
Nach diesem ausfuehrlichen Bericht, folgt noch der Link zu den Fotos:
Zuletzt nochmal der Link zu der Homepage meiner Organisation, Fundación Pueblo, die gerade aktualisiert wurde: www.fundacionpueblo.org
Uebringens: Das Foto zum Bericht "Besuch von CEPAL" ist von mir!
Liebe Gruesse,
¡hasta pronto!,
Andreas
Nachdem ich letztes Wochenende leider nicht Zeit hatte, euer Wissen upzudaten, diesmal die News von zwei Wochen.
Nachdem ich nach der Sieben-Stunden-Reise aus La Paz heil in Llallagua angekommen war, testete ich am Sonntag noch die Kuenste der lokalen Handwerker. Beim Innenfutter meiner Daunenjacke war eine Naht aufgegangen und ich hatte schon Angst, dass ich nun Nadel und Zwirn auspacken und mit meinen zwei linken Hand diesen Schaden naehen muesste. Ich bin dann aber doch zu einem Schneider getrottet und war gluecklich, dass ich nach einer halben Stunde und 60 Cent weniger meine makellose Jacke wieder in den Haenden halten konnte. Eines weiss ich, bei diesen Stundensaetzen werde ich sicher kein einziges Mal in diesem Jahr eine Nadel angreifen!
Naechste Schwierigkeit: Als gaumenverwoehnter Oesterreicher wollte ich nun zu Butter (keine Margarine!) OHNE (nicht mit!) Salz kommen. Leider gibt es aber diese nur in einem Geschaeft in Llallagua zu kaufen, da hier die einheimische Bevoelkerung, wenn ueberhaupt, nur Margarine oder Butter mit Salz isst. Die Butter, die sie mir verkaufen wollten, war aber seit mehr als zwei Monaten abgelaufen. Als ich reklamierte, sagte die Geschaeftsinhaberin, dass der doch noch bis Ende 2009 haelt - sie irrte: 09:25 war der Produktionszeitpunkt! Ich wies sie auf ihren Irrtum hin, doch sie meinte es gaebe nur diese, und wenn mir das nicht passt, gibt es gar keine. Na gut, dann werde ich mich eben mit Butter MIT Salz zufriedengeben.
Am 1. Oktober wird in Bolivien der "Día del Árbol" (Tag des Baumes) gefeiert und wir nutzten diese Moeglichkeit, um ueber die Wichtigkeit von Baeumen und einer sauberen Umwelt zu sprechen. Die Kinder haben keine Ahnung, ob eine Plastiktuete oder eine Bananenschale der Umwelt schadet! Waehrend der gesamten Woche zeichneten die Becados "ihren" Baum und wir stellten alle Bilder im Buero zu Schau. Fuer die besten Bilder habe ich auch kleine Preise gekauft, aber leider wurde die Preisverleihung verhindert - dazu aber spaeter!
Am Mittwoch Abend musste eine Becada verzrtet werden, die sich bei der Tuer den Kopf aufgeschlagen hatte. Aufgeregt kam ein Haufen Kinder angerannt und berichteten so ueber die Wunde, dass man glauben koennte, dass Maedchen haette sowieso keine Ueberlebenschance. Gladys, die ja zum Glueck Krankenschwester ist, bereitete ihre Instrumente zum Naehen vor - klingt fuer Oesterreich vielleicht wild, wenn es aber sie nicht macht, naeht die Wunde sicher keiner, denn zum naechsten Arzt sind es mehr als drei Stunden. Im Endeffekt war es dann eine kleine Platzwunde, die mit einem Plaster verarztet wurde!
Am Freitag - nach meiner ersten vollstaendigen Woche in Tomaycuri - war auch die Reise nach Llallagua wieder ein Abenteuer. Zuerst einmal eine Stunde nach Macha auf der Ladeflaeche eines LKWs, der Schuttersaecke transportierte - viel Staub und Wind, aber wenigstens hatten die anderen Mitreisenden eine Sache zum Ueberlegen: Was macht der Gringo auf dem LKW? Danach gingen wir, das heisst Gladys, ihre Tochter und ich, eine halbe Stunde bis zur naechsten Kreuzung, wo wir wieder auf eine "Movilidad" (Mitfahrgelegenheit) warteten. Zum Glueck nahm uns ein LKW, der Kekse transportierte, mit. Der Junge des Fahrers wurde auch zu uns auf die Ladeflaeche verfrachtet, damit er aufpasse, dass wir ja keine Kekse essen wuerden. Doch der Schrecken war noch nicht vorbei: Von Pocoata bis Llallagua - zweieinhalb Stunden - fuhren wir in einem "Trufi" (Kleinstbus) - kein Platz fuer Fuesse, heiss, stickig, der Nachbar schlaeft wie ein Baby auf deinen Schultern - fix und fertig um acht Uhr abends in Llallagua angekommen. Dort war zum Glueck schon Andreas, der andere Volontaer der Fundación - beim Abendessen und dem Bier danach, machten wir eine ausfuehrliche Nachbesprechung unserer Erlebnisse. Einfach super mit jemanden, der ungefaehr das gleiche wie du selbst erlebt, zu reden und sich auszutauschen!
Am Sonntag mussten ich dann schon mit dem Bus um 8 Uhr fahren, da der um 10 diese Woche nicht in Llallagua angekommen ist - keiner weiss wo er steckt, habt ihr ihn vielleicht in Oestereich gesehen? Bei dieser Fahrt gab mir Gladys auch noch einen wichtigen Tipp: A mal tiempo, buna cara - was soviel heisst, auch wenn das "Wetter" schlecht ist, mach ein frohes Gesicht!
Am Montag vergangene Woche erklomm ich dann unseren Hausberg - tolle Aussicht, nur ziemlich viel Wind und leider bin ich mit der rechten Hand in das "Paja" ("Gras" - siehe Fotos) gefallen und jetzt habe ich lauter kleine Wunde, die teilweise zu eitern beginnen, da sich noch die Spitzen dieser Pflanze darin befinden.
Am Dienstag war dann eine Besprechung mit der Verantwortlichen der Fundación Pueblo von Norte Potosí, dem Subalcalde von Macha ("Vize-Buergermeister"), den Anfitrionas (Gastmuetter) und den Eltern der Becados. Der Grund der Versammlung war, wie so oft, das liebe Geld: Mehr SchuelerInnen als erwartet und mehr gehaltene Schultage (kalkuliert wird mit 16 Schultagen im Monat - in Tomaycuri sind es durchschnittlich 21) und dadurch reicht das Geld bis zum Jahresende nicht. Wenn nicht das Municipio (Bezirk) noch das fehlende Geld zuschiesst, koennte es sein, dass das Programm Ende November beendet wird und erst wieder im Februar neu beginnt. Wo die Becados die letzten zwei Schulwochen unterkommen sollen, wird gerade noch ueberlegt. Hoffentlich bekommen wir das fehlende "Plata" (Geld)!
Am Mittwoch erwarteten wir fuer ein Uhr das Auto der Fundación, in dem sich Barbara, die Lehrerfortbildungen machen sollte, Rosa, die Supervisorin des Programms und Alex, der Chauffeur befanden. Um 5 Uhr, als wir gerade die Bilder der Becados praemieren wollten, kamen sie dann an - fix und fertig und mit kaputten Auto. Sie hatten auf dem Weg nach Tomaycuri einen Unfall mit einem LKW - zum Glueck wurde niemand schwer verletzt. Barbara hatte allerdings mit dem Kopf die Windschutzscheibe zertruemmert und hatte dadurch ziemliche Schmerzen. Auch Alex hatte durch den Aufprall auf das Lenkrad Schmerzen im Brustbereich. Um die Situation fuer die beiden zu verbessern, gingen wir auf die Krankenstation in Tomaycuri, wo die beiden jeweils eine Spritze gegen die Schmerzen vom Krankenpfleger bekamen - Kosten: je 35 Cent.
Da Barbara schnellstmoeglich in ein Spital wollte, um sich untersuchen zu lassen, traten wir schon am Mittwoch um 8 Uhr abends unsere Reise nach Llallagua an. Zuvor musste allerdings noch der Kotfluegel ausgebeult werden, der durch den Unfall den Reifen streifte - bei solchen "Notfaellen" merkt man wie die Bevoelkerung am Land zusammenhaelt: Angefangen von den Lehrern ueber die Dorfautoritaeten halfen alle mit um das Auto soweit zu "reparieren", dass wir bis Llallagua kaemen.
In Macha war ich dann das erste Mal auf einer bolivianischen Polizeistation, wo der Unfall protokollierten wurde. Fuer den Polizisten, den wir um 10 Uhr abends geweckt hatten, war das Wichtigste, dass seine Uniform perfekt sitzt. Auch der LKW-Fahrer war anwesend und so diskutierte man, wer nun die Schuld hatte. Anscheinend soll auch nicht der Fahrer gefahren sein, sondern sein Gehilfe, der natuerlich keinen Fuehrerschein besitzt. Auch der Fahrer hatte nur den B-Fuehrerschein und lenkte ein C-Fahrzeug, was aber ganz einfach egal war - er hatte zumindest irgendeinen Fuehrerschein! Um 4 Uhr morgens kamen wir nach einer nervenaufreibenden, beinahe 7-stuendigen, Fahrt - alle paar Kilometer musste wir anhalten und den Motor, der immer wieder heiss wurde, mit Wasser kuehlen - in Llallagua an und ich fiel halb tot auf meine Matratze
Am Donnerstag war unser Glueckstag: Da die Fundación ein anderes Zimmer in Llallagua gekuendigt hatte, bekamen wir eine komplette Zimmereinrichtung fuer unser trautes Heim in Llallagua - sogar ein Radio war dabei! Auch zwei Bettgestelle haetten wir bekommen, die wir aber dankend ablehnten, da wir froh sind, zumindest am Wocheende auf einer harten Matratze (liegt nur am Boden) schlafen zu koennen, weil diese im Dorf mehr als genuegend weich sind. Zusaetzlich bekamen wir noch jeweils zwei zusaetzliche Decken - wir hatten uns zwar jeweils eine gekauft, aber nach einer kalten Nacht, wussten auch die Gringos, dass das nicht ausreicht! Mit drei Decken schlaeft sich nun endlich gut und vor allem warm!
Gestern besichtigte ich noch ein bolivianisches Landkrankenhaus: Die Sekretaerin der Fundacón hatte vorgestern ihr Baby zur Welt gebracht und so statteten wir ihr einen Besuch ab. Obwohl ich gar nicht soooo interessiert war, das Baby zu sehen, fuhr ich trotzdem mit, um einmal das Innere eines Krankenhauses zu sehen. Das Krankenhaus ist wirklich klein (hoechstens 25 Betten) und nicht wirlich gut ausgestattet - aber es gibt zumindestens Aerzte dort!
Nach diesem ausfuehrlichen Bericht, folgt noch der Link zu den Fotos:
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| Oktober - 2 Monate Bolivien |
Zuletzt nochmal der Link zu der Homepage meiner Organisation, Fundación Pueblo, die gerade aktualisiert wurde: www.fundacionpueblo.org
Uebringens: Das Foto zum Bericht "Besuch von CEPAL" ist von mir!
Liebe Gruesse,
¡hasta pronto!,
Andreas
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