Samstag, 22. Dezember 2007

¡Feliz Navidad!

¡Hola a todos!
Nachdem ich die letzte Woche fuer das Jahr 2007 im Campo gut verbracht habe, befinde ich mich jetzt seit mittlerweile einer Woche in La Paz. Aber zuerst zu den Neuigkeiten der letzten zwei Wochen:
Am Sonntag, 9. Dez., ging es wieder einmal nach Tomaycuri um die letzte Woche fuer 07 dort zu arbeiten. Am Montag gab es dann eine grosse Praesentation der einstudierten Kunststuecke des Turn- und Musikunterrichts. Die Kinder gaben sich grosse Muehe und es war fuer das gesamte Dorf eine schoene Vorstellung. Am Nachmittag konnte man durch die verschiedenen Klassenraeume bummeln, die Arbeiten der SchuelerInnen bestaunen oder die, von den Kindern mitgebrachten, Speisen probieren. Gladys, meine "Chefin", und ich hatten fuer jeden Lehrer eine Weihnachtskarte vorbereitet und uebergaben ihnen bei der Gelegenheit diese. Sie hatten grosse Freude, vor allem auch, dass ich sie auf Deutsch und Englisch beglueckwuenschte. Am Abend wurde ich noch zu einem Fest eingeladen - wegen meiner Neugierde musste ich hingehen und bekam auch gleich eine Tasse Chicha in die Hand gedrueckt. Gut, aber - leider - wurde ich auch zum Essen eingeladen und bekam eine Handvoll kaltes Fleisch und gekochte Bohnen. Diese konnte ich ja essen, aber beim Fleisch drehte es mir schon beim Ansehen beinahe den Magen um. Normalerweise kein so grosses Problem; man steckt das Fleisch in eine Plastiktuete, die man immer dabei hat, und nachher kann es sein, dass dich ein Hund darum anbettelt. (Hoffentlich liest das keiner aus Tomaycuri! ;-)) Aber erstens hatte ich dummerweise kein Plastiksackerl mit und zweitens sassen mindestens fuenf Frauen um mich herum und kontrollierten was ich ass. Soweit so gut: Mit Mueh´und Not ass ich ein paar kleine Stuecke Fleisch und die gesamten Bohnen. Danach entschuldigte ich mich hoeflich, dass ich schon zu Abend gegessen hatte und verpackte dann das Fleisch feinsaeuberlich in ein Papiertaschentuch. Beim Fest wollte natuerlich jeder mit mir reden, manche waren aber schon so betrunken, dass sie kaum ein Wort sagen konnten. Nachdem mich alle auf Chicha einladen wollten und ich nach einer Tasse bereits den Alkohol im Kopf spuerte, verabschiedete ich mich schon nach relativ kurzer Zeit ins Bett. Am Dienstag wurde das Theater der SchuelerInnen der Sekundaria aufgefuehrt - drei "kurze Stuecke" - dauerten ewig und es war unmoeglich der Handlung zu folgen, da die Akustik, v.a. durch den Wind, extrem schlecht war und auch die Aussprache nicht immer die Beste ist.
Am Mittwoch war dann die allererste "Promoción", also Maturafeier, die sie jemals in Tomaycuri hatten. Es war ein schoenes und gut vorbereitetes Fest und erinnerte mich wehmuetig an meine eigene Maturafeier ein halbes Jahr zuvor. Wenn ich allerdings vergleiche, wie viel wir in Oesterreich gelernt hatten und dass hier manche der Maturanten nicht einmal fluessig lesen, vom schreiben gar nicht zu sprechen, stimmt mich das traurig, aber auch gluecklich darueber, welche grosse Chance ich, und wir alle in Oesterreich, mit unserer Ausbildung haben. Am Nachmittag, nach einigen Copas Bier und - wie immer - Chicha, packte ich meine Sachen fuer meinen Aufenthalt in La Paz. Hoffe, dass ich in diesem Zustand keine wichtigen Sachen im Dorf gelassen habe! ;-)
Am Donnerstag morgen warteten wir bereits ab 6 Uhr frueh auf eine Fahrgelegenheit. Um halb 9 Uhr ging es dann endlich auf einem KLein-LKW in Richtung Macha - WARTEN - LKW nach Pocoata - WARTEN - KLeinbus nach LLallagua. Dort packte ich die restlichen Sachen ein und eilte zum Bus in Richtung La Paz, wo ich dann um halb 2 Uhr morgens fix und fertig ankam und ins Bett fiel.
Ab Freitag letzter Woche arbeitete ich jeden Tag im Buero der Fundación Pueblo, wo ich vor allem Spielbretter fuer ein Buch ueber Spiele fuer den Unterricht, das Florence, ebenfalls Schweizerin, geschrieben hat, bearbeitete. Am Samstag waren wir zu einem Fest, anlaesslich des 2ten Platzes im Wettbewerb der CEPAL (siehe aelteren Eintrag!), bei dem Gruender der Fundación Pueblo, Guenther Schulz-Heiss, eingeladen. Es war ein tolles Fest mit - endlich - gutem Essen und ich tanzte dort meine erste Cueca, ein "Verfuehrungstanz", bei dem ein Taschentuch nie fehlen darf. Weitere Infos, auch ueber andere bolivianische Taenze: LINK
Am Montag dieser Woche war ich das erste Mal im oesterreichischen Konsulat: Ich wollte eigentlich Material ueber Oesterreich fuer den Unterricht mitnehmen, aber es gab nichts. Allerdings bekam ich eine Ruege vom Konsul, der uebrigens aus Gmunden kommt, da ich mich noch nicht registriert hatte. Weiters bat ich um eine Einschaetzung der derzeitigen politischen Lage Boliviens und er meinte, dass man fuer naechstes Jahr auch groessere Zusammenstoesse zwischen Regierungsanhaengern und Opposition erwarten kann. Aber hoffen wir das Beste!
Am Mittwoch ging es dann wieder einmal auf zum Frisoer und es wurde unerwarteterweise zu einem Erlebnis. Da ich zum Haare-Schneiden meine Brille abnehmen muss, sah ich wenig, was die Frisoerin an mir herumschnipselte. Allerdings war ich, als ich die Brille wieder aufsetzte, sprachlos. SCHRECKLICH - Seitenscheitel, alle Haare auf eine Seite gekaemmt, die Stirnfransen schief geschnitten. Zuerst zerstoerte ich durch einen gekonnten Griff meine Frisur und meinte dann, sie solle jetzt einmal alles gerade schneiden. Gut, schlussendlich war ich mit dem Ergebnis so halbwegs zufrieden, allerdings wollte sie 25 Bolivianos (2,5 Euro) dafuer. Normalerweise bezahle ich 10 Bol., wenn ich von hier waere, wuerde es nur 5 Bol kosten. Nach laengerem Verhandeln war sie dann mit 15 Bol. zufrieden und ich eine Erfahrung reicher. Sag´ dem Frisoer immer genau, was du willst! ;-)
Auch im Buero hatten wir eine kleine Weihnachtsfeier mit Tee und sogar ein paar Keksen, die allerdings ein Deutscher mitgebracht hatte. Als Geschenk bekamen wir einen Panetón, einen Kuchen, der hier in der Weihnachtszeit sehr populaer ist, geschenkt. Beim ersten Blick meint man es sei ein Gugelhupf, aber der Geschmack ist kein Vergleich! (Liebe Gruesse an Oma - ich freue mich schon wieder auf deinen Original-Oma-Gugelhupf mit ganz, ganz vielen Rosinen!!!)
Zur Zeit ist die politische Situation in Bolivien etwas angespannt - vor zwei Wochen wurde die neue Verfassung im Parlament verabschiedet, allerdings hatte dabei die Opposition keinen Zutritt. Diese soll jetzt noch durch ein Referendum vom Volk bestaetigt werden. Aber gibt es noch immer viele Streitpunkte - Sucre, die konstitutionelle Hauptstadt, moechte auch den Regierungssitz, der sich zur Zeit in La Paz befindet. Weiters reichte am Tag der Verabschiedung der "ofiziellen" Verfassung, Santa Cruz, ein departamento ("Bundesland"), eine eigene Verfassung ein, erklaerte sich als unabhaengig und moechte jetzt sogar Zollgrenzen mitten in Bolivien einrichten. Auch einige weitere departamentos, vor allem im Tiefland, moechten noch autonom werden. Die Konfrontation fusst vor allem auf den Gegensatz reiches Tiefland mit den riesigen Agrargebieten, Erdgas- und Oelvorkommen, usw. gegen armes Hochland, wo aber der Grossteil der Bevoelkerung lebt. In der neuen Verfassung waere jetzt eine allgemeine Rente fuer alle Leute ab 60 Jahren, Verbesserungen im Bildungsbereich, ... festgeschrieben, was mit den Einnahmen der Erdgasexporte finanziert werden sollte. Die Tieflaender sagen jetzt aber, das sei ihr Geld und sie wollen keine weiteren Zahlungen mehr an das arme Altiplano (Hochland) leisten. Gestern sah ich zum ersten Mal eine Demonstration - eine Friedensbewegung brachte ihre Meinung zum Ausdruck und wurde, unbegruendeterweise, von Regierungsanhaenger angegriffen. Zum Glueck kam es aber zu keinen heftigen Auseinandersetzungen; allerdings sieht man, wie hoch zur Zeit die Gewaltbereitschaft ist. Zum Glueck kommen jetzt die Weihnachtsfeiertage und die Leute sind - hoffentlich - mit dem Feiern beschaeftigt. Im neuen Jahr wird man sehen, wie sich die Lage entwickelt.
Auch ich werde mich morgen zum Feiern in Richtung Arica, Chile, verabschieden und dort die Weihnachtsfeiertage mit Freunden am pazifischen Strand verbringen.
Ich wuensche euch ein ¡Feliz Navidad y un Próspero Año Nuevo!. Feiert schoen, esst fuer mich ein paar Weihnachtskekse mit und trinkt einen Punsch auf mich!
Liebe Gruesse,
bis bald,
Andreas

Samstag, 8. Dezember 2007

Fundación Pueblo gewinnt 2. Platz im Wettbewerb der CEPAL

Herzliche Gratulation an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fundación Pueblo! Unter mehr als 900 Projekten aus ganz Süd-, Mittelamerika und Karibik wurden zwölf Projekte ausgewählt, die sich in Brasilien präsentieren durften. Gestern wurde die Entscheidung gefällt und die Fundación ist vorne dabei.
Mehr Informationen:
Schlüsselinfo (Informationen über den Wettbewerb, deutsch)
Presseinformation der CEPAL (Ergebnis, spanisch)
Fundación Pueblo (Website meiner Organisation, deutsch, spanisch)

4 Monate Bolivien - ein Drittel bereits geschafft!

¡Hola a la gente en Austria!

Leider war ich die letzten zwei Wochen faul und konnte mich nicht überwinden, einen Bericht zu schreiben - aber die neuesten Neuigkeiten der letzten drei Wochen:
Als wir am Dienstag, 20. November, mit dem Lehrer ins Dorf fuhren war ich geschockt: Der Sohn des Lehrers, der gleichzeitig auch ein Becado bei uns im Dorf ist, soll liquichado sein. Da zum Haus des Lehrers keiner Zutritt hat, muss es während der Zeit im Dorf bei der "Gastmutter" passiert sein - SCHOCK! Wir haben im Dorf die Fettabsauger! ;-) Zum Arzt oder ins Krankenhaus kann man allerdings mit dieser "Krankheit" nicht gehen, da es dort nur schlimmer gemacht wird. Also wurde ein Wunderheiler befragt, der auch eindeutig die Diagnose stellte: Liquichado - also isst der arme Junge seither nur Suppe von schwarzen (!) Hähnen und Spezialeiern - natürlich eine schweineteure Diät, da die schwarzen Hähne selten sind und dementsprechend teuer. Aber dank dieser Spezialbehandlung ist der Junge am gesunden! Zusatzproblem: Da ja nur die Gastmutter den Schlüssel zum Zimmer hat, muss sie oder ihr Mann es gewesen sein oder sie muss wissen, wer dem armen Jungen das Fett abgesaugt hat. Anscheinend will der Lehrer die Gastmutter nun verklagen! Für mich scheinen die Symptome wie eine normale Magen-Darm-Grippe: Erbrechen und Kopfweh - aber wer weiss: Vielleicht glaube ich nach einem Jahr Aufenthalt hier auch an diese Dinge! :-)
Am Donnerstag jener Woche klopfte es am späten Nachmittag an meiner Tür und während ich noch "Sí" sagte, stand schon ein Mann Mitte 40 bei mir im Zimmer und fragte, ob er sich setzen dürfte. Klar - ich bin doch ein freundlicher Mensch! Doch wieder einmal hatte man mich mit einem Arzt verwechselt, denn er meinte, ich solle ihm doch die Krankengeschichte seines verstorbenen Vaters erklären und er legte mir einen Haufen Kopien der Krankenhausakte auf dem Tisch. Wie soll ich bitte irgendetwas erklären können, wenn 1) es in der Klaue eines Arztes geschrieben ist und 2) das noch auf Spanisch. Ich musste ihn also ungetaner Arbeit wieder wegschicken, aber er kann es, so meine ich, heute noch nicht glauben, dass ich kein Arzt bin.
Am Freitag jener Woche kam dann die Englischlehrerin einfach nicht zum Unterricht - war aber halb so schlimm, denn oft leite ich den Unterricht auch alleine, wenn sie anwessend ist. Anscheinend (oder ziemlich sicher) soll sie am Vortag den Geburtstag eines Kollegen gefeiert haben und das scheint ihr nicht wohlbekommen zu sein. Doch diese Geburtstagsfeier hatte noch weitere Auswirkungen auf meine "Pläne" (wenn man hier zu irgendetwas Plan sagen kann ;-)). Der Lehrer, mit dem wir eigentlich am Abend nach Llallagua gefahren wären, war ebenfalls noch nicht fahrtauglich und so musste ich eben noch bis Samstag Morgen warten. Am Freitag Abend kamen dann dieser Lehrer und seine Frau, ein anderer Lehrer und Gladys, meine "Chefin", auf mein Zimmer, plauderten mit mir und tranken Tee. Doch das Interessantestes war der Gesichtsausdruck, als ich den Lehrern mein Yogur Natural (Yoghurt ohne Fruchtgeschmack und ohne Zucker) kosten liess - warum hat man in solchen Momenten die Kamera nicht bei der Hand! ;-)
Der Lehrer meinte dann, wir fahren morgen (also Samstag) um halb fuenf Uhr morgens weg - also wartete ich ab 4:15 Uhr auf die Abfahrt. Nach zwei Stunden, also um 6 Uhr, starteten wir dann die Reise nach Llallagua. Mittlerweile weiss ich auch die Kilometeranzahl: 115 Kilometer von Llallagua nach Tomaycuri - dauert hier allerdings zwischen fünf und sechs Stunden!
Am Samstag Abend traffen wir, dh. Andreas und ich, noch zwei Touristen in Llallagua - ein Attraktion! Mit ihnen gingen wir dann noch ein Bier trinken und plauderten über ihre Reise. Er ist Ire und sie Französin und reisen seit mittlerweile fast einem Jahr in der Weltgeschichte herum. Da er nur wenig Spanisch sprach, fand unsere Unterhaltung auf Englisch statt - das einzige Problem ist nur, das mir am Anfang immer wieder spanische Begriffe reinrutschten, aber nach einer halben Stunde Unterhaltung (und einem Bier) ging es dann schon wieder recht flüssig.
Wieder im Dorf angekommen, kam am Montag die E-Lehrerin wieder einmal nicht zum Unterricht - hatte eine Besprechung mit dem Direktor. Mit dem Ergebnis dieser Besprechung bin allerdings auch ich sehr zufrieden: Sie wird auch nächstes Jahr in Tomaycuri bleiben, was ich super finde, da ich mich mit ihr gut verstehe, allerdings finde ich den Grund ein wenig komisch: Der Direktor möchte nicht, dass eine Englischlehrerin mit Ausbildung an seine Schule kommt, weil ja dann die SchülerInnen endlich einmal etwas lernen müssten. Aus diesem Grund darf ich auch die Tests nicht bewerten, da bei mir die Noten um einiges schlechter ausfallen würden - aber dank der Nachsicht der "Englisch-"Lehrerin sind heuer alle in Englisch durch.
Auch die "Miete" für mein Luxuszimmer in Tomaycuri habe ich bezahlt: die Hälfte der Stromkosten - macht für 4 Monate 5.2 Euro. So billig werde ich nie wieder wohnen können! :-)
Noch einige Anmerkungen zum Wetter: Zur Zeit regnet es im Dorf jeden Tag. Meistens ist es so, dass am Vormittag herrlicher Sonnenschein ist und am Nachmittag ein Gewitter UND mehrere kurze Regenschauer vorbeikommen. Für diese Jahreszeit ist das hier normal, da wir uns am Beginn des Sommers, also der Regenzeit, befinden. Pluspunkt: weniger Staub; Minuspunkt: Matsch, Matsch, Matsch
Am Freitag vorletzter Woche bekamen die SchülerInnen in die Tomaycuri ihren "Bono Juancito Pinto". Das heisst: Jede(r) SchülerIn von der ersten bis zur sechsten Klasse, der die Schulstufe abgeschlossen hat, bekommt 200 Bol (ca. 20 Euro) in die Hand damit er - hoffentlich - die nächste Klasse besucht. 200 Bol sind am Land relativ viel - so beläuft sich der Beitrag der Eltern für ein Jahr als Becado im Programm der Fundación Pueblo auf ca. 130 Bol - der Rest wird von der Bezirksverwaltung und von der Fundación Pueblo bezahlt.
Letztes Wochenende war leider das letzte mit Andreas in Llallagua - er wird nach der Arbeit in La Paz nicht mehr ins Campo zurückgehen. Das musste natürlich anständig gefeiert werden - zuerst Charquekan essen (getrocknetes und dann gebratenes Fleisch, Mais, zwei Eier und Kartoffeln) und dann noch Bier trinken gegangen. Interessant fand ich, dass hier die Bars zum Grossteil bereits um halb 12 abends zu-(!)sperren.
Am Sonntag wollten wir dann mit der 10-Uhr-Flota ins Dorf fahren - nur leider war diese, die normalerweise erst um 11 fährt, an jenem Tag bereits um 9:30 Uhr abgefahren. Ob wir die Buskosten (immerhin 15 Bol = 1.5 Euro) wieder zurückbekommmen ist eine andere Frage, aber wir haben zumindest reklamiert). Wir fuhren dann am Nachmittag mit einem Lehrer nach Tomaycuri. Dabei kamen wir zu einem Autounfall - ein Geländewagen war auf gerader Strecke in den Graben gerutscht und umgekippt - warum wohl? Natürlich war der Fahrer betrunken, was hier meist die einzige Unfallursache ist! Mit drei Seilen wurde das Auto wieder auf seine vier Räder gestellt. Pech fuer mich - genau das Seil, an dem ich zog, riss ab und der Besitzer meinte, der Gringo (wer sonst!) soll es bezahlen. Momentan war ich so wütend, dass ich ihm am liebsten alle Schimpfwörter, die ich mittlerweile auf Spanisch kann, an den Kopf geworfen hätte - ich schwieg aber nur und drehte mich um und dachte mir - Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.
Im Dorf endet nächsten Dienstag dieses Schuljahr und so war die letzte Woche von Prüfungs-"Stress" geprägt. Aus diesem Grund lernte ich mit den Becados aus ihren Heften - das einzige Problem ist, dass, wenn sie einen, vom Lehrer mit Antworten diktierten, Fragenkatalog haben, es bei fünf Becados sieben verschiedene Antworten in den Heften gibt. Also war der Grossteil der Arbeit die Fragen und Antworten zu syncronisieren und dann noch ein wenig zu lernen. Zusätzliches Problem: Ich stelle eine Frage - keiner weiss die Antwort - ich erkläre die Antwort und stelle die gleiche Frage nochmal - SCHWEIGEN!!! Oft ist es dann ein wenig ermüdend und nervenauftreibend!
Fortsetzungsgeschichte "Meine Zimmermaus": In dieser Woche habe ich endlich Nahrung fuer mein Zimmermäuschen gefunden, die sie sogar von der Mausefalle runterfrisst: Schinkenwurst. Jeden Morgen bekommt sie wieder ein Stückchen auf die Mausefalle und über Nacht frisst sie brav ihre tägliche Ration. Allerdings will sie sich nicht fangen lassen. Trotzdem habe ich schon eine "Beute" gefangen. Am Donnerstag kam Najaira, die Tocher meiner Encargada, in mein Zimmer und fragte was das (Mausefalle) sei. Ich schrie nur "NO", aber es war schon zu spät und sie präsentierte mir die Mausefalle an ihrem Finger baumelnd. Doch dank einem Plaster und ein wenig Creme war der Schmerz schnell wieder vergessen.
Diese Woche fuhren wir bereits am Donnerstag nach Llallagua, da Gladys noch ihren Bericht für November schreiben und ich den 4-Monatsbericht für Österreich fertigstellen musste. Allerdings war die Reise wieder einmal mehr als spannend: Bis Pocoata ging alles gut - ausser, dass eine Frau im Bus einen Kanister voller Speiseöl umgeleert hatte und darum alle durch den Bus rutschten und dass wir natürlich wie immer Ewigkeiten auf eine Fahrgelegenheit warteten. Zuerst schien es so, dass wir in Pocoata übernachten müssten, allerdings kamen dann noch andere Fahrgäste und wir überredeten einen Fahrer eines Kleinbuses uns doch noch nach Llallagua zu fahren. Zirka eine Stunde vor Llallagua war dann Schluss - Batterie leer. Der Fahrer meinte nur: Bis hierher und nicht weiter! Zum Glück kam aber ein Auto, dass uns die Batterie zum Starten lieh und wir konnten weiterfahren. Allerdings mussten wir Strom sparen und konnten deswegen das Licht nicht anmachen. Halb so schlimm, denkt sich der Bolivianer, und fährt mit dem Licht zweier Taschenlampen!
Um halb 12 Uhr abends stand ich dann vor der versperrten Tür des Hauses in dem sich mein Zimmer befindet. Die Tür war leider nicht nur versperrt sondern zusätzlich noch fünffach verriegelt - also war mit dem Schlüssel nichts zu machen. Allerdings öffnete auch nach Klingeln, an-die-Tür-Hämmern, Schreien, Steine-ans-Fenster-Werfen, ... keiner. Sogar die Nachbarin kam mir zur Hilfe und schrie sich die Seele aus dem Leib. Nach einer halben Stunde öffnete sich ein Fenster und das verschlafene Gesicht meiner Vermieterin kam zum Vorschein. "Ach, habe ich gut geschlafen. Ich habe gar nichts gehört!" Gut, aber immerhin konnte ich in meinem Zimmer schlafen!
Gestern arbeitete ich im Büro hier in Llallagua und stellte meinen 4-Monatsbericht für das österreichische Innenministerium fertig. Wer Interesse hat, kann sich den Bericht unter diesem Link downloaden: http://docs.google.com/Doc?id=df3gxjpd_9rsw6mff4
Für mich heisst es morgen das letze Mal für 2007 ins Dorf zu fahren - am Donnerstag werde ich hoffentlich rechtzeitig in Llallagua ankommen um gleich noch nach La Paz weiterzureisen, wo ich dann für zwei Monate wohnen und arbeiten werde. Freue mich schon auf täglichen Internetzugang und wirklich warmer Dusche - ausserdem kennt man in der Grossstadt einen Gringo und man fühlt sich als Weisser nicht immer wie eine Zirkusattraktion.
Wünsche euch das Beste für die kommende Woche!
Liebe Grüsse,
Andreas

Dienstag, 20. November 2007

Fotos!!!

Endlich gibt es die versprochenen Fotos von der Reise zum Lago Titicaca und von Todos Santos (Allerheiligen).
Leider habe ich diese Woche auch nicht alle Mails beantwortet - aber auf jede kommt eine Antwort!!! Also weiterhin brav schreiben!

Hier der Link:
Oktober - Reise Titicaca-See


Liebe Grüsse,
bis nächste Woche!
Andreas

Samstag, 17. November 2007

Warum oesterreichische Antibiotika-Tabletten in Bolivien nicht wirken

¡Hola a todos!
Warum war schon wieder so viel los in der letzten Woche? Da muss ich beinahe einen neuen Bericht schreiben! ;-)
Am letzten Samstag habe ich mich endlich getraut, die Batterie meiner geliebten Armbanduhr zu wechseln. Schon seit einigen Wochen bleibt sie wegen der schwachen Batterie und der Kaelte immer in der Nacht stehen, aber ab Donnerstag ging gar nichts mehr. Also bin ich zu einer "Relojería" ("Uhrenreparaturstand") gegangen und wollte die Batterie wechseln lassen. Als sie (Frauen und Technik!!!) die Uhr allerdings mit roher Gewalt mit einem Schraubenzieher oeffnen wollte, war ich schneller weg als sie schauen konnte. Bei einem anderen Stand bezahlte ich dann 0.8 Euro fuer die Batterie und nochmals 60 Cent fuer das Waschen der gesamten Uhr, da sich der Sekundenzeiger auch mit neuer Batterie nicht bewegen wollte. Bis jetzt funktioniert sie super - aber es war ja auch ein Mann, der sie mir repariert hat ;-)
Bei meiner Ankunft am Sonntag Nachmittag in Tomaycuri - SCHOCK - gab es kein Wasser. Ich hatte genau noch zwei Liter Wasser in einer Flasche gehortet, aber keiner wusste, wann es wieder Wasser geben wuerde. Zu meinem Glueck war aber der Schock nach zwei Stunden wieder vorrueber und das Wasser floss wie gewohnt aus dem Hahn. Allerdings war mir dieses Erlebnis eine Lehre: Ab sofort stehen die Flaschen bei mir nicht, wie bisher, leer im Zimmer herum sondern sind immer vollgefuellt, damit ich zumindest fuer eine Woche genuegend Wasser haette.
Am Montag kamen dann die "wichtigsten" Personen der Fundación Pueblo nach Tomaycuri um das vergangene Jahr des Programmes "Hospedaje Estudiantil en Familia" ("Schuelerinternat in Familien") durchzufuehren. Annette, die Schweizerin aus La Paz, Elena, die Verantwortliche der Fundación im Norden von Potosí, Rosa, die Supervisorin des Programms und natuerlich unser Chauffeur, der Alex.
Im Endeffekt waren alle positiv gestimmt und es wurde beschlossen, auch im naechsten Jahr das Programm in Tomaycuri fortzufuehren.
Am Dienstag kam Raúl, Annettes Ehemann, und ein "Gehilfe" um Sequenzen fuer einen Film ueber die Fundación Pueblo zu drehen, der Anfang Dezember in Brasilien bei der Endentscheidung des Wettbewerbes (siehe fruehere Eintraege und www.fundacionpueblo.org) praesentiert werden soll.
Am Abend probierte ich noch eine interessante Pflanze: Estevia - ihre Blaetter werden als natuerliches Suessungsmittel genuetzt und schmeckt wirklich toll im Tee! Wer viel Zeit und Interesse hat, kann sich dieses Dokument durchlesen: Estevia
Am Mittwoch nachmittag sollte ein Bus, der von den Lehrern gemietet worde war, kommen - aber auch nach vier Stunden Warten kam er nicht. Also fuhren Gladys und ich am Abend noch bis nach Macha - weiter gab es leider keine Movilidad mehr. Und so mussten wir in Macha uebernachten - ein Horror fuer jeden Bolivianer, da in diesem Ort anscheinend ein "Geist" herumgeht, der dir, waehrend du schlaefst, Fett absaugt. Wenige Zeit spaeter sollst du an den Wunden sterben - interessanterweise, weiss aber keiner wofuer das Fett verwendet wird, allerdings munkelt man, dass die kath. Kirche es fuer ihre Kerzen verwendet. Interessant, oder?
Doch auch fuer mich war es eine schreckliche Nacht: Das Bett war viel zu kurz, die Matratze durchgelegen und zusaetzlich klaeffte ein Hund die ganze Nacht - wenn ich den am naechsten Morgen erwischt haette! ;-)
Am Donnerstag fuhr ich mit einem Bus zwei Stunden bis nach Chacafuco, wo der Weg nach San Miguel de Kari, einem anderen Ort, wo die Fundación Pueblo taetig ist, beginnt. Von dort weg kam ich, nach eineinhalb Stunden Fussweg, in San Miguel an, wo an diesem Tag die Evaluación stattfand und auch Andreas, der andere Volontaer, arbeitet. Ein wunderschoenes Dorf und vor allem um einiges waermer als in Tomaycuri, wo ich arbeite.
Am Abend, waehrend der Heimfahrt, bekam ich Fieber und rief deswegen meinen "Hausarzt" in La Paz an. Er meinte, dass meine Halsentzuendung, die sich schon vier Wochen hinzog, nun doch von Bakterien verursacht wurde und ich Antibiotika nehmen sollte. Allerdings auf keinen Fall in Tabletten, da die sowieso nicht helfen, sondern ich sollte mir eine Spritze von einem Arzt holen. Davon wurde mir allerdings von Florencia, ebenfalls Schweiterin und Mitarbeiterin der Fundación, abgeraten, da man nie weiss, ob die Mitteln nicht gestreckt sind oder sonstwie nicht okay. Also begann ich die Tabletten, die ich aus Oesterreich mitgebracht, einzunehmen und allen bolivianischen Unkenrufen zum Trotz, helfen sie. Mittlerweile kann ich bereits wieder normal sprechen und ich fuehle mich schon um einiges besser.
Wuensche euch nur das Beste!
Liebe Gruesse aus Llallagua,
¡hasta pronto!
Andreas
@Onkel Franz: die Tabletten werden uebrigens von Kwizda hergestellt ;-)

Samstag, 10. November 2007

GHOETE o GOETHE?

¡Hola a todos!
Gleich directamente zum Lagebericht der, jetzt bereits, drei Wochen:
Am Sa, 20. Oktober, sind Andreas und ich noch in Llallagua ins Theater gegangen. Doch als wir unsere Eintrittskarten fuer einen Euro in der Hand hielten, war ich etwas verwundert. GHOETE ist der der bekannte deutsche Schriftsteller, oder? Aber irgendetwas stimmte nicht - naja, ganz einfach, das H war beim Druck ein wenig verrutscht. Hier die Originalaufschrift: "El Teatro es la vida y es la muerte donde se sufren mil vidas y se sufren mil muertes" - GHOETE (fuer die Spanischmuffeln unter euch: Das Theater ist das Leben und der Tod, wo man tausend Leben und tausend Tode leidet.) Das Stueck war ganz lustig und wir bekamen sogar geschaetzte 50 Prozent der Witze mit - verwundert hat mich, dass dort mit Sexualitaet relativ offen umgegangen wurde; im grossen Gegensatz zum Dorf, wo alles, dass nur annaehernd etwas mit diesem Thema zu tun hat, ein grosses Tabu ist.
Am darauffolgenden Montag musste ich zum ersten Mal die Sache im Dorf alleine schaukeln, da Gladys, die Verantwortliche, in Macha (Nachbardorf) am PDM (Programa para el Desarollo Municipal - Programm zur "Bezirks"-Entwicklung) teilnahm. Am Dienstag sah ich dann diese Maus, der meine Milch zu schmecken scheint - ihre Tage sind allerdings gezaehlt, denn ich habe bereits eine Mausefalle aufgestellt!
Am Freitag habe ich fruehmorgens schon meine Wasserkanne zerstoert: Normalerweise fuelle ich sie am Abend mit Wasser an, damit ich nach dem Aufstehen nur den Gaskocher anwerfen muss und so schnell warmes Wasser zum Waschen habe. Und so war es auch dieses Mal, ausser dass die Kanne leer war. Nach einiger Zeit roch es komisch im Zimmer - nur konnte ich nicht erkennen, woher der Gestank kam. Erst als die Kanne einknickte, da der Boden einfach weggeschmolzen war, ging auch mir ein Licht auf. Naja, werde mir eben eine neue kaufen muessen!
Freitag Mittag begann dann meine grosse Reise: Zuerst wieder auf der Ladeflaeche eines Chips bis nach Macha, danach auf der Ladeflaeche eines LKWs bis Pocoata und schlussendlich im Minibus bis nach Llallagua. Wie ihr euch vorstellen koennt, kam ich, wie immmer, staubig, verschwitzt und todmuede in Llallagua an, aber es ging gleich wieder weiter. Mit Andreas fuhr an diesem Abend noch nach La Paz - nach einem Buswechsel in Oruro kamen wir um halb zwei morgens im Haus von Annette, der Schweizerin, in La Paz an und konnten uns nichts Besseres als das warme Bett vorstellen. Auch eine "traurige" Nachricht habe ich von dieser Busfahrt zu berichten: Mein geliebter, ununterbrochen getragener, Schal ist auf der Fahrt zwischen Oruro und La Paz verschwunden. Mittlerweile habe ich mir aber bereits wieder einen teueren Alpaka-Schal gekauft - hier fuer 11 Euro leistbar, in Oesterreich, fuer mich, wahrscheinlich nicht. ;-)
Man staune: Am Samstag "traute" ich mich das erste Mal in Bolivien zum Frisoer. Ich bin zufrieden: Habe dort nur einen Haufen Haare und einen Euro gelassen und keine Teile meines Ohres oder so.
Ausserdem war ich zum ersten Mal im Kino - fuer zweieinhalb Euro wurden wir mit einer voellig sinnlosen Noah-Geschichte, die ins Moderne uebertragen wurde, berieselt. Zum Glueck war aber das Spanisch ziemlich einfach, und so, und auch auf Grund der Einfachheit der Handlung, verstanden wir beinahe alles.
Am Sonntag morgen begann ich meine erste wirklich alleinige Reise. Mit dem Bus fuhr ich in Richtung Copacabana am Titicaca-See, an der Grenze zu Peru. Der Lago Titicaca wird normalerweise als der groesste See Suedamerikas und als der hoechste schiffbare See der Welt angesehen. In einer Hoehe von 3810 Meter uber dem Meeresspiegel dehnt sich dieses, im Laufe der Geschichte fuer verschiedenste Kulturen, von den Inkas bis heute zu den Aymara, wichtige Zentrum ueber 8300 Quadratkilometer aus. Diese Flaeche entspricht beinahe einem Zehntel der Flaeche Oesterreichs. Wer mehr wissen will: http://de.wikipedia.org/wiki/Titicaca-See
Bei der Fahrt von La Paz nach Copacaban muss der See auch an einer Engstelle ueberquert werden: Der Bus auf einer Faehre, die Fahrgaeste in einem kleinen Boot - von San Pablo nach San Pedro (Hl. Paul - Hl. Peter) faehrt man zirka zehn Minuten zusammengequetscht mit anderen Touristen und hofft, dass das Boot nicht kentert.
Am Nachmittag besuchte ich die wunderschoene Kirche von Copacabana. Interessant war vor allem das der Kirche angeschlossene Museum der Augustiner, wo man mehr als 300 Jahre alte Bilder und Gemaelder ohne den gewoehnten Sicherheitssystemen sehen kann - wer moechte, koennte sie sogar anfassen! Ausserdem kann man die Kleider der Virgen de Copacabana (Jungfrau von Copacabana), die in der Kirche zu sehen und der sie auch geweiht ist, der letzten hunderte Jahre ansehen. Alle vier Monate bekommt sie ein anderes Kleid, das normalerweise von Pilgern gespendet wird, und bis zum Jahr 2045 ist jetzt bereits festgelegt, welches Kleid sie wann tragen wird.
Am Abend traf ich einen 20-jaehrigen Deutschen, der sich gerade auf seiner ein-Jahr-dauernden Weltreise befindet. War ganz interessant mit ihm zu tratschen, allerdings waere das nichts fuer mich: 1 Jahr aus dem Rucksack zu leben - schrecklich! Am Montag ging es dann auf die Isla del Sol (Sonneninsel). Wir besichtigen einige alte Inka-Kult-Staetten. Die Aussicht war atemberaubend (-->Fotos), aber im Grossen und Ganzen war es nicht soooooooo interessant. Am suedlichen Teil der Insel befindet sich ein Sonnenpalast, der allerdings nicht von den Inkas sondern erst nach der Eroberung Amerikas von den Aymara nach Inka-Vorbild gebaut wurde. Von diesem Palast sieht man zur Isla de la Luna (Mondinsel), wo sich ebenfalls ein Palast - das Gegenstueck zum ersten - befindet. Interessant war, wie die Tueren gebaut sind: Oben immer schmaeler werdend. Durch diesen Baustil stuerzen sie auch bei Erdbeben nicht ein.
Am Mittwoch ging es dann nach Puno - ebenfalls am Titicaca-See allerdings in Peru. Zum ersten Mal in meinen Leben musste ich, der vom Euro-Europa verwoehnt ist, Geld umtauschen: 2,6 Bolivianos fuer einen Neuen Sol.
Am Donnerstag fuhr ich zu den schwimmenden Uros-Inseln und zur Insel Taquile. Zu meinem Glueck erwischte ich kein typisches Touristenboot, sondern ein Transportboot. So fuhren nur drei Touristen - ein deutsches Paar und ich - mit Einheimischen der Insel Taquile einen Tag auf dem Titicaca-See herum. Mich beeindruckten vor allem die Uros-Inseln, die vom Stamm der Uros aus Totora-Schilf hergestellt werden und somit einfach schwimmen!
Zum Abendessen ass ich, zum immerhin sechsten (!) Mal, Trucha (Forelle) - allerdings: warum soll man die lokale Kueche - die Trucha wird im Titicacasee gezuechtet - verschmaehen?
Am Donnerstag, 1. November, ging es dann wieder zurueck nach La Paz. Beim Grenzuebertritt wurde ich von der peruanischen Polizei zur Drogenkontrolle aufgefordert - war allerdings ganz problemlos und ich habe keinen Grund mich ueber die peruanische Polizei zu beschweren. Kleine Anmerkung: Da ja "alles" durchsucht wurde, wussten sie auch wieviel Geld ich dabei hatte - gerade ausreichend fuer die Reise bis nach La Paz. Allerdings hatte ich ein Touristenvisum beantragt und so meinte ein Polizist: Naja, fuer Tourismus haben sie ja ziemlich wenig Geld dabei. (Ich glaube es waren wirklich nicht mehr als 5 Euro.) ;-)
Das groessere Problem war allerdings, dass ich fuer Bolivien nur 30 Tage Visum bekommen habe (normalerweise sind es 90). Als ich reklamierte, meinten sie nur, dass ich mir die restlichen 60 Tage in La Paz auf der "Migración" holen kann. Allerdings war diese am Donnerstag Abend bereits geschlossen und am Freitag war Feiertag wegen Todos Santos (Allerheiligen). Darum bin ich auch nicht, wie geplant, am Samstag ins Dorf gefahren, sondern startete meine Reise Richtung Tomaycuri erst am Montag.
Am Freitag war ich auf den Friedhof um mir dieses Spektakel um Todos Santos anzusehen. Auf dem Friedhof in El Alto (Satellitenstadt von La Paz), wo noch traditioneller gefeiert wird, ist der Tod einfach ein Geschaeft. Zwischen den Graebern werden Eis, Luftballons und sonstige Kleinigkeiten verkauft. Irgendwie hatte ich aber das Gefuehl, dass inmitten diesem Laerm und Gewuehle, der Tod mehr Teil des Lebens ist, als bei uns in Europa. Aber seht selbst dann die Fotos!
Am Samstag war ich zum ersten Mal beim Arzt: Da mein Hals seit mittlerweile drei Wochen schmerzt und ich oft (beinahe) keine Stimme habe und auch mein Husten nicht besser wurde, war es gestern allerhoechste Zeit. Fuer 10 Euro bekam ich die erleichternde Nachricht, dass nur der Hals stark entzunden ist und dass nichts Schlimmeres dahinter steckt. Innerhalb der naechsten Woche sollte das alles mit den Tabletten, die ich (40 Stueck!) fuer 60 Cent in der Apotheke kaufte, wieder gut werden.
Leider hat sich aber in diesr Woche nichts veraendert - ich leide also weiter!
Am letzten Sonntag bin ich dann noch zu einem riesigen Markt nach El Alto gefahren, der "Fería 16 de Julio", gefahren. Spannend und riesig - ich brauchte immerhin mehr als 40 Minuten um von einem Ende zum anderen zu kommen und ich habe nicht getroedelt.
Am Montag morgen wurde es dann spannend: Mit Raúl, dem Mann der Schweizerin, fuhr ich zur Migración (Einwanderungsbehoerde) um mein Visum von 30 auf 90 Tage verlaengern zu lassen. Nach einer kurzen Diskussion mit dem Beamten ("Das ist aber das letzte Mal!") bekam ich den notwendigen Stempel und ich darf mich nun wieder bis Ende Jaenner in Bolivien aufhalten. Um 7 Uhr abends fuhr ich mit einer Direkt-Nacht-Flota nach Llallagua und kam um 2 Uhr Frueh todmuede an. Doch am naechsten Morgen, nach wenigen Stunden Schlaf, ging der "Stress" schon wieder weiter: Um 9 Uhr fuhr ich mit einer weiteren Flota bis nach Macha, wo ich dann zwei Stunden auf eine Fahrgelegenheit ins Dorf wartend verbrachte. Schlussendlich durfte ich auf einem Luxus-LKW vollgeladen mit Esel-Sch... Platz nehmen und die windige und staubige 1-Stunden-Fahrt bis nach Tomaycuri geniessen. Dort erwartete mich wieder eine Ueberraschung meiner Zimmermaus. Obwohl ich den Milchbeutel in einem Plastiksackerl auf mein Eisenbett gehaengt hatte, musste sie einen Weg gefunden haben, alle Schwierigkeiten zu ueberwinden und den Milchbeutel anzuknabbern. Allerdings scheint sie nicht ganz "dicht" zu sein, da sie einen, nur in Papier gewickelten, Kaese, der neben der Milch lag, verschmaehte!
Am Abend wollte ich mit den Becados beginnen, Weihnachtskarten fuer die Spender der Fundación Pueblo zu basteln.(Wer also naechstes Jahr auch eine liebevoll gebastelte Weihnachtskarte erhalten moechte, auf www.fundacionpueblo.org finden sich die Kontodaten!) Vorerst scheiterte das Projekt allerdings, da die Kinder keine Ahnung hatten, was ueberhaupt Weihnachten ist. Nachdem ich aber "Modell"-Karten gebastelt hatte und ihnen erklaert hatte, wie in Europa Weihnachten gefeiert wird und welche Geschichte dahinter steckt, konnte es losgehen. Mehr als 70 Karten gingen durch die Haende der Kinder und es sind einige wirklich schoene dabei.
Am Donnerstag Abend lud ich Gladys, die Verantwortliche der Fundación im Dorf, und ihre Tochter zu einer richtig typischen oesterreichischen Jause ein - mit Wurst, Kaese, Tomaten usw. Allerdings schien der Versuch zu scheitern: Sie wussten einfach nicht, WAS sie essen sollten, obwohl der Tich vollbeladen war. Normalerweise ist die Cena hier in Bolivien auch ein warmes Gericht und eine "Brettl-Jausn" kennen sie darum nicht. Nach einigen Erklaerungen meinerseits schmeckte ihnen sogar ihr erstes (!) Vollkornbrot, das ich aus La Paz mitgebracht hatte, und sie gingen, ich hoffe es zumindest, satt zu Bett.
Gestern ging es dann um 14 Uhr auf der Ladeflaeche eines Chips wieder in Richtung Macha und von dort, nach dem obligatorischen Warten, mit einem Taxi ganz bis nach Llallagua und so kam ich bereits um sieben Uhr abends hier an.
Hier geniesse ich wieder zwei Tage Zivilisation bevor es morgen wieder ab ins Dorf geht - allerdings anscheinend nur bis Mittwoch, da am Donnerstag und Freitag (zum ersten Mal ;-) ) wieder keine Schule ist.
Uebrigens: Ihr werdet mich nicht los in Oesterrich: Ich habe heute meine Flug fuer 13. August 2008 gebucht und ab 14. August 2008 bin ich dann wieder im Lande. Freue mich schon wieder auf euch!
Liebe Gruesse,
Andreas
PS: Wer eine Antwort auf die Frage im Titel dieses Berichts weiss, darf mir gerne eine Mail schreiben!

Montag, 5. November 2007

Naechste Woche!

Alles ist beinahe fertig - allerdings nur beinahe!
Ewig langer Bericht (noch nicht ganz fertig) und sage und schreibe 82 Fotos (aber noch ohne Titeln) - da ich keine halben Sache machen, vertroeste ich euch auf naechste Woche!
lg,
Andreas