Mittwoch, 11. März 2009

Un Año en Bolivia


hola!

Nach längerer Zeit melde ich mich auf diesem Weg wieder einmal:
Nachdem ich mehr als ein halbes Jahr wieder in Österreich bin, mich wieder gut eingelebt habe und eifrig dabei bin, Medizin zu studieren, habe ich doch Zeit gefunden, die besten Fotos zu einer Fotoshow zusammenzufügen: Un Año en Bolivia - Impressionen, Fotos, Anekdoten aus einem Jahr Auslandsdienst in Bolivien am 16. April 2009, 19:30 Uhr im Festsaal des Musikvereins Schenkenfelden
Der Eintritt ist frei - wer dennoch ein paar Euro übrig hat, unterstützt damit die Arbeit der Fundación Pueblo (www.fundacionpueblo.org), von der ich ja in meinen Einträgen oftmals berichtet habe.
Ihr seid alle auf das Herzlichste eingeladen und ich freue mich schon auf euch!

Natürlich sind auch weiterhin meine Reiseberichte inklusiv der vielen Fotos online und es ist sicher ein guter Zeitpunkt nochmal darin zu schmökern und sich schon mal einzustimmen.

Bis bald,

Andreas

PS: Ein Klick auf das Plakat und es erscheint größer!


Montag, 11. August 2008

Rurrenabaque

hola amig@s:

Wahrscheinlich wird das der letzte Blogeintrag aus Bolivien sein - am naechsten Donnerstag werde ich ja bereits wieder heimatlichen Boden unter den Fuessen haben.
Ich moechte mich auf diesem Weg noch bei allen bedanken, die mich im Laufe dieses Jahres unterstuetzt, psychisch und auch materiell, mir fleissig E-Mails geschrieben oder Dinge in Oesterreich fuer mich erledigt haben. ¡Muchísimas gracias!
Vielen Dank auch bei meinen ArbeitskollegInnen in der Fundación Pueblo und der Pfarre Frastanz, die mich alle das Jahr ueber professionell begleitet haben und viele mehr als KollegInnen geworden sind. Ein besonderes "muchas gracias" noch an Esther und Philippe in Llallagua, Annette Locher und Barbara und Günther Schulz-Heiss in La Paz, die mich immer freundlich in ihren Häuser aufgenommen haben und mir Unterkunft gewährten.
Last but not least, danke an meine Familie, die das ganze Jahr, trotz der Entfernung, fuer mich da war.

Nun aber zum "wichtigeren" Teil:
Meine letzte Reise führte mich nach Rurrenabaque in das bolivianische Amazonastiefland. Da aber Fotos oft mehr aussagen, als viele Worte, hier gleich der Link:

Rurrenabaque


Ganz zum Schluss noch der Link zu meinem dritten und letzten Tätigkeitsbericht:

http://www.doktus.de/dok/52269/taetigkeitsbericht3_horner.html


Saludos de La Paz,
Andreas

PS: Wer zur Zeit die Nachrichten verfolgt hat, wird vielleicht auch auf Berichte zur Vertrauensabstimmung ueber den bolivianischen Praesideten Evo Morales gesehen haben. Wenn nicht, hier der Link zu einigen Zeitungsartikeln:
http://derstandard.at/?ressort=Bolivien

Liebe Gruesse,
Andreas

Donnerstag, 24. Juli 2008

Update

¡hola!

Gut - in Bolivien soll man nicht planen. Gestern Nachmittag, wie im letzten Eintrag noch verkuendet, wollte ich in Richtung Rurrenabaque aufbrechen. Meine Reise endete allerdings bereits in El Alto, der Satellitenstadt La Paz', wo sich der Flughafen des bolivianischen Militaers befindet. Als ich gerade eingecheckt wurde, kam die Mitteilung, dass unser Flug gestrichen worden war, da das Flugzeug nach Trinidad (Hauptstadt des im Nordosten von La Paz gelegenen Departament Beni) fliegen musste. Und weshalb? Um zirka 12:30 Uhr Mittag musste ein anderes Flugzeug, das von Guayaramerín (Grenzstadt zu Brasilien) nach Trinidad flog, auf einer Landstrasse notlanden. Zum Glueck wurde aber, laut Zeitungsberichten, niemand schwer verletzt. So flog ich also mit dem Flugzeug nach Rurrenabaque, sondern die Passagiere des notgelandenen Flugzeugs weiter nach Trinidad. Wer Spanisch versteht, kann sich hier auch den Originalzeitungsbericht der La Razón lesen: http://www.la-razon.com/versiones/20080724_006343/nota_256_638277.htm
Ich bin also gerade noch fleissig am Arbeiten und werde wahrscheinlich (!) dann morgen nach Yanacachi, in die Yungas (Nebelwaelder) aufbrechen, wo es mir beim letzen Mal sehr gut gefiel und dort ein wenig ausspannen. Am Montag waere dann der neue Flug nach Rurrenabaque.
Saludos de La Paz,
Andreas

Mittwoch, 23. Juli 2008

Machu Picchu

Querid@s amig@s:

Weiter geht es mit meinen Reisen: Vom Montag, 14. bis Sonntag, 20. Juli befand ich mich in Peru auf den Spuren der Inkas (weitere Infos zu diesem interessanten Volk: http://www.indianer-welt.de/sued/inka/index.htm). So ging es am ersten Tag zuerst einmal in Richtung Peru, nach Puno. Diesmal allerdings nicht um die schwimmenden Insel zu besichtigen (s. auch Bericht im November http://andreashorner.blogspot.com/2007/11/ghoete-o-goethe.html), sondern nur um mich in einem Luxushotel auszuruhen - ganze 11,5 Euro inkl. Fruehstueck die Nacht ;-)
Am naechsten Tag fuhr ich dann mit einem Touristenbus in Richtung Puno, der noch an verschiedensten Ruinen und anderen interessanten Plaetzen - z.B. Gasthaus zum Mittagessen - Halt machte. So besuchten wir unter anderem Raqchi, einen Tempel der dem hoechsten Inkagott Viracocha geweiht wurde (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Viracocha) oder Andahuaylillas, eine Kirche im Koloninalstil, die auch Andine Sixtinische Kapelle genannt wird. Bei dieser Reise lernte ich eine finnische Reisegruppe kennen und wurde eingeladen, doch mit ihnen in das gleiche Hotel zu gehen - so kostete mich das naechste Luxushotel wieder nur ein Drittel des eigentlichen Preises.
Um zu Machu Picchu zu gelangen, ist es notwendig mit dem Zug zu fahren, da es keine Strasse gibt - diese Monopolstellung der peruanischen Eisenbahngesellschaft, die allerdings im Besitz von Auslaendern ist, wissen sie natuerlich auszunuetzen und verlangen, vor allem fuer hier, horrende Preis: fuer 90 Minuten Zugfahrt im einfachsten Zug mehr als 35 USD - und retour noch einmal das Gleiche . Aber gut, Machu Picchu muss man gesehen haben und so zahlte ich mit leicht zitternden Haenden. ;-)
Zuvor ging es aber noch zu den Inkaruinen Saqsaywaman und Ollantaytambo. (naehere Infos: http://de.wikipedia.org/wiki/Sacsayhuam%C3%A1n und http://de.wikipedia.org/wiki/Ollantaytambo).
Bei einem Museumsbesuch in Cuzco zuvor erklaerte ich mich noch fuer verrueckt: Bis jetzt habe ich, ausser dem oesterreichischen Konsul in La Paz, noch keine(n) OesterreicherIn getroffen und da gleich zwei junge Damen, die beide ein Jahr vor mir in Freistadt maturiert hatten. Aber es war dann doch keine Fata Morgana und ich fuhr, nach dem Machu-Picchu-Besuch gemeinsam mit ihnen nach La Paz.
Am 18. Juli ging es dann zu "dem" Touristenziel in Peru: der Inkastadt Machu Picchu (http://de.wikipedia.org/wiki/Machu_Picchu). Der Anblick war faszinierend, aber seht selbst an Hand der Fotos.
Meine vorletzte Reise in Suedamerika ist also bereits vorueber - heute Nachmittag werde ich noch mit TAM, der Fluglinie des bolivianischen Militaers, nach Rurrenabaque fliegen und dort in den Zauber des Amazonasregenwaldes eintauchen.

Last but not least, die Fotos:

Machu Picchu


Man hoert/schreibt sich von Bolivien aus und sieht sich bereits in drei Wochen in Oesterreich!
Saludos de La Paz,
Andreas

Montag, 14. Juli 2008

Reise in die Yungas

¡hola!

Wie ich bereits im letzten Eintrag erwähnte, fuhr ich von letzten Donnerstag bis Samstag mit drei Arbeitskollegen nach Yanacachi, einem Dorf in den Yungas (Nebelwälder) in dem die Fundación Pueblo vor nahezu 18 Jahren gegründet wurde. Ich genoss das warme Klima, die stressfreie Atmosphäre und die frischen Früchte. Bei uns glaubt man ja, Banane sei Banane, aber hier wird man eines besseren belehrt: Bananen-Kaufen gehen ist hier gleich wie bei uns Äpfel-Kaufen - die Auswahl an verschienden Sorten ist groß!
Weiters konnte ich das erste Mal in meinem Leben verschiedene Pflanzen bewundern, zum Beispiel den Kaffeestrauch, die Bananenstauden oder Maracuyasträucher. Verwundert war ich, dass Bananen nicht mit dem "Ende" nach unten wachsen, sondern nach oben - aber seht selbst anhand der Fotos.
Hier gleich der Link:

Yungas

Falls nicht noch etwas Unerwartetes dazwischen kommt, werde ich morgen in Richtung Cuzco (Peru) aufbrechen, wo ich einige einige Inkaruinen bewundern werde.

¡Hasta pronto!
Andreas

Donnerstag, 10. Juli 2008

Ein Leben im Luxus

¡Hola!

Seit bereits zwei Wochen befinde ich mich in La Paz und genieße den Luxus dieses Großstadtlebens. So aß ich, um nur ein Beispiel zu nennen, gerade zum Abendessen ein Laugenweckerl vom deutschen Bäcker mit richtiger Extrawurst vom deutschen Fleischhauer, Essiggurkerln und gutem Käse - ein bisschen Heimat so weit weg von Zuhause. Auch die warmen Duschen, oder dass keiner komisch guckt, wenn du sogar zwei Päckchen Butter kaufst, die am Land ein Luxusgut ist, usw. sind Gründe, warum es mir manchmal hier wie im Paradies vorkommt. Viele Leute in Bolivien können sich so ein Leben, das ich gerade führe und das in Europa für viele Menschen Standard ist, nicht einmal vorstellen, da es so weit weg ihrer Realität ist.
Nun aber zu den Ereignissen der letzten Wochen:
In der Nacht zum 24. Juni feierte ich, noch in Llallagua, San Juan (Hl. Johannes) und damit die kälteste und längste Nacht des Jahres. Um sich ein wenig aufzuwärmen, zünden viele Menschen ein kleines Feuer vor ihren Häusern an und es wird gefeiert und - ihr habt es wahrscheinlich bereits erraten - viel getrunken. Auf jeden Fall war es auch für mich eine lange Nacht und die Sonne guckte bereits ueber den Berg, als ich unter die Decke schlüpfte. Das wäre jetzt natürlich alles schön und gut, wenn ich nicht an jenem Tag nach La Paz hätte aufbrechen müssen. Die Fahrt war dann aber doch weniger schlimm als zuerst befürchtet.
Meine Ankunft in La Paz kam mir beinahe vor wie Weihnachten mit Kinderaugen: soviele Autos, Geschäfte, Lichter, Leute, ... - aber mittlerweile habe ich mich schon wieder an die Zivilisation gewöhnt. :-)
Hier bin ich, netterweise, wieder im Haus des Gründers der Fundación Pueblo untergebracht und fühle mich, gut geschützt von den Wachleuten des La Paz'er Bürgermeisters, der im Haus direkt daneben wohnt, recht wohl. Vielen Dank an Günther und seiner Familie für diese Gastfreundschaft!
Seit dem 25. Juni arbeite ich im Büro der Fundadción Pueblo hier in La Paz, wo ich meinen letzten Bericht über meine Tätigkeiten hier für den österreichischen Staat schrieb und die Homepage (www.fundacionpueblo.org) überarbeitete. (Leider sind aber die Neuheiten noch nicht online - sie ist aber trotzdem einen Besuch wert!)
Zur Zeit befindet sich eine Reisegruppe der "Freunde Boliviens", ein deutscher Verein, der die Arbeit der Fundación Pueblo schon jahrelang unterstützt, in La Paz. Ich begleitete sie einige Tage bei ihren Ausflügen und fand mich schon bald als Dolmetscher wieder, da nur wenige von ihnen Spanisch können. Weiters erzählte ich ihnen von meiner Arbeit im Norden von Potosí und meinen Erfahrungen dort. Durch ihre, teils auch sehr kritischen Fragen, kam ein sehr interessantes Gespräch zu Stande, das auch mir half, einige Dinge noch einmal zu reflektieren. Vielen Dank bei euch für die netten Bekanntschaften und die vielen Essenseinladungen, die mir zuteil wurden.
Letzten Samstag ging es mit dem Mountainbike von La Paz die "World Most Dangerous Road" (weltweit gefährlichste Strasse) nach Coroico hinunter. Zum Glück ist aber diese Straße, die teils nur 3.2 Meter breit ist, mittlerweile beinahe verkehrsfrei, da im letzten Jahr am gegenüberliegenden Berghang eine neue Strasse eröffnet wurde. Eine Wahnsinnsabfahrt von über 4000 Metern auf 2000 in den Nebelwald (Yungas: http://de.wikipedia.org/wiki/Yungas)nach Coroico. Leider war die Fahrt für mich schon etwas früher zu Ende, da ich auf einer schnurgeraden Strecke einen Sturz hatte. Zum Glück ist aber, außer einigen Prellungen, nichts Schlimmeres passiert. Wäre der Sturz nicht gewesen, wäre es ein wunderschöner Tag gewesen, aber trotzdem genoss ich das Essen im warmen Klima unter Palmen, wo die Papageien herumflogen.
Da aber mein Ellbogen nicht besser wurde, beschloss ich am Montag doch noch ins Krankenhaus zum Roentgen zu gehen und rief am Morgen dort an, ob ich am Nachmittag kommen könnte. Mir wurde mitgeteilt, es sei überhaupt kein Problem und ich solle doch vorbeisehen. Als ich allerdings ankam, empfing mich zwar noch ein Arzt, der aber nur meinte, er sei der letzte Arzt der sich noch um die übriggebliebenen Patienten kümmere. Behandeln könne er mich allerdings nicht mehr, da die Klinik bereits verkauft sei und die Röntgengeräte nicht mehr im Haus seien. Was sich seit meinem Anruf alles verändert hatte! Also ging es mit dem Taxi weiter in eine andere Klinik, die noch nicht verkauft war. Ich wurde dort sofort bedient - zwar angenehm für mich, da keine Wartezeit, aber trotzdem ein ungutes Gefühl, einfach, an mindestens zwanzig wartenden Personen vorbei, direkt in den Behandlungsraum durchgewinkt zu werden. Und das nur, weil man weiß ist und damit angenommen wird, dass ich gut bezahle - insgesamt mit zwei Röntgenbildern weniger als 50 Euro. Die gute Nachricht ist, dass nichts gebrochen ist: Der Arzt meinte, ich müsste noch einmal fallen, um kaputte Knochen zu haben. Ich hoffe, mit jenem Röntgengerät, das seine besten Jahre auch schon hinter sich hatte, kann man wirklich Bildern anfertigen, womit man einen Bruch erkennen könnte.
Da ich eigentlich seit Montag in meinen vierwöchigen Ferien bin, plane ich bereits eifrig meine Reisen. Die nächsten drei Tage geht es nach Yanacachi, einem Dorf in den Yungas (siehe oben), indem die Fundación Pueblo vor beinahe 18 Jahren gegründet wurde. Dort werde ich einige Projekte besuchen und einfach die Wärme geniessen.
Danach, wenn in Peru die Streiks wieder vorbei sind, soll es Richtung Cuzco gehen, von wo ich die Inka-Stadt Machu Picchu besuchen möchte. In den darauf folgenden zwei Wochen möchte ich noch das Tiefland Boliviens mit dem Amazonas-Regenwald kennenlernen. Ein volles Programm also bis zu meinem Abflug am 13. August!
Ich sende euch die besten Grüße aus La Paz!
Un abrazo,
Andreas

PS: Wenn manche bereits denken, meine E-Mail-Adresse sei nicht richtig, nur keine Angst: Ich bin nur wieder einmal im Rückstand mit dem Beantworten. Allerdings freue ich mich über jedes einzelne Mail und ich werde JEDES beantworten. Also fleissig weiterschreiben! :-)
Saludos,
Andreas

Sonntag, 22. Juni 2008

Der (wahrscheinlich) letzte Eintrag vom Campo!

Queridos amig@s:

Da in Bolivien alles immer sehr unplanbar ist, kann es sein, dass meine Zeit in Tomaycuri bereits schneller als geglaubt voruebergegangen ist. Aber dazu später.
Zuerst einmal der Bericht, was in den letzten Wochen im Norte de Potosí passierte: Ebenfalls unplanbar ist zuletzt die Abfahrtszeit der Flota (Überlandbus) geworden, mit der ich normalerweise am Sonntag um 10 Uhr ins Dorf fahre. Am 25. Mai hiess es nur, sie sei nicht angekommen. Stress, Stess um noch einen Platz in einer anderen flota zu ergattern, die zwar nur bis Macha (ein Dorf vor Tomaycuri) faehrt, aber von dort kann man ja dann irgendwie schauen, wie man weiterkommt. Im Endeffekt fuhr sie dann sogar bis Ocuri (ein Dorf nach Tomaycuri) - aber gut, wir sind angekommen.
Am Sonntag darauf wieder dasselbe Spiel: Flota um 10 Uhr nicht angekommen, zur anderen, die ab sofort immer (!) bis nach Ocuri (ein Dorf nach Tomaycuri) faehrt und es gab mittlerweile Geruechte, dass die 10-Uhr-flota eingestellt worden ist. Problem war aber ein anderes: Fuer die Fahrt, die normalerweise fuenf bis sechs Stunden dauert, brauchten wir zehn. Denn leider ging einem Reifen auf der Strecke die Luft aus und es dauert, wenn man keinen Ersatzreifen mithat, bis der kaputte notduerftig geflickt ist, bis noch einen Reifen von hinten, wo es Doppelreifen hat, vorne montiert ist und schlussendlich der kaputte wieder hinten angemacht ist. Soweit so gut - zweieinhalb Stunden vergangen. Klarerweise kann man mit einem notduertig geflickten Reifen nur bis ins naechste Dorf fahren, wo er dann in einer Zwei-Stunden-Reparatur "gut" geflickt wurde. Danach faehrt man weiter, bis einem einfaellt, dass es eigentlich schon Zeit zum Abendessen ist. Also noch einmal Halt und eine Stunde Zeit um sich den Bauch volllzuschlagen. Im Endeffekt bin ich um 10 Uhr abends todmuede und "etwas" genervt nach einer 10-stuendigen-Reise in Tomaycuri angekommen und gleich ins Bett gefallen.
Reisen am Land von Bolivien ist eben eine Sache fuer sich und man braucht vor allem Zeit (siehe auch Bericht vom 22. Mai).
Noch eine kleine Anekdote von meiner Dorfverantwortlichen: Allen Ernstes erzaehlte sie mir, dass es im Bení (Departament von Bolivien) noch Leute im Urwald geben, bei denen die Evolution noch nicht so weit fortgeschritten sei. Als ich sagte, dass ich das nicht glaube, meinte sie nur: Ich habe es doch selbst gesehen. Traurig, wenn man zusaetzlich weiss, dass sie die bolivianische Matura und ein abgeschlossenes Jus-Studium hat.
Leider war es im Dorf in den letzten Wochen in der Nacht immer sehr kalt und ich verkuehlte mich deswegen - vor allem mein Hals schmerzte wieder und ich hatte teilweise keine Stimme. Mittlerweile ist aber, nach einigen Tagen Aufenthalt im etwas waermeren Llallagua, wieder gut und ich fuehle mich gerade ganz gesund, was ja leider der Ausnahmezustand in den letzten zehn Monaten war.
Am 29. Mai fuehrte ich den "Taller de Germinados" (Seminar zur Keimlingsherstellung) mit den Gastmüttern im Dorf durch. Obwohl die Verständigung nicht leicht war, da die meisten beinahe nur Quechua sprechen, denke ich, dass sie verstanden haben, wie gesund, Keimlingssprossen der verschiedenen Getreide sind. Wir bastelten gemeinsam fuer jede Gastmutter mit PET-Flaschen eine "Keimflasche" und ich schenkte ihnen noch eine Ration Quinua, damit sie gleich die ersten Sprossen ziehen konnten.
Da in Bolivien am 6. Juni "Día del Maestro" (Tag des Lehrers) ist, war an jenem Freitag schulfrei und die LehrerInnen das ganze Wochenende betrunken. Ich nutzte das verlaengerte Wochenende und fuhr mit Esther und Philippe, den beiden Schweizern aus Llallagua, nach Sucre. Leider blockierten aber jenen Freitag die Buschauffeure die Stadteingänge von Sucre und es gab wirklich kein Durchkommen. Zum Glueck war aber der Streik nach drei Stunden Warten um sechs Uhr abends bereits zu Ende und wir konnten zum Haus einer anderen Schweizerin fahren, wo wir uebernachteten. In Sucre genossen wir vor allem das ausgezeichnete Essen, das waermere Wetter, die wunderschoene Stadt und - klar - die Fussballspiele der EM, die sogar bis nach Bolivien uebertragen werden. Ein paar Hintergrundinformationen zu Sucre: http://de.wikipedia.org/wiki/Sucre
Am Montag gab es dann in ganz Sucre kein Benzin, da ja die vergangene Woche kein Transporter in die Stadt konnte. Doch die Tankstellenangestellten machten uns dennoch Hoffnung und meinten, zu Mittag waere der LKW doch sicher schon angekommen. Also reihten wir uns in die Schlange der wartenden Fahrzeuge ein und - genossen die Sonne fuer zwei Stunden. Als es dann hiess, wahrscheinlich komme heute kein Benzin mehr, tankten wir aus unseren mitgebrachten Kanistern, wobei wir nachher sehr nach Benzin stanken.
So kam ich dann doch noch in Tomaycuri an. Allerdings blieb ich dort nicht mehr als einen Tag: Am Dienstag Nachmittag hiess es, dass die Lehrer ab Mittwoch in Streik treten und Sandra, die Dorfverantwortliche der Fundación Pueblo, und ich fuhren auf der Ladeflaeche eines LKW noch in der Nacht bis Llallagua. Ich hatte die Kälte ein wenig unterschaetzt, aber zum Glueck waren die geladenen Zementsaecke mit einer Plastikplane bedeckt, die ich kurzerhand als Decke verwendete und darunterkroch.
Da die Lehrer dann drohten, ab Montag in unbegrenzten Streik zu treten, wurden einfach von der Regierung die Winterferien um zwei Wochen vorverschoben und begannen nun bereits vergangenen Montag. Zur Zeit ist die Diskussion, ob die Lehrer nun diese Entscheidung akzeptieren oder trotzdem Unterricht abhalten werden. Oder doch streiken, oder zusaetzlich noch Strassen blockieren, oder, oder, oder ...
Fuer mich kam natuerlich, wie fuer alle hier, das Schulende sehr ueberraschend. Da ich mich nicht einmal von den Stipendiaten verabschiedet habe, bin ich auch ein wenig traurig darueber, dass es nun so ploetzlich zu Ende war. Ich werde ihnen aber fuer jeden ein Gruppenfoto mit mir zurucklassen, damit sie zumindest eine kleine Erinnerung haben, an ihren "tío" (Onkel), wie ich immer liebevoll genannt wurde.
Dafuer veranstaltete ich am Freitag, den 13. Juni, eine kleine Abschiedsfeier in Llallagua, wobei ich die Mitarbeiterinnen hier zu einem Abendessen mit guter oesterreichischer Nachspeise - Palatschinken - einlud. Obwohl manche Personen das Datum nicht so gut fanden, war es trotzdem eine nette kleine Feier.
Am vergangenenen Mittwoch fuhr ich das letzte Mal nach Tomaycuri um meine Sachen rauszuholen und von den Leuten Abschied zu nehmen. Weiters uebergab ich die fuenf neuen Fussbaelle, die von einem Lehrer des Gymnasium Freistadts bezahlt wurden, an die Becados (Stipendiaten), die eine grosse Freude hatten, da zur Zeit alle anderen Baelle bereits kaputt sind.
Am Donnerstag lud ich noch die Dorfverantwortliche und zwei Personen des Dorfes auf Marmelade-Palatschinken ein, die ihnen sehr schmeckten. Auf der einen Seite waren diese letzten Tage traurig: Von manchen Personen, zum Beispiel meinem Hausbesitzer, einigen Gastmuettern oder den SchuelerInnen, fiel es mir nicht leicht, Abschied zu nehmen, da ich weiss, dass ich sie vielleicht nie wieder sehen werde, obwohl ich allen versprochen habe, wenn ich wieder genug Geld fuer den Flug habe, zurueckzukehren und sie zu besuchen.
Gestern fuhr ich dann, nachdem ich wieder einmal sechs Stunden gewartet hatte, wieder nach Llallagua und genoss nach der staubigen LKW-Fahrt die Dusche. Am Abend feierten wir dann mit der Bevoelkerung das den andinen Jahreswechsel - seit heute befinden wir uns im Jahr 5516. Ab zirka 11 Uhr abends wird am Stadtplatz getanzt und gefeiert bis es Mitternacht ist und das neue Jahr beginnt. Der richtige Jahreswechsel ist aber erst am 21. Juni bei Sonnenaufgang. Auf diesen warten alle und vertreiben sich die Zeit mit Tanz und sehr viel Alkohol. Danach wird ein Berg bestiegen und man wartet auf Tata Inti (Vater Sonne). Mit den ersten Sonnenstrahlen beginnt das neue Jahr und alle koennen schlussendlich ins Bett gehen. Wer Spanisch kann oder auch nur um die Fotos anzusehen, hier zwei Links zu Hintergrundinformationen: http://www.rpp.com.pe/detalle_108045.html http://www.eldiario.net/noticias/nt080621/6_06clt.php

Zur Zeit befinde ich mich in Llallagua und geniesse ein wenig den Luxus, zum Beispiel warme Dusche, wenn es gerade nicht wieder einmal kein Wasser hat. Untertags arbeite ich im lokalen Büro, wo ich auch meinen letzten Arbeitsbericht aus dem Dorf fertigstellte. Wer Interesse hat und Spanisch kann, hier der Link: http://www.doktus.de/dok/51474/informe_junio_2008.html
Alle die meinen Blog das ganze Jahr ueber fleissig verfolgt haben, koennen sich sicher noch erinnern, dass ich zur Weihnachtszeit in Arica, Chile, am "bolivianischen" Strand meinen Urlaub verbrachte. Auch Esther und Philippe waren vor einiger Zeit dort und haben sich nun die Muehe gemacht, einen "Vergleich Llallagua-Arica" zu schreiben. Da ich den Text wirklich toll finde und ich auch aehnliche Gedanken hatte, hier der Link: http://www.doktus.de/dok/51470/vergleich-llallagua-arica.html

Und last but not least, der Link zu den Fotos:


Ganz liebe Gruesse aus Llallagua nach Europa,

in weniger als 60 Tagen sehen wir uns,

Andreas