Freitag, 22. Februar 2008

¡Tschau La Paz!

¡Queridos amigos!

Meine Zeit hier in La Paz, während der ich vor allem im Büro gearbeitet habe, ist vorüber. Morgen geht es wieder mit viel Gepäck in Richtung Llallagua und am Sonntag dann weiter ins Dorf. Drückt mir die Daumen, dass der Regen nicht zu heftig ausfällt, damit alle Straßen gut passierbar sind. Ich freue mich schon wieder auf die Arbeit mit den Stipendiaten und den SchülerInnen im Dorf, denn ein weiters Mal habe ich gemerkt, dass die Büroarbeit einfach nicht das Wahre für mich ist. Klar war das Leben hier mit europäischen Luxus eine angenehme Abwechslung, aber ich habe bereits mehr als die Hälfte meiner Zeit des, nicht immmer einfachen, Alltags am Land ueberlebt. ;-)
Vor allem freue ich mich schon wieder auf den Englisch-Unterricht, der dank der Freistädter Schulbuecher, nun um einiges wertvoller, sinnvoller und lustiger werden wird.
Un saludo de La Paz,
¡hasta pronto!
Andreas

Sonntag, 17. Februar 2008

Halbzeit

¡hola!

¿Cómo están allí en Europa? ¿Todo bien?
Dieser Bericht, die Fotos und, man staune, auch die Videos handeln zum größten Teil vom Karnaval und den ihn umgebenden Ritualen.
Alles begann mit der Ch`alla de la Oficina (Reinigung/Segnung des Büros) am Freitag vor Karnaval, also am 1. Februar. Im gesamten Büro wurden Konfetti mit Zuckerkügelchen verstreut, die Schreibtische mit Luftballonen und Faschingsschlangen geschmückt und danach in alle Ecken Alkohol gegossen. Dieses Ritual, wie alle Ch`allas, sind zu Ehre der Pachamama, also der Mutter Erde (siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Pachamama).
Am Nachmittag fuhr ich dann in Richtung Oruro, wo der bekannteste Karnaval Boliviens stattfindet. An diesem Wochenende sind alle Hotels ausgebucht, trotz der gestiegenen Preise, doch ich konnte zum Glück im Haus einer Bekannten unterkommen. Die sicherlich wichtigste Investition dieser Tage war mein Plastikponcho, denn immer und überall wird mit Wasserbomben geschossen und mit Schaum gesprüht. Vor allem die Kleineren haben einen Riesenfreude, wenn sie auf der Strasse einen Gringo (Weissen) getroffen haben. Am Samstag ist dann die grosse Parade der verschiedensten Tanzgruppen, die von 8 Uhr früh bis lange nach Mitternacht dauert. Die BolivianerInnen, die daran teilnehmen, geben zum Teil ein Vermögen aus fuer die Miete der Kostueme, die Startkosten usw. Schon am Vormittag sollte man sich einen Platz auf einen der Holztribühnen reservieren, da am Samstag dann alles voll wird. Ob allerdings diese Tribühnen einer TÜV-Prüfung standgehalten hätten, ist mehr als fraglich. In diesem Zusammenhang muss ich auch über ein trauriges Erlebnis berichten: Die Tribühne wird ueber eine Holzleiter betreten, die durch das Wasser und den Schaum extrem rutschig wird. Am Nachmittag hoerte man auf unserer Tribüne auf einmal ein "Platsch" und dann einen Aufschrei. Zuerst dachte ich, dass ein Kind zwischen den Sitzen durchgerutscht sei und auf den Boden gefallen ist. Doch es war ein, augenscheinlich betrunkener, Mann, der auf der Leiter ausgerutscht war und nun bewusstlos auf dem Boden lag. Das Traurige ist, dass es, obwohl so viele Menschen versammelt waren, ewig dauert bis Hilfe kommt. Zuerst in Form der Militärpolizei, die ihn ihn den Hauseingang zerrte (wenn der eine Wirbelverletzung hatte!) und nach etwa einer halben Stunde in Form des Roten Kreuzes. Aber glaubt nicht, dass hier Spezialisten mit Ausrüstung kamen. Nein, Jugendliche, ich schaetze zwischen 15 und 23 Jahren, die selbst auch nicht wussten, wie sie mit der Situation umgehen sollten. Was mit ihm weiters passiert ist, weiss ich leider nicht - ich wuensche ihm auf alle Fälle das Beste fuer die Genesung. Anzumerken ist hier noch, das der Karnaval in Bolivien im ganzen Land ueber 70 Tote gefordert hat, zum Grossteil Alkoholvergiftungen.
Aber es soll nicht der negative Eindruck überwiegen: Der Karnaval in Oruro war fuer mich eine einmalige Gelegenheit, die verschiedensten Tänze kennenzulernen und einfach auch zu feiern. Für mich war verwunderlich, dass die Leute hier in der Hochebene, die mir bis jetzt eher als zurueckhaltend und oft auch als traurig erschienen sind, ein solches Riesenfest zu feiern.
Am Sonntag ziehen die Gruppen dann ein zweites Mal ein, allerdings war ich da schon auf dem Weg in Richtung Cochabamba (siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Cochabamba) . Dort genoss ich fuer zwei Tage das angenehme Klima, streifte ein wenig durch die Stadt und bestaunte die gröesste Christusstatue der Welt.
Bei der "Heimfahrt" nach La Paz hatte ich in Oruro noch einmal die Gelegenheit eine Ch`alla mitzuerleben. Am Dienstag nach Karnaval ist der "Tag der Ch`alla" und es wird alles "gesegnet/gereinigt", was einem wichtig ist - Häuser, Autos, Wohnungen, Geschäfte usw.
Zur Zeit befinde ich mich in La Paz, wo ich tagtäglich im Büro meiner Organisation arbeite - vor allem bereite ich mich auf den Unterricht im Dorf vor, unter anderem indem ich die deutschen Texte der, dankeswerterweise vom BG/BRG Freistadt zur Verfügung gestellten, Englisch-Lehrbücher ins Spanische übersetze.
Am letzten Samstag wurde ich vom Stiftungsleiter, Don Franklin Bustillos, zur Hochzeit seiner Nichte eingeladen - einzige Auflage: im Anzug zu erscheinen. Also ging es am Freitag noch zum Schneider, der mir einen Anzug anpasste und am Samstag noch zum Hemd-und-Schuhe-Kaufen. Der Anzug war weniger Problem, da er ja an meine Größe angeschneidert wurde, aber ein passendes Hemd und Schuhe zu finden, war beinahe unmöglich. Das die Ärmel des Hemdes dann bereits in der Armbeuge endeten, störte dann auch niemanden und so halbwegs passende Schuhe fand ich nach einer mehrstündigen Einkaufstour. Hier muss ich beim Schuhekaufen nicht einfach aussuchen wie in Österreich, sondern ich frage zuerst ob sie Schuhgröße 45 ueberhaupt fuehren. Meist ist die Antwort dann sowieso - Oh, nein. Bis maximal Größe 43 habe ich etwas. Aber gut: All den Problemen zum Trotz wurde die Hochzeit, die in einem der teuersten Hotels der Stadt stattfand, ein wunderschönes Fest mit viel Tanz und gutem Essen. Apropro Tanz: Komisch fand ich, dass man zwar in Paaren tanzt, allerdings steht man sich nur gegenueber und eigentlich tanzt dann ein jeder fuer sich. Ich als Österreicher, der gerne engumschlungen Walzer tanzt, fühlte mich zuerst ein wenig verloren und glaubte, meine Tanzpartnerin hatte nicht wirkliches Interesse. Als ich aber merkte, dass keiner so richtig aufeinander abgestimmt tanzte und sie noch mehrmals mit mir das Tanzbein schwang, war ich beruhigt, dass das Problem nicht bei mir lag. :-)
Am Sonntag genoß ich bei einem Spaziergang im Süden der Stadt mit Andreas, dem anderen Praktikaten der Fundación Pueblo, und zwei seiner gerade angekommenen Freunden das schöne Wetter, wurde beim Überqueren eines Baches etwas nass und schmutzig und fuhr zum ersten Mal in meinem Leben mit einem Quad.
Und dann war schon wieder Montag und die neue Arbeitswoche begann, die dieses Mal ein "Jubiläum" brachte. Am letzten Mittwoch war genau Halbzeit meines Aufenthaltes in Bolivien - in ein bisschen weniger als sechs Monaten werde ich schon wieder österreichischen Boden unter den Füssen haben und ich freu` mich schon darauf - vor allem natuerlich auf euch!
Hier noch die Links zu den Fotos, Videos usw:
http://www.youtube.com/watch?v=k3HjOR-1Ym4 (erstes Video vom Karnaval in Oruro)
http://www.youtube.com/watch?v=3IZtWt23JFQ (zweites Video vom Karnaval in Oruro)
auch "derStandard.at" wiedmete sich in einer Lesereise dem Karnaval in Oruro: http://derstandard.at/?id=2777353
Und last but not least: meine Fotos:
Carnaval, Ch`alla, Cochabamba, La Paz


Liebe Grüße aus La Paz,
ich wünsche euch nur das Beste,
Andreas

Freitag, 1. Februar 2008

La Paz - vom Leben in der Großstadt

¡hola a todos!

Nachdem seit meinem letzten Blogeintrag schon wieder einige Zeit vergangen ist, melde ich mich mit diesem Bericht, diesmal aus der Großstadt La Paz, wieder zurueck.
Mittlerweile bin ich seit dem 15. Dezember, mit zwei Reiseunterbrechungen, hier und genieße in vollen Zuegen die Annehmlichkeiten, die das Leben hier zu bieten hat - angefangen von einer warmen Dusche am Morgen, ueber täglichen Internetzugang, sauberem WC bis zu gutem Essen.
Bei meiner Arbeit im Büro der Fundación Pueblo bin ich vor allem mit Übersetzungsarbeiten für die Homepage beschaeftigt - gar nicht so leicht, die eigene Muttersprache. ;-) Weiters habe ich mitgeholfen, ein Buch grafisch zu gestalten, dass eine schweizer Kollegin, Florence Brenzikofer, für LehrerInnen am Land von Bolivien geschrieben hat: Dinámicas y Juegos para la Enseñanza (Übungen und Spiele fuer den Unterricht). In diesem Buch finden sich die "besten" Spiele, die sie in den letzten beiden Jahren bei den Lehrerfortbildungen am Land erklaert hatte, und sollen vor allem den, leider noch immer sehr verbreiteten, Frontalunterricht etwas auflockern. Wer Interesse hat und an einem grauen Winterabend Zeit findet, kann sich die Homepage von Florence, Martin, Pepe, Linus und Nuria einmal ansehen. Sie haben die letzten zwei Jahre in Llallagua, Norden von Potosí, gewohnt und gearbeitet - eben der Stadt, wohin auch ich immer am Wochenende zum Einkaufen, Duschen usw. komme. Link: www.llallagua.ch
Mit meiner Gesundheit ist es halt leider immer noch nicht so wie es sein sollte - Magenprobleme gehoeren sowieso zum Wochenprogramm und letzte Woche habe ich mir auch noch eine kleine Hautinfektion im Gesicht eingefangen - aber nach einem Besuch beim Dermatologen und - wieder einmal - Antibiotika wird es schon wieder besser. Vielleicht sind ja diese Erfahrungen beim Medizinstudium dann hilfreich! ;-)
Noch zwei kleine Erlebnisse hier, die vielleicht typisch fuer Bolivien sind:
1) Bei Regen in einer Strasse in La Paz: Ein Bettler bietet einen, reich aussehenden, Bolivianer um eine Spende. Darauf jener: Frag` doch den Evo! - Hoffentlich ist der Präsident wirklich so volksnah!
2)Letzte Woche war eine Pressekonferenz der Fundación Pueblo mit der Erziehungsministerin angesetzt um das Programm "Schülerpension in Familien" zu bewerben. Alle Vorbereitungen waren abgeschlossen, langsam stellte sich ein wenig Nervösitat bei den Beteiligten ein und dann der Anruf eine halbe Stunde vor Beginn: Die Ministerin wurde gerade abgesetzt --> Pressekonferenz abgesagt - Punto.
Am 24. Jänner wird jedes Jahr das Fest "Alasitas" (Aymara: Kauf von mir!) gefeiert. Bei diesem Markt gibt es jede nur erdenkliche Sache zu kaufen - allerdings als Miniatur. Man kauft jene Sachen, die man in diesem Jahr erreichen will. Diese lässt man dann, entweder von einem Indígena-Priester, oder auch von der kath. Kirche, weihen und hofft, dass es in Erfuellung geht. (Mehr Infos hier, leider nur in Spanisch: http://es.wikipedia.org/wiki/Alasitas) Und jetzt seit ihr sicher neugierig, was ich mir denn so gekauft habe: einen bolivianischen Pass, damit das leidige Visumthema ein Ende hat, ein kleines Haus um eine Wohnung in Wien zu finden, meinen Medizinstudiumabschluss, einen Koffer voller Geld und eine Henne - welche Bedeutung diese wohl haben wird?
Am vergangenen Freitag musste ich schon wieder ausreisen um mein Visum zu verlängern. Mit festem Willen dieses Mal mit 90 Tagen Visum zurueckzukommen, startete ich meine Ein-Tages-Reise nach Peru - bei einem Grenzübergang (Desaguadero) raus, beim nächsten wieder rein (Copacabana). Gewillt, notfalls mit ein paar Bolivianos nachzuhelfen, reiste ich wieder ein - aber, man glaubt es kaum, ohne Diskusion oder sonstiger "erlaubter" Hilfsmittel drueckte der Grenzbeamte den Stempel mit 90 Tagen in meinen Pass. Nicht einmal die Coca Cola, die oft Wunder bewirkt, musste ich "verschenken".
Am Samstag ließ ich mich dann von einem netten Führer durch die größte Kirche La Paz, der San Francisco, schleppen. An sich nicht viel anders als ein Klosterkomplex bei uns - interessant ist aber, dass sich der Kopf des Deutschen Otto Braun, neben anderen sterblichen Überresten von Nationalhelden Boliviens, in der Krypta befindet. (Link: Otto Braun)
Am Sonntag ging es zu den Ruinen von Tiahuanaco, zwei Stunden von La Paz entfernt. Aber seht selbst die Fotos oder mehr Infos hier: www.indianerwww.de/indian/tiahuanaco.htm
Hier noch der Fotolink:
Morgen werde ich dann zum Karnerval nach Oruro aufbrechen - ihr könnt euch auf jeden Fall bereits auf die Fotos freuen!
Saludos de La Paz,
Andreas

Donnerstag, 17. Januar 2008

Salar de Uyuni

¡Hola!
Nachdem ich auch Silvester gut verbracht und überlebt hatte, ging es vom 4. bis 6. Jänner in den "Salar de Uyuni" (weitere Infos: http://www.naturfoto-digital.de/index.php?artikel_id=24)
Für mich brachte diese dreitägige Tour einige der schönsten Augenblicke, die ich bis jetzt in Bolivien erlebt habe, vor allem auch landschaftlich. Aber am Besten seht selbst:
Salar de Uyuni

Saludos de La Paz,
Andreas

Dienstag, 1. Januar 2008

Fotos!

Die Fotos von November und Dezember in Tomaycuri und Llallagua:
4 Monate Bolivien

und von der Reise nach Chile und Peru:
Reise Chile/Peru

Viel Spass!

Liebe Gruesse,
Andreas

Montag, 31. Dezember 2007

¡Un Próspero Año 2008!

¡Hola!

Nachdem ich aus meinem Weihnachtsurlaub in Chile und Peru wieder heil nach La Paz zurueckgekommen bin, hier einige Eindruecke und die neuesten Fotos:
Am 23. Dezember ging es fruehmorgens los von 3600 Metern auf 0 Meter - von La Paz, Bolivien, bis an den pazifischen Ozean nach Arica, Chile. Eine landschaftlich beeindruckende Fahrt zuerst durch das Altiplano (Hochebene), danach durch die Wueste bis man das Meer und damit Arica erreicht. Die mehr als 10-Stunden-lange Busfahrt verbrachten wir vor allem damit, die Landschaft zu bestaunen und zu schlafen. Das anstrengendste dabei war die Einreise nach Chile, da wir zuerst mehr als eineinhalb Stunden am Grenzuebergang warten mussten und danach wurde sogar jedes einzelne Gepaeckstueck durch einen Roentgenapparat geschickt. Durch diese Massnahme versucht Chile die Einfuhr jeglicher Lebensmittel, vor allem Obst, zu unterbinden, da sie Angst vor Schaedlingen, die die boomende Obstindustrie schaedigen koennten, haben. Endlich in Arica angekommen, fuehrte der erste Weg zu einem Bankomaten um zu Geld zu kommen - und das ist wirklich noetig in Chile, da die Preise fuer suedamerikanische Verhaeltnisse sehr hoch sind. Ich hatte grosse Probleme mit der Waehrung zu Recht zu kommen, da die Einheiten riesig sind. Ein Abendessen kann dann leicht 5000 Chilenische Pesos kosten, was zirka sieben Euro entspricht.
Der Hl. Abend verlief dann sehr ruhig - da wir am Nachmittag am Strand etwas zu viel in der Sonne gebraten hatten, waren wir schon sehr bald muede. Weihnachten ist - gefuehlsmaessig - heuer vom Kalender gestrichen worden; dafuer freue ich mich bereits um so mehr auf naechstes Jahr!
Der 25. war ein richtiger Nichts-Tu-Tag - ich hatte Bauchprobleme, meine beiden Reisekollegen einen Sonnenbrand, das sie richtig Angst vor der Sonne hatten und so lagen wir den Grossteil des Tages im Bett herum und sahen eine sinnlose Fernsehsendung um die andere. Am Nachmittag waren wir aber hellwach, als die Fensterscheiben zu klirren begannen und wir zuerst nicht wussten was es sei. Im Endeffekt war es ein leichtes Erdbeben und der Spuk war nach einer beaengstigenden halben Minute wieder vorbei.
Da in Chile das Leben teuer ist und wir genug von Arica hatten, fuhren wir am 26. Dezember in Richtung Peru, nach Tacna. Nach einer Stunde Fahrt auf der Panamericana (Infos: http://de.wikipedia.org/wiki/Panamericana)
durch die Wueste, gelangten wir nach Tacna, von wo aus wir, nachdem wir die Stadt besichtigt hatten, nach "Boca del Río", einer Kleinstadt an der Kueste fuhren. In diesem verschlafenen Staedtchen verbrachten wir unsere Zeit bis zum 29. Dezember - schliefen lange, spazierten am Strand entlang, speisten alle guten Sachen, die das Meer bereithaelt - kurzum: Wir genossen die Zeit!
Am 29. Dezember ging es von Tacna aus wieder in Richtung La Paz. Zuerst aber noch nach Desaguadero, dem Grenzort zwischen Bolivien und Peru. Nachdem ich, wieder einmal, eine Drogenkontrolle der peruanischen Polizei hinter mich gebracht hatte, begann der "Kampf" um das bolivianische Visum. Normalerweise bekommt man 30 Tage Touristenvisum, doch sollten EU-Buerger eigentlich 90 Tage bekommen. Interssant ist, dass wir zu dritt ueber die Grenze fuhren - einer bekam 90 Tage, einer 60 Tage und ich Ungluecksrabe nur 30 Tage. Das heisst entweder wieder auf die Migración (Einwanderungsbehoerde), wo sie mir hoffentlich das Visum auf 90 Tage verlaengern oder ich werde bereits nach einem Monat wieder ausreisen muessen um die Prozedur erneut zu beginnen.
In einigen Stunden werde ich dann hier in La Paz mit Freunden ins Neue Jahr rutschen und hoffen, dass es nur das Beste bringen wird. Dasselbe wuensche ich natuerlich auch euch: Viel Gesundheit, Zufriedenheit und Glueck im Neuen Jahr!


Ich hoffe, ihr verzeiht mir, dass ich beim E-Mail-Beantworten zur Zeit ziemlich im Rueckstand bin. Ich freue mich aber ueber jede und es kommt bestimmt auf jede einzelne Mail eine Antwort!
Liebe Gruesse aus La Paz,
Andreas
PS: Die neuen Fotos gibt es dann im Laufe der Woche!

Samstag, 22. Dezember 2007

¡Feliz Navidad!

¡Hola a todos!
Nachdem ich die letzte Woche fuer das Jahr 2007 im Campo gut verbracht habe, befinde ich mich jetzt seit mittlerweile einer Woche in La Paz. Aber zuerst zu den Neuigkeiten der letzten zwei Wochen:
Am Sonntag, 9. Dez., ging es wieder einmal nach Tomaycuri um die letzte Woche fuer 07 dort zu arbeiten. Am Montag gab es dann eine grosse Praesentation der einstudierten Kunststuecke des Turn- und Musikunterrichts. Die Kinder gaben sich grosse Muehe und es war fuer das gesamte Dorf eine schoene Vorstellung. Am Nachmittag konnte man durch die verschiedenen Klassenraeume bummeln, die Arbeiten der SchuelerInnen bestaunen oder die, von den Kindern mitgebrachten, Speisen probieren. Gladys, meine "Chefin", und ich hatten fuer jeden Lehrer eine Weihnachtskarte vorbereitet und uebergaben ihnen bei der Gelegenheit diese. Sie hatten grosse Freude, vor allem auch, dass ich sie auf Deutsch und Englisch beglueckwuenschte. Am Abend wurde ich noch zu einem Fest eingeladen - wegen meiner Neugierde musste ich hingehen und bekam auch gleich eine Tasse Chicha in die Hand gedrueckt. Gut, aber - leider - wurde ich auch zum Essen eingeladen und bekam eine Handvoll kaltes Fleisch und gekochte Bohnen. Diese konnte ich ja essen, aber beim Fleisch drehte es mir schon beim Ansehen beinahe den Magen um. Normalerweise kein so grosses Problem; man steckt das Fleisch in eine Plastiktuete, die man immer dabei hat, und nachher kann es sein, dass dich ein Hund darum anbettelt. (Hoffentlich liest das keiner aus Tomaycuri! ;-)) Aber erstens hatte ich dummerweise kein Plastiksackerl mit und zweitens sassen mindestens fuenf Frauen um mich herum und kontrollierten was ich ass. Soweit so gut: Mit Mueh´und Not ass ich ein paar kleine Stuecke Fleisch und die gesamten Bohnen. Danach entschuldigte ich mich hoeflich, dass ich schon zu Abend gegessen hatte und verpackte dann das Fleisch feinsaeuberlich in ein Papiertaschentuch. Beim Fest wollte natuerlich jeder mit mir reden, manche waren aber schon so betrunken, dass sie kaum ein Wort sagen konnten. Nachdem mich alle auf Chicha einladen wollten und ich nach einer Tasse bereits den Alkohol im Kopf spuerte, verabschiedete ich mich schon nach relativ kurzer Zeit ins Bett. Am Dienstag wurde das Theater der SchuelerInnen der Sekundaria aufgefuehrt - drei "kurze Stuecke" - dauerten ewig und es war unmoeglich der Handlung zu folgen, da die Akustik, v.a. durch den Wind, extrem schlecht war und auch die Aussprache nicht immer die Beste ist.
Am Mittwoch war dann die allererste "Promoción", also Maturafeier, die sie jemals in Tomaycuri hatten. Es war ein schoenes und gut vorbereitetes Fest und erinnerte mich wehmuetig an meine eigene Maturafeier ein halbes Jahr zuvor. Wenn ich allerdings vergleiche, wie viel wir in Oesterreich gelernt hatten und dass hier manche der Maturanten nicht einmal fluessig lesen, vom schreiben gar nicht zu sprechen, stimmt mich das traurig, aber auch gluecklich darueber, welche grosse Chance ich, und wir alle in Oesterreich, mit unserer Ausbildung haben. Am Nachmittag, nach einigen Copas Bier und - wie immer - Chicha, packte ich meine Sachen fuer meinen Aufenthalt in La Paz. Hoffe, dass ich in diesem Zustand keine wichtigen Sachen im Dorf gelassen habe! ;-)
Am Donnerstag morgen warteten wir bereits ab 6 Uhr frueh auf eine Fahrgelegenheit. Um halb 9 Uhr ging es dann endlich auf einem KLein-LKW in Richtung Macha - WARTEN - LKW nach Pocoata - WARTEN - KLeinbus nach LLallagua. Dort packte ich die restlichen Sachen ein und eilte zum Bus in Richtung La Paz, wo ich dann um halb 2 Uhr morgens fix und fertig ankam und ins Bett fiel.
Ab Freitag letzter Woche arbeitete ich jeden Tag im Buero der Fundación Pueblo, wo ich vor allem Spielbretter fuer ein Buch ueber Spiele fuer den Unterricht, das Florence, ebenfalls Schweizerin, geschrieben hat, bearbeitete. Am Samstag waren wir zu einem Fest, anlaesslich des 2ten Platzes im Wettbewerb der CEPAL (siehe aelteren Eintrag!), bei dem Gruender der Fundación Pueblo, Guenther Schulz-Heiss, eingeladen. Es war ein tolles Fest mit - endlich - gutem Essen und ich tanzte dort meine erste Cueca, ein "Verfuehrungstanz", bei dem ein Taschentuch nie fehlen darf. Weitere Infos, auch ueber andere bolivianische Taenze: LINK
Am Montag dieser Woche war ich das erste Mal im oesterreichischen Konsulat: Ich wollte eigentlich Material ueber Oesterreich fuer den Unterricht mitnehmen, aber es gab nichts. Allerdings bekam ich eine Ruege vom Konsul, der uebrigens aus Gmunden kommt, da ich mich noch nicht registriert hatte. Weiters bat ich um eine Einschaetzung der derzeitigen politischen Lage Boliviens und er meinte, dass man fuer naechstes Jahr auch groessere Zusammenstoesse zwischen Regierungsanhaengern und Opposition erwarten kann. Aber hoffen wir das Beste!
Am Mittwoch ging es dann wieder einmal auf zum Frisoer und es wurde unerwarteterweise zu einem Erlebnis. Da ich zum Haare-Schneiden meine Brille abnehmen muss, sah ich wenig, was die Frisoerin an mir herumschnipselte. Allerdings war ich, als ich die Brille wieder aufsetzte, sprachlos. SCHRECKLICH - Seitenscheitel, alle Haare auf eine Seite gekaemmt, die Stirnfransen schief geschnitten. Zuerst zerstoerte ich durch einen gekonnten Griff meine Frisur und meinte dann, sie solle jetzt einmal alles gerade schneiden. Gut, schlussendlich war ich mit dem Ergebnis so halbwegs zufrieden, allerdings wollte sie 25 Bolivianos (2,5 Euro) dafuer. Normalerweise bezahle ich 10 Bol., wenn ich von hier waere, wuerde es nur 5 Bol kosten. Nach laengerem Verhandeln war sie dann mit 15 Bol. zufrieden und ich eine Erfahrung reicher. Sag´ dem Frisoer immer genau, was du willst! ;-)
Auch im Buero hatten wir eine kleine Weihnachtsfeier mit Tee und sogar ein paar Keksen, die allerdings ein Deutscher mitgebracht hatte. Als Geschenk bekamen wir einen Panetón, einen Kuchen, der hier in der Weihnachtszeit sehr populaer ist, geschenkt. Beim ersten Blick meint man es sei ein Gugelhupf, aber der Geschmack ist kein Vergleich! (Liebe Gruesse an Oma - ich freue mich schon wieder auf deinen Original-Oma-Gugelhupf mit ganz, ganz vielen Rosinen!!!)
Zur Zeit ist die politische Situation in Bolivien etwas angespannt - vor zwei Wochen wurde die neue Verfassung im Parlament verabschiedet, allerdings hatte dabei die Opposition keinen Zutritt. Diese soll jetzt noch durch ein Referendum vom Volk bestaetigt werden. Aber gibt es noch immer viele Streitpunkte - Sucre, die konstitutionelle Hauptstadt, moechte auch den Regierungssitz, der sich zur Zeit in La Paz befindet. Weiters reichte am Tag der Verabschiedung der "ofiziellen" Verfassung, Santa Cruz, ein departamento ("Bundesland"), eine eigene Verfassung ein, erklaerte sich als unabhaengig und moechte jetzt sogar Zollgrenzen mitten in Bolivien einrichten. Auch einige weitere departamentos, vor allem im Tiefland, moechten noch autonom werden. Die Konfrontation fusst vor allem auf den Gegensatz reiches Tiefland mit den riesigen Agrargebieten, Erdgas- und Oelvorkommen, usw. gegen armes Hochland, wo aber der Grossteil der Bevoelkerung lebt. In der neuen Verfassung waere jetzt eine allgemeine Rente fuer alle Leute ab 60 Jahren, Verbesserungen im Bildungsbereich, ... festgeschrieben, was mit den Einnahmen der Erdgasexporte finanziert werden sollte. Die Tieflaender sagen jetzt aber, das sei ihr Geld und sie wollen keine weiteren Zahlungen mehr an das arme Altiplano (Hochland) leisten. Gestern sah ich zum ersten Mal eine Demonstration - eine Friedensbewegung brachte ihre Meinung zum Ausdruck und wurde, unbegruendeterweise, von Regierungsanhaenger angegriffen. Zum Glueck kam es aber zu keinen heftigen Auseinandersetzungen; allerdings sieht man, wie hoch zur Zeit die Gewaltbereitschaft ist. Zum Glueck kommen jetzt die Weihnachtsfeiertage und die Leute sind - hoffentlich - mit dem Feiern beschaeftigt. Im neuen Jahr wird man sehen, wie sich die Lage entwickelt.
Auch ich werde mich morgen zum Feiern in Richtung Arica, Chile, verabschieden und dort die Weihnachtsfeiertage mit Freunden am pazifischen Strand verbringen.
Ich wuensche euch ein ¡Feliz Navidad y un Próspero Año Nuevo!. Feiert schoen, esst fuer mich ein paar Weihnachtskekse mit und trinkt einen Punsch auf mich!
Liebe Gruesse,
bis bald,
Andreas