Donnerstag, 24. Juli 2008

Update

¡hola!

Gut - in Bolivien soll man nicht planen. Gestern Nachmittag, wie im letzten Eintrag noch verkuendet, wollte ich in Richtung Rurrenabaque aufbrechen. Meine Reise endete allerdings bereits in El Alto, der Satellitenstadt La Paz', wo sich der Flughafen des bolivianischen Militaers befindet. Als ich gerade eingecheckt wurde, kam die Mitteilung, dass unser Flug gestrichen worden war, da das Flugzeug nach Trinidad (Hauptstadt des im Nordosten von La Paz gelegenen Departament Beni) fliegen musste. Und weshalb? Um zirka 12:30 Uhr Mittag musste ein anderes Flugzeug, das von Guayaramerín (Grenzstadt zu Brasilien) nach Trinidad flog, auf einer Landstrasse notlanden. Zum Glueck wurde aber, laut Zeitungsberichten, niemand schwer verletzt. So flog ich also mit dem Flugzeug nach Rurrenabaque, sondern die Passagiere des notgelandenen Flugzeugs weiter nach Trinidad. Wer Spanisch versteht, kann sich hier auch den Originalzeitungsbericht der La Razón lesen: http://www.la-razon.com/versiones/20080724_006343/nota_256_638277.htm
Ich bin also gerade noch fleissig am Arbeiten und werde wahrscheinlich (!) dann morgen nach Yanacachi, in die Yungas (Nebelwaelder) aufbrechen, wo es mir beim letzen Mal sehr gut gefiel und dort ein wenig ausspannen. Am Montag waere dann der neue Flug nach Rurrenabaque.
Saludos de La Paz,
Andreas

Mittwoch, 23. Juli 2008

Machu Picchu

Querid@s amig@s:

Weiter geht es mit meinen Reisen: Vom Montag, 14. bis Sonntag, 20. Juli befand ich mich in Peru auf den Spuren der Inkas (weitere Infos zu diesem interessanten Volk: http://www.indianer-welt.de/sued/inka/index.htm). So ging es am ersten Tag zuerst einmal in Richtung Peru, nach Puno. Diesmal allerdings nicht um die schwimmenden Insel zu besichtigen (s. auch Bericht im November http://andreashorner.blogspot.com/2007/11/ghoete-o-goethe.html), sondern nur um mich in einem Luxushotel auszuruhen - ganze 11,5 Euro inkl. Fruehstueck die Nacht ;-)
Am naechsten Tag fuhr ich dann mit einem Touristenbus in Richtung Puno, der noch an verschiedensten Ruinen und anderen interessanten Plaetzen - z.B. Gasthaus zum Mittagessen - Halt machte. So besuchten wir unter anderem Raqchi, einen Tempel der dem hoechsten Inkagott Viracocha geweiht wurde (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Viracocha) oder Andahuaylillas, eine Kirche im Koloninalstil, die auch Andine Sixtinische Kapelle genannt wird. Bei dieser Reise lernte ich eine finnische Reisegruppe kennen und wurde eingeladen, doch mit ihnen in das gleiche Hotel zu gehen - so kostete mich das naechste Luxushotel wieder nur ein Drittel des eigentlichen Preises.
Um zu Machu Picchu zu gelangen, ist es notwendig mit dem Zug zu fahren, da es keine Strasse gibt - diese Monopolstellung der peruanischen Eisenbahngesellschaft, die allerdings im Besitz von Auslaendern ist, wissen sie natuerlich auszunuetzen und verlangen, vor allem fuer hier, horrende Preis: fuer 90 Minuten Zugfahrt im einfachsten Zug mehr als 35 USD - und retour noch einmal das Gleiche . Aber gut, Machu Picchu muss man gesehen haben und so zahlte ich mit leicht zitternden Haenden. ;-)
Zuvor ging es aber noch zu den Inkaruinen Saqsaywaman und Ollantaytambo. (naehere Infos: http://de.wikipedia.org/wiki/Sacsayhuam%C3%A1n und http://de.wikipedia.org/wiki/Ollantaytambo).
Bei einem Museumsbesuch in Cuzco zuvor erklaerte ich mich noch fuer verrueckt: Bis jetzt habe ich, ausser dem oesterreichischen Konsul in La Paz, noch keine(n) OesterreicherIn getroffen und da gleich zwei junge Damen, die beide ein Jahr vor mir in Freistadt maturiert hatten. Aber es war dann doch keine Fata Morgana und ich fuhr, nach dem Machu-Picchu-Besuch gemeinsam mit ihnen nach La Paz.
Am 18. Juli ging es dann zu "dem" Touristenziel in Peru: der Inkastadt Machu Picchu (http://de.wikipedia.org/wiki/Machu_Picchu). Der Anblick war faszinierend, aber seht selbst an Hand der Fotos.
Meine vorletzte Reise in Suedamerika ist also bereits vorueber - heute Nachmittag werde ich noch mit TAM, der Fluglinie des bolivianischen Militaers, nach Rurrenabaque fliegen und dort in den Zauber des Amazonasregenwaldes eintauchen.

Last but not least, die Fotos:

Machu Picchu


Man hoert/schreibt sich von Bolivien aus und sieht sich bereits in drei Wochen in Oesterreich!
Saludos de La Paz,
Andreas

Montag, 14. Juli 2008

Reise in die Yungas

¡hola!

Wie ich bereits im letzten Eintrag erwähnte, fuhr ich von letzten Donnerstag bis Samstag mit drei Arbeitskollegen nach Yanacachi, einem Dorf in den Yungas (Nebelwälder) in dem die Fundación Pueblo vor nahezu 18 Jahren gegründet wurde. Ich genoss das warme Klima, die stressfreie Atmosphäre und die frischen Früchte. Bei uns glaubt man ja, Banane sei Banane, aber hier wird man eines besseren belehrt: Bananen-Kaufen gehen ist hier gleich wie bei uns Äpfel-Kaufen - die Auswahl an verschienden Sorten ist groß!
Weiters konnte ich das erste Mal in meinem Leben verschiedene Pflanzen bewundern, zum Beispiel den Kaffeestrauch, die Bananenstauden oder Maracuyasträucher. Verwundert war ich, dass Bananen nicht mit dem "Ende" nach unten wachsen, sondern nach oben - aber seht selbst anhand der Fotos.
Hier gleich der Link:

Yungas

Falls nicht noch etwas Unerwartetes dazwischen kommt, werde ich morgen in Richtung Cuzco (Peru) aufbrechen, wo ich einige einige Inkaruinen bewundern werde.

¡Hasta pronto!
Andreas

Donnerstag, 10. Juli 2008

Ein Leben im Luxus

¡Hola!

Seit bereits zwei Wochen befinde ich mich in La Paz und genieße den Luxus dieses Großstadtlebens. So aß ich, um nur ein Beispiel zu nennen, gerade zum Abendessen ein Laugenweckerl vom deutschen Bäcker mit richtiger Extrawurst vom deutschen Fleischhauer, Essiggurkerln und gutem Käse - ein bisschen Heimat so weit weg von Zuhause. Auch die warmen Duschen, oder dass keiner komisch guckt, wenn du sogar zwei Päckchen Butter kaufst, die am Land ein Luxusgut ist, usw. sind Gründe, warum es mir manchmal hier wie im Paradies vorkommt. Viele Leute in Bolivien können sich so ein Leben, das ich gerade führe und das in Europa für viele Menschen Standard ist, nicht einmal vorstellen, da es so weit weg ihrer Realität ist.
Nun aber zu den Ereignissen der letzten Wochen:
In der Nacht zum 24. Juni feierte ich, noch in Llallagua, San Juan (Hl. Johannes) und damit die kälteste und längste Nacht des Jahres. Um sich ein wenig aufzuwärmen, zünden viele Menschen ein kleines Feuer vor ihren Häusern an und es wird gefeiert und - ihr habt es wahrscheinlich bereits erraten - viel getrunken. Auf jeden Fall war es auch für mich eine lange Nacht und die Sonne guckte bereits ueber den Berg, als ich unter die Decke schlüpfte. Das wäre jetzt natürlich alles schön und gut, wenn ich nicht an jenem Tag nach La Paz hätte aufbrechen müssen. Die Fahrt war dann aber doch weniger schlimm als zuerst befürchtet.
Meine Ankunft in La Paz kam mir beinahe vor wie Weihnachten mit Kinderaugen: soviele Autos, Geschäfte, Lichter, Leute, ... - aber mittlerweile habe ich mich schon wieder an die Zivilisation gewöhnt. :-)
Hier bin ich, netterweise, wieder im Haus des Gründers der Fundación Pueblo untergebracht und fühle mich, gut geschützt von den Wachleuten des La Paz'er Bürgermeisters, der im Haus direkt daneben wohnt, recht wohl. Vielen Dank an Günther und seiner Familie für diese Gastfreundschaft!
Seit dem 25. Juni arbeite ich im Büro der Fundadción Pueblo hier in La Paz, wo ich meinen letzten Bericht über meine Tätigkeiten hier für den österreichischen Staat schrieb und die Homepage (www.fundacionpueblo.org) überarbeitete. (Leider sind aber die Neuheiten noch nicht online - sie ist aber trotzdem einen Besuch wert!)
Zur Zeit befindet sich eine Reisegruppe der "Freunde Boliviens", ein deutscher Verein, der die Arbeit der Fundación Pueblo schon jahrelang unterstützt, in La Paz. Ich begleitete sie einige Tage bei ihren Ausflügen und fand mich schon bald als Dolmetscher wieder, da nur wenige von ihnen Spanisch können. Weiters erzählte ich ihnen von meiner Arbeit im Norden von Potosí und meinen Erfahrungen dort. Durch ihre, teils auch sehr kritischen Fragen, kam ein sehr interessantes Gespräch zu Stande, das auch mir half, einige Dinge noch einmal zu reflektieren. Vielen Dank bei euch für die netten Bekanntschaften und die vielen Essenseinladungen, die mir zuteil wurden.
Letzten Samstag ging es mit dem Mountainbike von La Paz die "World Most Dangerous Road" (weltweit gefährlichste Strasse) nach Coroico hinunter. Zum Glück ist aber diese Straße, die teils nur 3.2 Meter breit ist, mittlerweile beinahe verkehrsfrei, da im letzten Jahr am gegenüberliegenden Berghang eine neue Strasse eröffnet wurde. Eine Wahnsinnsabfahrt von über 4000 Metern auf 2000 in den Nebelwald (Yungas: http://de.wikipedia.org/wiki/Yungas)nach Coroico. Leider war die Fahrt für mich schon etwas früher zu Ende, da ich auf einer schnurgeraden Strecke einen Sturz hatte. Zum Glück ist aber, außer einigen Prellungen, nichts Schlimmeres passiert. Wäre der Sturz nicht gewesen, wäre es ein wunderschöner Tag gewesen, aber trotzdem genoss ich das Essen im warmen Klima unter Palmen, wo die Papageien herumflogen.
Da aber mein Ellbogen nicht besser wurde, beschloss ich am Montag doch noch ins Krankenhaus zum Roentgen zu gehen und rief am Morgen dort an, ob ich am Nachmittag kommen könnte. Mir wurde mitgeteilt, es sei überhaupt kein Problem und ich solle doch vorbeisehen. Als ich allerdings ankam, empfing mich zwar noch ein Arzt, der aber nur meinte, er sei der letzte Arzt der sich noch um die übriggebliebenen Patienten kümmere. Behandeln könne er mich allerdings nicht mehr, da die Klinik bereits verkauft sei und die Röntgengeräte nicht mehr im Haus seien. Was sich seit meinem Anruf alles verändert hatte! Also ging es mit dem Taxi weiter in eine andere Klinik, die noch nicht verkauft war. Ich wurde dort sofort bedient - zwar angenehm für mich, da keine Wartezeit, aber trotzdem ein ungutes Gefühl, einfach, an mindestens zwanzig wartenden Personen vorbei, direkt in den Behandlungsraum durchgewinkt zu werden. Und das nur, weil man weiß ist und damit angenommen wird, dass ich gut bezahle - insgesamt mit zwei Röntgenbildern weniger als 50 Euro. Die gute Nachricht ist, dass nichts gebrochen ist: Der Arzt meinte, ich müsste noch einmal fallen, um kaputte Knochen zu haben. Ich hoffe, mit jenem Röntgengerät, das seine besten Jahre auch schon hinter sich hatte, kann man wirklich Bildern anfertigen, womit man einen Bruch erkennen könnte.
Da ich eigentlich seit Montag in meinen vierwöchigen Ferien bin, plane ich bereits eifrig meine Reisen. Die nächsten drei Tage geht es nach Yanacachi, einem Dorf in den Yungas (siehe oben), indem die Fundación Pueblo vor beinahe 18 Jahren gegründet wurde. Dort werde ich einige Projekte besuchen und einfach die Wärme geniessen.
Danach, wenn in Peru die Streiks wieder vorbei sind, soll es Richtung Cuzco gehen, von wo ich die Inka-Stadt Machu Picchu besuchen möchte. In den darauf folgenden zwei Wochen möchte ich noch das Tiefland Boliviens mit dem Amazonas-Regenwald kennenlernen. Ein volles Programm also bis zu meinem Abflug am 13. August!
Ich sende euch die besten Grüße aus La Paz!
Un abrazo,
Andreas

PS: Wenn manche bereits denken, meine E-Mail-Adresse sei nicht richtig, nur keine Angst: Ich bin nur wieder einmal im Rückstand mit dem Beantworten. Allerdings freue ich mich über jedes einzelne Mail und ich werde JEDES beantworten. Also fleissig weiterschreiben! :-)
Saludos,
Andreas

Sonntag, 22. Juni 2008

Der (wahrscheinlich) letzte Eintrag vom Campo!

Queridos amig@s:

Da in Bolivien alles immer sehr unplanbar ist, kann es sein, dass meine Zeit in Tomaycuri bereits schneller als geglaubt voruebergegangen ist. Aber dazu später.
Zuerst einmal der Bericht, was in den letzten Wochen im Norte de Potosí passierte: Ebenfalls unplanbar ist zuletzt die Abfahrtszeit der Flota (Überlandbus) geworden, mit der ich normalerweise am Sonntag um 10 Uhr ins Dorf fahre. Am 25. Mai hiess es nur, sie sei nicht angekommen. Stress, Stess um noch einen Platz in einer anderen flota zu ergattern, die zwar nur bis Macha (ein Dorf vor Tomaycuri) faehrt, aber von dort kann man ja dann irgendwie schauen, wie man weiterkommt. Im Endeffekt fuhr sie dann sogar bis Ocuri (ein Dorf nach Tomaycuri) - aber gut, wir sind angekommen.
Am Sonntag darauf wieder dasselbe Spiel: Flota um 10 Uhr nicht angekommen, zur anderen, die ab sofort immer (!) bis nach Ocuri (ein Dorf nach Tomaycuri) faehrt und es gab mittlerweile Geruechte, dass die 10-Uhr-flota eingestellt worden ist. Problem war aber ein anderes: Fuer die Fahrt, die normalerweise fuenf bis sechs Stunden dauert, brauchten wir zehn. Denn leider ging einem Reifen auf der Strecke die Luft aus und es dauert, wenn man keinen Ersatzreifen mithat, bis der kaputte notduerftig geflickt ist, bis noch einen Reifen von hinten, wo es Doppelreifen hat, vorne montiert ist und schlussendlich der kaputte wieder hinten angemacht ist. Soweit so gut - zweieinhalb Stunden vergangen. Klarerweise kann man mit einem notduertig geflickten Reifen nur bis ins naechste Dorf fahren, wo er dann in einer Zwei-Stunden-Reparatur "gut" geflickt wurde. Danach faehrt man weiter, bis einem einfaellt, dass es eigentlich schon Zeit zum Abendessen ist. Also noch einmal Halt und eine Stunde Zeit um sich den Bauch volllzuschlagen. Im Endeffekt bin ich um 10 Uhr abends todmuede und "etwas" genervt nach einer 10-stuendigen-Reise in Tomaycuri angekommen und gleich ins Bett gefallen.
Reisen am Land von Bolivien ist eben eine Sache fuer sich und man braucht vor allem Zeit (siehe auch Bericht vom 22. Mai).
Noch eine kleine Anekdote von meiner Dorfverantwortlichen: Allen Ernstes erzaehlte sie mir, dass es im Bení (Departament von Bolivien) noch Leute im Urwald geben, bei denen die Evolution noch nicht so weit fortgeschritten sei. Als ich sagte, dass ich das nicht glaube, meinte sie nur: Ich habe es doch selbst gesehen. Traurig, wenn man zusaetzlich weiss, dass sie die bolivianische Matura und ein abgeschlossenes Jus-Studium hat.
Leider war es im Dorf in den letzten Wochen in der Nacht immer sehr kalt und ich verkuehlte mich deswegen - vor allem mein Hals schmerzte wieder und ich hatte teilweise keine Stimme. Mittlerweile ist aber, nach einigen Tagen Aufenthalt im etwas waermeren Llallagua, wieder gut und ich fuehle mich gerade ganz gesund, was ja leider der Ausnahmezustand in den letzten zehn Monaten war.
Am 29. Mai fuehrte ich den "Taller de Germinados" (Seminar zur Keimlingsherstellung) mit den Gastmüttern im Dorf durch. Obwohl die Verständigung nicht leicht war, da die meisten beinahe nur Quechua sprechen, denke ich, dass sie verstanden haben, wie gesund, Keimlingssprossen der verschiedenen Getreide sind. Wir bastelten gemeinsam fuer jede Gastmutter mit PET-Flaschen eine "Keimflasche" und ich schenkte ihnen noch eine Ration Quinua, damit sie gleich die ersten Sprossen ziehen konnten.
Da in Bolivien am 6. Juni "Día del Maestro" (Tag des Lehrers) ist, war an jenem Freitag schulfrei und die LehrerInnen das ganze Wochenende betrunken. Ich nutzte das verlaengerte Wochenende und fuhr mit Esther und Philippe, den beiden Schweizern aus Llallagua, nach Sucre. Leider blockierten aber jenen Freitag die Buschauffeure die Stadteingänge von Sucre und es gab wirklich kein Durchkommen. Zum Glueck war aber der Streik nach drei Stunden Warten um sechs Uhr abends bereits zu Ende und wir konnten zum Haus einer anderen Schweizerin fahren, wo wir uebernachteten. In Sucre genossen wir vor allem das ausgezeichnete Essen, das waermere Wetter, die wunderschoene Stadt und - klar - die Fussballspiele der EM, die sogar bis nach Bolivien uebertragen werden. Ein paar Hintergrundinformationen zu Sucre: http://de.wikipedia.org/wiki/Sucre
Am Montag gab es dann in ganz Sucre kein Benzin, da ja die vergangene Woche kein Transporter in die Stadt konnte. Doch die Tankstellenangestellten machten uns dennoch Hoffnung und meinten, zu Mittag waere der LKW doch sicher schon angekommen. Also reihten wir uns in die Schlange der wartenden Fahrzeuge ein und - genossen die Sonne fuer zwei Stunden. Als es dann hiess, wahrscheinlich komme heute kein Benzin mehr, tankten wir aus unseren mitgebrachten Kanistern, wobei wir nachher sehr nach Benzin stanken.
So kam ich dann doch noch in Tomaycuri an. Allerdings blieb ich dort nicht mehr als einen Tag: Am Dienstag Nachmittag hiess es, dass die Lehrer ab Mittwoch in Streik treten und Sandra, die Dorfverantwortliche der Fundación Pueblo, und ich fuhren auf der Ladeflaeche eines LKW noch in der Nacht bis Llallagua. Ich hatte die Kälte ein wenig unterschaetzt, aber zum Glueck waren die geladenen Zementsaecke mit einer Plastikplane bedeckt, die ich kurzerhand als Decke verwendete und darunterkroch.
Da die Lehrer dann drohten, ab Montag in unbegrenzten Streik zu treten, wurden einfach von der Regierung die Winterferien um zwei Wochen vorverschoben und begannen nun bereits vergangenen Montag. Zur Zeit ist die Diskussion, ob die Lehrer nun diese Entscheidung akzeptieren oder trotzdem Unterricht abhalten werden. Oder doch streiken, oder zusaetzlich noch Strassen blockieren, oder, oder, oder ...
Fuer mich kam natuerlich, wie fuer alle hier, das Schulende sehr ueberraschend. Da ich mich nicht einmal von den Stipendiaten verabschiedet habe, bin ich auch ein wenig traurig darueber, dass es nun so ploetzlich zu Ende war. Ich werde ihnen aber fuer jeden ein Gruppenfoto mit mir zurucklassen, damit sie zumindest eine kleine Erinnerung haben, an ihren "tío" (Onkel), wie ich immer liebevoll genannt wurde.
Dafuer veranstaltete ich am Freitag, den 13. Juni, eine kleine Abschiedsfeier in Llallagua, wobei ich die Mitarbeiterinnen hier zu einem Abendessen mit guter oesterreichischer Nachspeise - Palatschinken - einlud. Obwohl manche Personen das Datum nicht so gut fanden, war es trotzdem eine nette kleine Feier.
Am vergangenenen Mittwoch fuhr ich das letzte Mal nach Tomaycuri um meine Sachen rauszuholen und von den Leuten Abschied zu nehmen. Weiters uebergab ich die fuenf neuen Fussbaelle, die von einem Lehrer des Gymnasium Freistadts bezahlt wurden, an die Becados (Stipendiaten), die eine grosse Freude hatten, da zur Zeit alle anderen Baelle bereits kaputt sind.
Am Donnerstag lud ich noch die Dorfverantwortliche und zwei Personen des Dorfes auf Marmelade-Palatschinken ein, die ihnen sehr schmeckten. Auf der einen Seite waren diese letzten Tage traurig: Von manchen Personen, zum Beispiel meinem Hausbesitzer, einigen Gastmuettern oder den SchuelerInnen, fiel es mir nicht leicht, Abschied zu nehmen, da ich weiss, dass ich sie vielleicht nie wieder sehen werde, obwohl ich allen versprochen habe, wenn ich wieder genug Geld fuer den Flug habe, zurueckzukehren und sie zu besuchen.
Gestern fuhr ich dann, nachdem ich wieder einmal sechs Stunden gewartet hatte, wieder nach Llallagua und genoss nach der staubigen LKW-Fahrt die Dusche. Am Abend feierten wir dann mit der Bevoelkerung das den andinen Jahreswechsel - seit heute befinden wir uns im Jahr 5516. Ab zirka 11 Uhr abends wird am Stadtplatz getanzt und gefeiert bis es Mitternacht ist und das neue Jahr beginnt. Der richtige Jahreswechsel ist aber erst am 21. Juni bei Sonnenaufgang. Auf diesen warten alle und vertreiben sich die Zeit mit Tanz und sehr viel Alkohol. Danach wird ein Berg bestiegen und man wartet auf Tata Inti (Vater Sonne). Mit den ersten Sonnenstrahlen beginnt das neue Jahr und alle koennen schlussendlich ins Bett gehen. Wer Spanisch kann oder auch nur um die Fotos anzusehen, hier zwei Links zu Hintergrundinformationen: http://www.rpp.com.pe/detalle_108045.html http://www.eldiario.net/noticias/nt080621/6_06clt.php

Zur Zeit befinde ich mich in Llallagua und geniesse ein wenig den Luxus, zum Beispiel warme Dusche, wenn es gerade nicht wieder einmal kein Wasser hat. Untertags arbeite ich im lokalen Büro, wo ich auch meinen letzten Arbeitsbericht aus dem Dorf fertigstellte. Wer Interesse hat und Spanisch kann, hier der Link: http://www.doktus.de/dok/51474/informe_junio_2008.html
Alle die meinen Blog das ganze Jahr ueber fleissig verfolgt haben, koennen sich sicher noch erinnern, dass ich zur Weihnachtszeit in Arica, Chile, am "bolivianischen" Strand meinen Urlaub verbrachte. Auch Esther und Philippe waren vor einiger Zeit dort und haben sich nun die Muehe gemacht, einen "Vergleich Llallagua-Arica" zu schreiben. Da ich den Text wirklich toll finde und ich auch aehnliche Gedanken hatte, hier der Link: http://www.doktus.de/dok/51470/vergleich-llallagua-arica.html

Und last but not least, der Link zu den Fotos:


Ganz liebe Gruesse aus Llallagua nach Europa,

in weniger als 60 Tagen sehen wir uns,

Andreas

Donnerstag, 22. Mai 2008

Auch das letzte Viertel wird vorüber gehen! :-)

¡Hola!

Ein Überblick über die Geschehnisse der letzten drei Wochen hier im Norden von Potosí:
Am Sonntag, 4. Mai, findet im Norden Potosís das alljährliche "Fiesta de la Cruz" (Fest des Kreuzes) statt. Dieses ist unwiderrufliche mit dem bekanntesten lokalen Tanz, dem Tinku, verbunden. Macha, ein kleiner Ort eine Autostunde von "meinem" Dorf entfernt, ist der bekannteste Austragungsort dieses Fest. Da der Bus, mit dem ich am Sonntag normalerweise ins Dorf fahre, auch Macha passiert, erlebte ich live, was es heisst, wenn die Tinkutänzer aufs Tanzen pfeifen und sich den Kampf ansagen. Am Hauptplatz wird fröhlich getrunken, getanzt und Waren verkauft, während 50 Meter weiter zwei "verfeindete" Gemeinden sich mit Steinen die Köpfe einschlagen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes - Ergebnis dieses Jahres: zwei Tote und unzählige Verletzte. Wenn man allerdings mit den Menschen hier spricht, heisst es oft, einer muss sowieso mindestens sterben, da sonst kein Opfer fuer die Pachamama dargebracht wurde (gute Erklaerung von Pachamama: http://de.wikipedia.org/wiki/Pachamama). Die Polizei, die eigentlich das Schlimmste verhindern sollte, erscheint sehr hilflos - ein paar Dorfpolizisten die eine Horde rauflustiger Bauern/Bäuerinnen in Schach halten sollte. Wenn es als zu schlimm befunden wird, wirft man halt wieder einmal eine Tränengasbombe unter das Volk, was aber relativ wenige abschreckt. Eine gute Homepage zum Tinku in der Gegend von Macha ist: http://www.unet.univie.ac.at/~a9750175/deutsch/atinku.htm
Nachdem wir zirka eine Stunde im Bus gewartet haben, da wegen der Raufereien einfach kein Durchfahren möglich war, ging es dann doch ueber einen kleinen Umweg weiter.
Im Englisch-Unterricht sind die Bücher, die ich vom Gymnasium Freistadt bekommen habe, sehr nützlich - allerdings kennt man das hier nicht, das Unterrichtsmaterialien aufbauend sind, d.h. ich muss zuerst die Lektion 1 beherrschen, bevor ich Lektion 2 machen kann. Hier wird halt bei der Unterrichtsvorbereitung das Buch aufgeschlagen und zufällig ein Lied oder eine Übung ausgewählt, die gerade ein bisschen zum Stoff passt. Wahrscheinlich ist das eben nicht so, wie es sich die Autoren der Bücher und LehrerInnen in Österreich vorstellen, aber für hier, wo normalerweise nur fade Satzübersetzungen gemacht werden, einfach ein grosser Fortschritt in der Unterrichtsqualität.
Im Dorf ist es jetzt in der Nacht schon immer sehr kalt - wir befinden uns ja im Herbst und bewegen uns in raschen Schritten dem Winter zu. Am Morgen steht das Termometer meist nur bei 5° C, aber im Zimmer. Draussen duerfte es noch um einiges kaelter sein, da der Wasserhahn oft bis 1 Uhr Nachmittag gefroren ist.
Als ich letztes Wochenende nach Llallagua fuhr, hatte ich leider ein bisschen Pech: Am Freitag, 10 Uhr morgens konnte ich mit einem PKW bis ins naechste Dorf mitfahren. Von dort ist es normalerweise kein Problem eine Mitfahrgelegenheit bis nach Llallagua zu bekommen. Dem war aber nicht so - geschlagene sechs Stunden sass ich am Strassenrand, mit scharfem Blick in der Ferne ein Auto suchend, und - es kam nichts. Schlussendlich, um 5 Uhr nachmittags konnte ich mit einem Lehrer nach Llallagua fahren. So dauerte meine Reise, die normalerweise ca. 5 Stunden ist, diesmal das Doppelte - naemlich 10 Stunden. Aber gut - ich habe es ueberlebt, wenn auch mit schweren Nervenschäden. ;-)
Diese Woche bin ich bereits am Dienstag aus dem Dorf geflüchtet, da ich am Morgen einfach keine Stimme hatte und es mir auch so gesundheitlich nicht gut ging - eine sehr kurze Woche, da aber nur bis Mittwoch Schule nicht so schlimm. Mittlerweile geht es auch langsam wieder besser und ich geniesse fuer ein paar Tage den Luxus in einem "europäischen" Haus zu wohnen (inkl. warmer Dusche!!!).
Freue mich auf eure Rückmeldungen per E-Mail!
Liebe Grüsse aus Llallagua im kalten Norden Potosís,
Andreas

PS: Mittlerweile sind es schon weniger als 3 Monate bis ich wieder in Österreich bin. Freue mich schon wieder auf euch!

Sonntag, 4. Mai 2008

Mit vollem Schwung ins letzte Drittel!

¡hola amig@s en el mundo!

Nach mehr als einem Monat und einigen "Beschwerden" ;-) , wann den wieder ein Eintrag komme, hier der Bericht über die vergangenen sechs Wochen in Bolivien.
Leider fing die Woche nach dem 15. März nicht besonders gut an - bereits am Montag wieder einmal Durchfall. Wahrscheinlich war ein Sandwich, das ich am Vortag auf der Reise gekauft hatte, bereits zu lange zubereitet. Da in jener Woche die Karwoche und bereits ab Mittwoch keine mehr Schule mehr stattfand, konnte ich bereits am Dienstag Nachmittag aufbrechen und meine Reise in Richtung Süden des Landes, nach Tarija (Link: http://www.bolivia.de/de/tourismus/tarija.html) beginnen. Doch meine Pläne gingen nicht ganz auf - am Dienstag kam erst spätabends ein LKW, der mich mitnahm. Allerdings nur bis Macha, dem nächsten Dorf, und dort war meine Reise für diesen Tag auch bereits wieder zu Ende - keine weitere Mitfahrgelegenheit in Richtung Potosí. Also übernachtete ich in Macha für 6 Bolivianos (ca. 60 Eurocent) und hatte Angst, dass mir vom Kari-Kari mein Fett in der Nacht abgesaugt würde, da ja dies in jenem Dorf besonders gefährlich sei. Am Land in Bolivien glauben beinahe alle an diesen "Geist" und fürchten ihn, da man normalerweise danach stirbt. Das Problem ist zusätzlich, dass die Legende besagt, dass ein ausgebildeter Arzt die Krankheit nur schlimmer mache und man nur mit traditioneller Medizin eine Chance hätte. Das dadurch viele, oft leicht heilbare, Krankheiten einfach unbehandelt bleiben, liegt auf der Hand.
Am nächsten Morgen ging es weiter nach Potosi (http://de.wikipedia.org/wiki/Potos%C3%AD), wo ich die "Casa de la Moneda" - "Haus des Geldes" besuchte. Die ehemalige Münzprägestätte der Spanier dient nun als Museum, wo vor allem die Geschichte Potosís dargestellt wird. Interessant ist, dass heute einige der bolivianische Münzen in Spanien geprägt werden - Geschichte einfach umgedreht!
Über Nacht ging es dann weiter nach Tarija, der Stadt des Weines in Bolivien. Ich genoss in diesen zwei Tagen vor allem das Wetter - endlich wieder einmal nur mit kurzem T-Shirt herumzulaufen. Doch nicht nur das Wetter war ein Genuß, sondern auch der Wein, den ich in einer privaten Tour mit einem Taxifahrer (70 Bol - 6 EUR) in drei Weinkellnern degustierte. In der Nacht von Karfreitag auf Karsamstag ging es in einer zehn-stündigen Busfahrt wieder zurück nach Potosí, wo ich meinem Hotel das warme Duschen und die Gemeinschaft mit Leuten aus aller Welt genoss - wo kann man schon mit Personen von vier Kontinenten (S-Amerika, N-Amerika, Europa, Australien) gemeinsam ein Bier trinken?
Am Sonntag schloss ich meinen Urlaub mit der fünfstündigen Rückreise ins Dorf - Tomaycuri - ab.
Doch die Höhepunkte gehen weiter: Am Montag, 24. März, wurde der Tag des Meeres gefeiert (interessanter Erfahrungsbericht unter http://blog.amistad-bolivia.info/tag-des-meeres-dia-del-mar/). Ich nutzte die "Hora Cívica" (Feierstunde) um zum Schluss die Englisch-Bücher, die mir das BG/BRG Freistadt gesendet hatte, ofiziell an die Schule zu übergeben. Aus diesem Grund musste ich meine erste kleine Rede auf Spanisch halten und es "geht mittlerweile ganz flüssig". ;-)
In jener Woche hatten wir leider im Dorf immer wieder Probleme mit dem Wasser - nur selten tropfte es aus den Hähnen und wenn, dann stand die gesamte Dorfbevölkerung Schlange um etwas Wasser zu ergattern. Zum Glück ist das Loch in der Leitung aber mittlerweile wieder geflickt - allerdings wurde mir richtig bewusst, wie hilflos wir ohne Wasser sind und wie wenig wir die gute Trinkwasserversorgung in Österreich schätzen.
Meine Fahrt nach Llallagua in jener Woche (27. März) war auch ein Erlebnis - da der LKW zuvor Mehl transportiert hatte, waren wir nachher "mehr als weiß" - zumindest kannte man den Unterschied nicht mehr, wer nun der Gringo "Weißer" war. :-)
Am Wochenende wohne ich seit einiger Zeit bei Esther und Philippe, zwei Schweizern, die in Llallagua im "Centro Integral Juvenil" (Jugendzentrum) arbeiten. Für mich ist es immer sehr angenehm, europäisches Essen zu geniessen, mit jemanden, der ähnliche Erfahrungen macht, zu tratschen, warm zu duschen, ...
Da ich schon mehrmals gefragt wurde, wie gross denn die Schule in meinem Dorf sei, hier die aktuellen Zahlen aus Tomaycuri: insgesamt 378 SchülerInnen und 14 LehrerInnen in 12 Schulstufen (bis zur bolivianischen Matura); allerdings gehören zur "Zentralschule" in Tomaycuri noch einige kleinere Schule in anderen Dörfern dazu: alles gesamt: 735 SchülerInnen und 30 LehrerInnen
Hoffe, die Neugierde ist befriedigt! ;-)
Am 3. April marschierte ich gemeinsam mit den beiden Direktoren und der Lokalkoordinatorin genau zu so einer kleineren Schule in Qheojo. Nach einer zweieinhalbstündigen Wanderung (normalerweise eineinhalb Stunden, aber wir haben uns verlaufen) über Stock und Stein, nahmen wir an einer Versammlung mit den Lokalautoritäten, Eltern usw. teil. Das Ziel war auch, SchülerInnen, die die achtjährige Schulpflicht noch nicht abgeschlossen haben, zum Schulbesuch zu überreden. Gesetzlich könnten sogar bis zu 500 Bolivianos (40 EUR) Strafe verhängt werden, was aber nahezu nie geschieht und für die Landbauern einfach nicht leistbar wäre - dieser Betrag muss für die Ernährung einer Familie für mehrere Monate reichen.
Wer aufmerksam meinen Blog verfolgt hat, kann sich sicher an meine Zimmermaus erinnnern - dies ist nun das letzte Kapitel der Geschichte. Am 8. April wurde das Mäuschen tot und halb von Maden zerfressen unter meinem Schrank gefunden. Ruhe in Frieden, meine Hausmaus, und dass keine Nachfolger erscheinen!
Am 10. April fand in die Tomaycuri die ofizielle Übergabe der Verantwortung der Schülerpension in Familien von Fundación Pueblo an die Gemeinde statt. Mittlerweile läuft das Programm im fünften Jahr und hat schon vielen SchülerInnen den Schulbesuch ermöglicht. Um die Nachhaltigkeit zu garantieren zieht sich Fundación Pueblo nun Mitte des Jahres zurück und die Gemeinde führt das Programm weiter. Fundación Pueblo wird nun in anderen ländlichen Regionen Boliviens den Samen des Programms säen und wir hoffen, dass die Ernte so reichhaltig ausfällt wie im Norden von Potosí.
Wie bereits im Titel ersichtlich ist, habe ich schon mehr als zwei Drittel meines Dienstes abgeschlossen. Um den Staat Österreich über meine Tätigkeit hier zu informieren, erstellte ich nach dem 8. Monat meinen zweiten Tätigkeitsbericht. Im Internet ist er unter http://www.doktus.de/dok/50756/taetigkeitsbericht2_horner.html zu finden, wo ihr euch ihn jederzeit downloaden könnt (links auf rotes Symbol unter " Dnload Dokument als:" drücken).
Am 12. April ging ich mit Esther und Philippe, den Schweizern, und einem weltreisenden Franzosen in Llallagua in die Mine. Ausgerüstet mit Wasser, Taschenlampen und Zigaretten für die Mineros (Minenarbeiter), starteten wir um sieben Uhr morgens unseren Ausflug. Mit einem Minero ging es 90 Meter auf glitschigen Holzleitern in die Tiefe. Die Arbeiter schuften in winzigen Stollen bei Hitze und Feuchtigkeit für einen Hungerslohn. Da jeder Minero auf seine eigenen Kosten arbeitet, kommt es auch sehr auf das Glück drauf an, ob er erzreiches Gestein, und vor allem in welcher Qualität findet, dass er dann weiterverkaufen kann. Nach einer kleinen Tour in der Mine führte uns der Minero zum Aufenthaltsraum und meinte, wir sollten dort drei Stunden auf ihn warten, da er jetzt arbeiten gehe. Also verbrachten wir jene Zeit neben einem Kompressor zur Luftversorgung, dösend, Koka-Blätter-kauend und auch ein wenig verärgert. Aber unser Führer kam zurück und wir erblickten nach einer aufregenden Liftfahrt - offener Holzkabine an Seil - und sechs Stunden unter der Erde das Tageslicht. Fix und fertig gingen wir durch die Stadt, von allen Einheimischen begafft, und freuten uns nur mehr auf die Dusche und das Hühnchen, das wir als Mittag-/Abendessen verspeisten.
Letzte Woche musste/durfte ich schon wieder reisen: Da ich in Bolivien immer nur ein Visum für 90 Tage, führte mich diese fünftägige Reise über die Grenze nach Argentinien. Im Grenzort La Quiaca verbrachte ich eine Nacht um am nächsten Tag wieder nach Bolivien einzureisen und - zum Glück - weitere 90 Tage Visum in Empfang nehmen durfte. Bei der Rückreise machte ich Halt in Tupiza (http://de.wikipedia.org/wiki/Tupiza) und liess mich auf dem Rücken eines Pferdes drei Stunden durch die herrliche Landschaft tragen.
Am Samstag ging es dann schon wieder in die Mine - diesmal in Potosí, wo diese Touristentouren schon ein riesiger Wirtschaftszweig sind. Die Mineros arbeiten allerdings unter den gleichen schlechten Bedingungen wie in Llallagua. So stirbt nur in Potosí im Durchschnitt ein Minenarbeiter pro Woche bei Unfällen im Berg.
Wie viele wahrscheinlich wissen werden, fanden in letzter Zeit zwei Konzerte der "Gymnasian Harmonists" des BG/BRG Freistadt unter der Leitung von Mag. Peter Wiklicky zu Gunsten von Fundación Pueblo statt. Ich gratuliere zu den zwei gelungenen Verstaltungen und bin ein wenig traurig, dass ich selbst nicht dabei sein konnte. Also, ein herzliches "muchas gracias" an den Chor (ihr habt eure humanitäre Reifeprüfung alle mit ausgezeichneten Erfolg bestanden!), an alle Mitwirkenden und natürlich an alle SpenderInnen! Ich freue mich sehr, da ich weiss, wie gut das Geld hier gebraucht und vor allem auch, wie sinnvoll es eingesetzt wird.
Zum Schluss gibt es natürlich zu diesen Geschichten auch noch Fotos.
Hier der Link:
Mit vollem Schwung ins letzte Drittel!


PS: Eigentlich hätte dieser Eintrag schon vor einer Woche online gehen sollen. Da aber in Bolivien vieles nicht planbar ist, könnt ihr ihn erst heute lesen. Letztes Wochenende war die Strasse von meinem Dorf nach Llallagua auf einer Strecke von einem Fussweg von zwei Stunden blockiert. Der Nachbarort streikte - aber nicht wie in Oesterreich ein paar Leute, nein: das gesamte Dorf stand still. Angefangen von den Marktfrauen, ueber die Tankstelle bis zur Polizei arbeitete niemand. Der Grund: Der Buergermeister und die gesamten Lokalautoritäten sollten zuruecktreten. Aus diesem Grund hiess es am letzten Freitag schon zwei Stunden in der Mittagshitze marschieren. Am Samstag Abend wurde mir dann Auskunft gegeben, dass der Bus, der am Sonntag ins Dorf faehrt, erst am Sonntag Abend und nicht wie normal um zehn Uhr morgens fahren wird. Da ich dieser Auskunft des Busfahrers vertraute, wollte ich am Sonntag ausschlafen und danach den Bericht online stellen. Dem war aber nicht so: Als ich um viertel nach 10 Uhr morgens zum Bus ging, um nachzufragen, wann er nun fahre, meinten sie, er fahre jetzt sofort. Gut - Stress, Stress, Stress: Schnell Sachen gepackt, dabei Toilettsachen vergessen, zum Bus geeilt und den Eintrag nicht online gestellt. Soweit eine Geschichte aus Bolivien.
Noch eine Anmerkung zu den Zeitungsberichten zur Zeit in Oesterreich: Die schreckliche Geschichte zum "Martyrium im Kellerverlies" erschien sogar im bolivianischen Fernsehen. Doch auch in den bolivianischen Tageszeitung ist sie zu finden, z.B.: http://www.laprensa.com.bo/noticias/02-05-08/02_05_08_mund1.phpFuer viele Menschen hier wird es wahrscheinlich das erste Mal sein, dass sie etwas von Oesterreich hoeren. Ich wurde gestern bereits im Büro darauf angesprochen und gefragt, ob das mein Dorf sei.
Jetzt aber wieder etwas zur politischen Lage in Bolivien:
Am Sonntag, 4. Mai, wird es in Santa Cruz, einem Departament ("Bundesland") Boliviens, Autonomieabstimmungen geben, die aber von der Regierung in La Paz als ungueltig erklaert wurden. Es wird auch gesprochen, dass Leute aus dem Hochland, die zum Grossteil regierungstreu sind, sich formieren und am Sonntag nach Santa Cruz reisen um Leute am Abstimmen zu hindern, de facto um sich zu pruegeln. Zur Zeit weiss einfach niemand, was am Sonntag und in der Zeit danach passieren wird - im Radio wird sogar von Putschversuchen gesprochen. Ziemlich sicher wird es wieder Strassenblockaden geben und aus diesem Grund bin ich schon am Einkaufen von Lebensmittel, die dann vielleicht nicht geliefert werden. Zu diesem Thema erschien sogar in einer österreichischen Tageszeitung ein Artikel: